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Der Besuch von Stundenhotels ist in Buenos Aires Mode

Buenos Aires (dpa) - In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires sind neuerdings Stundenhotels in Mode. Seit einiger Zeit werden die bezahlten Liebesnester nicht mehr nur von professionellen oder heimlich Liebenden aufgesucht, die keinen anderen Ort zum Ausleben ihrer Leidenschaft haben. Die «Telos», wie sie von den Argentiniern genannt werden, sind angesagt - und zwar in der jungen Szene der bürgerlichen Mittelschicht.

Buenos Aires (dpa) - In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires sind neuerdings Stundenhotels in Mode. Seit einiger Zeit werden die bezahlten Liebesnester nicht mehr nur von professionellen oder heimlich Liebenden aufgesucht, die keinen anderen Ort zum Ausleben ihrer Leidenschaft haben. Die «Telos», wie sie von den Argentiniern genannt werden, sind angesagt - und zwar in der jungen Szene der bürgerlichen Mittelschicht.

Wo sich traditionell Paare mit abgewandtem Gesicht verstohlen durch die Tür schleichen, schlendern heute lässig gestylte junge Männer und Frauen cool auf die Rezeption zu. Sie besuchen das «Telo» nicht, um Ehebruch zu begehen oder weil die offizielle Moral ihrer Liebe keine andere Wahl ließe - «Telo» ist Kult. Die jungen Leute mit Sinn fürs Kuriose stehen auf den Kitsch und den schlechten Geschmack der anrüchigen Etablissements. Der Besuch im Stundenhotel wird nicht vertuscht, sondern zelebriert und auf der nächsten Party zum Gesprächsstoff gemacht.

Zu erkennen sind die über die ganze Stadt verteilten «Telos» an einer roten Lampe, die eher unauffällig an der Hauswand angebracht ist, und an den abgedunkelten Fenstern. Diskretion ist hier oberstes Gebot. Wer mit dem Auto kommt, gelangt von den versteckten Parkplätzen aus direkt zur Rezeption.

Von umgerechnet drei Euro an können Paare sich dann drei Stunden lang in einem Zimmer ungestört vergnügen oder auch die Kuriositäten der Lokalität erforschen. Von edel mit Whirlpool bis zu schmuddelig mit Plastikbettbezug kann man in Buenos Aires in jeder Preisklasse lieben. Zur Standardausstattung der Zimmer gehören frische Handtücher und Präservative, ein Spiegel über dem Doppelbett, ein Fernseher, in dem Filme laufen, über deren erotische Wirkung sich streiten lässt, sowie eine Bestellkarte für Getränke und für Liebesspielzeug.

Die 28-jährige Fotografin Gisella lebt mit ihrem Freund in einer eigenen Wohnung. Trotzdem besuchen die beiden gelegentlich ein «Telo». «Wir gehen zum Spaß hin. Es ist lustig, immer wieder andere von diesen überladenen Orten zu entdecken», sagt Gisella.

Doch natürlich kommen nach wie vor auch viele aus Mangel an räumlichen Alternativen ins Stundenhotel: Prostituierte mit ihren Freiern, Familienväter und-mütter, die ihre Ehepartner betrügen, vor allem aber verliebte Jugendliche aus streng katholischen Familien, die die Nacht nicht beim Freund oder der Freundin verbringen dürfen.

Bei einigen der nonchalanten Endzwanziger dürfte es sich daher beim «Telo»-Besuch wohl um eine nachträgliche Legitimierung und eine Art des späten Protests gegen den Zwang zur Heimlichkeit handeln, unter dem sie als Teenager zu leiden hatten. Gisella jedenfalls räumt ein: «Das erste Mal in einem Telo war schrecklich für mich und furchtbar peinlich. Ich war 17, mein Freund hat mich damals überredet. Wir hatten keinen anderen privaten Ort für uns.»

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