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Der Blick auf die Versicherungszahlen

Halten Hannoveraner zusammen? Nicht immer. Wenn Michael Franke von Franke & Bornberg (F & B) in Hannover die Fehler der gängigen Vergleiche von Lebensversicherern anprangert, ist sein Lieblingsbeispiel die Hannoversche Lebensversicherung. Nicht ohne Grund: Dieses Unternehmen hat sicher seine Qualitäten. Dass es bei den meisten Vergleichen immer noch auf den vorderen Plätzen landet, obwohl es Probleme in der Kapitalanlagepolitik hat, stellt aber die Qualität dieser Vergleiche in Frage.

Frankes Hauptkritik: Die meisten Vergleiche bewerten sehr stark die Kosten. Dabei schneidet die Hannoversche, die ohne teuren Außendienst arbeitet, gut ab. Dagegen werden die Erträge in der Bewertung oft zu wenig gewichtet. Hier hat die Hannoversche ein Problem: Sie musste ihre Gewinnbeteiligung besonders stark kürzen.

Nun hat die auf Versicherungsanalysen spezialisierte F & B einen eigenen Kennzahlenvergleich zur deutschen Lebensversicherungsbranche erstellt. Eines ist jetzt schon sicher: Nachdem die Gesellschaft andere Ratings kräftig kritisiert hat, darf sie sich ihrerseits auf kritische Aufmerksamkeit freuen.

F & B hat zunächst keine regelrechte Rangliste erarbeitet, sondern die Kennzahlen von 89 Lebensversicherern nach einem einheitlichen Schema ausgewertet. Speziell für diesen Artikel wurden aber die Kennzahlen für die Kosten-Ertrags-Relationen bei Laufzeiten von zwölf, 20 und 30 Jahren und diejenigen für die Sicherheitsreserven sortiert und danach die jeweils zehn besten Anbieter herausgesucht. Eine einheitliche Rangfolge ergibt sich daraus nicht. Aber ein Blick auf die Tabellen zeigt schnell, welche Anbieter gut abschneiden.

Wie Franke selbst zugesteht, ist dieser Vergleich ebenfalls nicht perfekt, wenn er auch die Ertragskraft und die Reserven der Lebensversicherer stärker zur Geltung bringt als andere Ratings. Es ist aber zum Beispiel möglich, dass ein Unternehmen, das mit einer vorsichtigen Kapitalanlagepolitik allmählich Bewertungsreserven aufbaut, in den Tabellen nicht in der Spitzengruppe auftaucht, obwohl es eigentlich auf sehr gutem Weg ist. Außerdem dürften Unternehmen, die ihren Kunden die Kosten besonders stark zu Anfang der Laufzeit belasten ("zillmern" im Fachjargon), tendenziell zu gut abschneiden, weil dieser Effekt nicht berücksichtigt ist. Andererseits haben manche dieser Gesellschaften hohe Bewertungsreserven, und die werden nur sehr vorsichtig mit angerechnet. Wichtig auch: Verglichen werden hier die Anbieter, nicht einzelne Tarife.

Nun zu den Details. Der Vergleich dreht sich um einige in der Branche übliche Kennzahlen, von denen hier die wichtigsten erläutert werden sollte. Zunächst gibt es die

>> Betriebskosten. Sie setzen sich aus Verwaltungskosten und Abschlusskosten (vor allem die Provisionen für den Vertrieb) zusammen. Sie können als Quote im Vergleich zu den Prämien dargestellt werden. In dem Vergleich wird vereinfacht unterstellt, dass von jedem Monatsbeitrag Kosten in Höhe dieser Quote abgezogen werden. Der nächste wichtige Begriff ist die

>> Nettoverzinsung. Sie gibt an, wie viel Prozent Gewinn mit dem angesparten Vermögen (das sich aus den Prämien abzüglich der Kosten speist), pro Jahr erwirtschaftet wird. Diese Größe ist besonders sensibel. Denn Unternehmen können sie künstlich nach oben treiben, wenn sie stille Reserven in ihren Kapitalanlagen versilbern, also zum Beispiel Aktien, die einst billig gekauft wurden, abstoßen. Das ist so lange kein Problem, wie genügend dieser

>> Bewertungsreserven da sind oder wieder aufgebaut werden können. Die Allianz zum Beispiel hat im Jahr 2000 ein Fünftel ihrer Nettoverzinsung durch Realisierung von Kursgewinnen erzielt. Wenn am Ende immer noch Bewertungsreserven in Höhe von 20 Prozent der Kapitalanlagen übrig bleiben, ist das kein Problem. Die LVM hat dagegen wenig Gewinne realisiert, trotzdem ist der Reservenstand auf 2,82 Prozent gesunken. Ähnlich war die Entwicklung bei der Landeslebenshilfe, die aber Ende 2000 noch eine Reservequote von 5,39 Prozent hatte. Wichtig allerdings: Im laufenden Jahr dürften wegen der schwachen Börse bei fast allen Anbietern die Reserven stark geschrumpft sein.

In die Kennzahl zur Sicherheit des Unternehmens hat F & B die Bewertungsreserven nur zu 25 Prozent eingerechnet. Franke verweist darauf, dass diese Reserven manchmal in Beteiligungen stecken und schwer zu realisieren sind und dass sie bei einer Börsenflaute wie im laufenden Jahr schrumpfen. Von den Anbietern in der Tabelle schneidet wegen dieser Sichtweise die Alte Leipziger relativ schlecht ab. Die anderen Positionen, die in die Kennzahl einfließen, sind die

>> freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung (freie RfB), die dem Unternehmen tatsächlich frei zur Verfügung steht. Dagegen ist der

>> Schlussanteilsfonds eigentlich für die Auszahlung von besonderen Überschussen bei auslaufenden Verträgen verplant. Weil diese Überschusse gekürzt werden können, stellt er trotzdem ein Sicherheitspolster dar.

>> Das Eigenkapital schließlich ist wie bei jedem Unternehmen auch noch ein Sicherheitspolster.

Schlussanteilsfonds und Eigenkapital dürften erst angetastet werden, wenn es dem Unternehmen wirklich schlecht geht. Bewertungsreserven und freie RfB sagen hingegen etwas darüber aus, wie lange das Unternehmen seine versprochenen Gewinnbeteiligungen aufrecht erhalten kann.

Anleger sollten darauf achten, dass die Gesellschaft bei der Kosten-Ertrags-Simulation und bei den Sicherheitsmitteln in der Tabelle gute Werte aufweist - auffällig zum Beispiel bei der Asstel, einer allerdings recht kleinen Versicherung ohne Außendienst, die zum Gothaer Konzern gehört.

>>Die Tabellen: www.franke-bornberg.de/kennzahlen.htm

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