Der BMW-Chef geht nach Erfolgsserie
Joachim Milberg: Vom Maschinenschlosser zum Chef

Erst galt er als Kompromisskandidat, dann als "Chef auf Abruf", schließlich bescherte er BMW die beste Bilanz in der Geschichte des bayerischen Autobauers und nun hat er völlig überraschend seinen Rückzug angekündigt: BMW-Vorstandschef Joachim Milberg verlässt seinen Posten nach nur drei Jahren im Mai 2002.

ap MÜNCHEN. Das Unternehmen sprach am Dienstag von einer "persönlichen Entscheidung". Milberg werde in den Aufsichtsrat wechseln. Aufsichtsratschef Volker Doppelfeld lobte: Unter Milberg habe der Konzern "die erfolgreichste Periode seiner Geschichte" erlebt.

Der 58-jährige Professor für Maschinenbau und Betriebswirtschaft - der seine Karriere als Maschinenschlosser begonnen hat - äußerte sich zunächst selbst nicht. Ein BMW-Sprecher sagte, bei Milbergs Entscheidung habe es sicher eine Rolle gespielt, dem Konzern eine quälende Nachfolgediskussion zu ersparen. Auch Milbergs jüngstes Bandscheiben-Problem könnten seinen Beschluss beschleunigt haben, vor dem offiziellen Ende seiner Amtszeit im Frühjahr 2004 das Ruder abzugeben.

Im Mai 1999 hatte Milberg Bernd Pischetsrieder (heute Volkswagen) als Vorstandschef von BMW abgelöst und galt damals als Kompromisskandidat. Pischetsrieder hatten die Aktionäre fortwährende Verluste angekreidet. Von Milberg erwarteten die Anteilseigner, dass er die Krise bei der damaligen britischen Tochter Rover ohne allzu harte Schnitte bereinigen solle.

Nach knapp einjähriger Amtszeit galt Milberg als "Chef auf Abruf": Nachdem die Sanierung von Rover gescheitert war, missglückte auch noch der Verkauf an die Finanzgesellschaft Alchemy. Mehrfach musste die Familie Quandt als Großaktionär damals die Ablösung Milbergs und die Übernahme von BMW durch einen Konkurrenten dementieren. Erst im Mai 2000 wurde BMW die marode britische Tochter an die Auffanggesellschaft Phoenix los.

Milberg gilt als aufgeschlossen und teamfähig

Danach ging Milbergs Strategie, auf die Stärke von BMW als Premium-Marke zu setzen, offensichtlich voll auf. Analysten lobten bei der Bekanntgabe der Jahresbilanz im März 2001, der bayerische Autobauer habe seine Hausaufgaben gemacht. Die Kapazität sei ausgelastet und die Gewinnmarge die beste nach Porsche. Nach 2,5 Milliarden Euro (rund 4,8 Milliarden Mark) Verlust im Vorjahr wies der BMW-Konzern denn auch einen Jahresüberschuss von 1,026 Milliarden Euro aus.

Von Mitarbeitern wird Milberg als aufgeschlossen und sehr teamfähig beschrieben. Seine Arbeit hat er von der Pike auf gelernt: Sein Berufsweg hatte nach der Mittleren Reife mit einer Lehre als Maschinenschlosser begonnen. Später unterrichtete er als Professor für Produktionstechnik an der Uni München Studenten. Milberg stammt aus Verl und war nach der Promotion in Berlin zunächst in die Bielefelder Werkzeugmaschinenfabrik Gildemeister eingetreten. Die Universität München berief ihn 1981 zum Professor für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften. Erst Ende 1993 - Pischetsrieder war eben an die BMW-Spitze gelangt - wechselte Milberg zu BMW. Als Vorstand für Produktion und später zusätzlich für Engineering war er für alle Fabriken des Konzerns verantwortlich.

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