Der BMW-Finanzvorstand im Porträt
Stefan Krause: Der Senkrechtstarter

Auf den ersten Blick wirkt er nicht so recht wie ein dynamischer BMW-Manager. Der 39-Jährige mit dem lichten Haar ist ruhig und zurückhaltend. Aber knapp sechs Monate nach seinem überraschenden Aufstieg zum Finanzchef hat sich Stefan Krause an größere Auftritte gewöhnt. Bevor er dann aber doch mal in Verlegenheit gerät, setzt er einfach sein freundliches, aber nicht gekünsteltes Lächeln ein.

MÜNCHEN. Jüngst musste sich der Mann mit der auch für BMW nicht alltäglichen Blitzkarriere auf ungewohntem Terrain bewegen. In Portugal an der sonnigen Algarve durfte er zum ersten Mal ein Auto präsentieren, den neuen Roadster Z4. Krause gab sich locker. Das Fahrgefühl war ihm zumindest vertraut. Ein Z3 steht in seiner Privatgarage.

Zwischen der Antrittsstärke des neuen Z4 und dem Arbeitstempo des Finanzchefs gibt es durchaus Parallelen. In seiner ruhigen und konzentrierten Art bringt er die Dinge selbst bei komplexen Sachverhalten unglaublich schnell auf den Punkt, wie Mitarbeiter aus seinem Umfeld bestätigen.

Krause ist nicht der Typ, der etwas dem Zufall überlässt. Nicht einmal beim Joggen. Seit zwei Jahren läuft er jeden Morgen ab 5.45 Uhr eine Dreiviertelstunde bei Pulsschlag 160, den er mit einem Pulsmesser genau überwacht. So kommt er sechs Kilometer weit. Das ist nicht gerade rekordverdächtig. Er ist eben niemand, der sich zu schnell verausgabt.

Aber seine Ziele verfolgt er mit großer Energie. So zog es ihn nach dem Abitur auf der deutschen Schule von Bogotá direkt nach Deutschland. Und nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Würzburg war klar: Der Sohn deutscher Eltern wollte in einem großen deutschen Unternehmen arbeiten. Er entschied sich für BMW, "wegen meines Faibles für Autos". Außerdem hatte er eine Vorliebe für Zahlen. So begann er seine Karriere 1987 als Referent für Controlling. Bald wechselte er in die USA zur Finanzdienstleistungstochter von BMW und kam rasch voran.

Dort fiel der Senkrechtstarter Helmut Panke, damals Finanzvorstand und heute Vorstandschef, auf. Das lag sicherlich auch daran, dass Panke als ehemaliger US-Vertriebschef immer ein besonderes Auge auf das amerikanische Geschäft hatte. Aber auch Pankes Vorgänger, Joachim Milberg, gilt als einer seiner Förderer. Die drei Top-Manager verbindet noch eines: Sie sind ruhige Strategen, die in der Öffentlichkeit nicht viel Aufhebens machen.

"Den Sprung in den Vorstand habe ich nicht geplant", versichert Krause heute und fügt hinzu: Er sei ja erst eineinhalb Jahre vorher zum Vertriebschef Europa befördert worden.

Jetzt, in seiner neuen Position als Finanzchef, wirkt er nicht wie ein nüchterner Hüter der Rendite, eher wie ein Kosmopolit, der so schnell auf keinem Parkett ausrutscht. Er ist zwar noch kein großer Redner, seine Sprachkenntnisse reichen aber von Deutsch über Spanisch, Englisch, Portugiesisch, Italienisch bis zu Japanisch. "Wenn man zweisprachig aufgewachsen ist, lernt sich die nächste Sprache schneller", merkt er an. Er kennt amerikanisches Steuerrecht ebenso wie die Hierarchieregeln der Ehrerbietung in Japan, wo er eine Zeit während seines Studiums verbrachte. Dort bietet man seinem höchsten Gast immer den Platz diagonal hinter dem Fahrer an, weiß Krause.

Mehr Verantwortung und Repräsentationspflichten hat sein neuer Job zwar mit sich gebracht. Doch er hat auch einen Vorteil für den Vater zweier Töchter. Er muss nicht mehr ganz so oft fliegen wie bei seinem Posten als europäischer Vertriebsleiter.

Und welche Ziele hat er noch? Auf diese Frage reagiert der Hobbygolfer etwas verlegen. "Ich will erst einmal einen guten Job machen." Das heißt für ihn, "eine starke Bilanz bauen und für schwierige Jahre vorbauen". Aber wer weiß: Sein jetziger Posten hat sich als Pole-Position erwiesen: Vorgänger Panke schaffte den Sprung auf den Chefsessel, und dessen Vorgänger, Volker Doppelfeld führt den Aufsichtsrat.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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