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Der Boom ist vorbei

Die Aktien der Ölkonzerne sind in diesem Jahr leicht gesunken. Analysten sehen wegen des niedriger erwarteten Ölpreises nur noch vereinzelt Kaufgelegenheiten.

Autofahrern treiben die hohen Benzinpreise die Zornesröte ins Gesicht. Hätten sie rechtzeitig in Aktien der großen Ölunternehmen investiert, wären sie zumindest mit ihrer Geldanlage gut gefahren. Allerdings mussten die Papiere mit dem Rückgang des Ölpreises Ende vergangenen Jahres Kursrückgänge hinnehmen: Gegenüber ihrer Hochphase im vergangenen Sommer verloren sie einer Studie von Schroder Salomon Smith Barney zufolge rund sechs Prozent an Wert. Im Vergleich zu anderen Branchen, die seit Jahresbeginn unter der Börsenflaute leiden, haben sich Ölaktien damit aber ganz gut gehalten. Die Schroder-Analysten halten die Papiere aktuell für immer noch gut bewertet. Britische Firmen beispielsweise hätten immerhin fast 22 Prozent besser als der Referenzindex der Londoner Börse, der FTSE 100, abgeschnitten, rechnet Analyst Mark Iannotti vor

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Von einem idealen Zeitpunkt zum Kauf kann aber derzeit nicht die Rede sein: Die Aktien sind trotz des Kursrückgangs keine Schnäppchen - und auch die Chancen auf zukünftige Kurssteigerung sehen nicht zu günstig aus. Vor allem eine Abschwächung der US-Wirtschaft könnte einen rückläufigen Ölbedarf bewirken, so die Sorge. "Die Chancen auf weitere Gewinne schwächen sich bereits deutlich ab", steht für Analyst Steve Turner von der Commerzbank in London fest. Selbst Rekordgewinne, wie sie BP und Shell für das erste Quartal präsentiert haben, helfen nicht - die Kurse fielen wieder. "Ich spüre den Hauch von Enttäuschung", sagt Jon Wright, Analyst von Merrill Lynch zu dieser Entwicklung.

Zudem fehle auch das Vertrauen in die von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ausgerufene Förderdisziplin. Noch immer liegt der Preis je Barrel deutlich über dem von der Opec angestrebten Durchschnitt von 25 US-Dollar. Bei diesen Preisen verdienen die Konzerne richtig Geld - sie kalkulieren bei ihrer Planung mit 14 bis 16 US-Dollar. "Alles über 20 Dollar ist Plusgeschäft", so ein Analyst in London. In Zukunft werden die Preise aber wieder sinken, erwarten Experten. Die Prognosen für 2001 liegen zwischen 20,50 und 23 US-Dollar.

Den verhaltenen Zukunftsaussichten entsprechend sind Kaufempfehlungen für Ölaktien rar: Schroder Salomon Smith Barney mahnt allgemein zur Zurückhaltung. Von der Commerzbank Securities wird nur Repsol als Kauf eingestuft. Denn auch wenn es an den Börsen nicht mehr so läuft wie geschmiert, das Fusionspoker wird in der Ölbranche weitergehen. Fast alle Analysten in London sehen die spanische Repsol als ersten Kandidaten. Schroder Salomon Smith Barney tippt auf die französische Total Fina Elf als Käufer. Der italienischen Eni-Gruppe wird ebenfalls Interesse nachgesagt. Nicht so gut sieht die Lage bei den europäischen Schwergewichten aus: Der BP-Konzern gilt zwar vor allem am US-Gasmarkt als gut positioniert. Doch habe der Konzern sein Wachstum vor allem durch Übernahmen erreicht, warnen Analysten wie Mark Redway. Das andere Schwergewicht, Royal Dutch/Shell, erlitt erst kürzlich einen Rückschlag, nachdem die Übernahme des Erdgasproduzenten Barrett Resources gescheitert war.

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