Der Brainlab-Gründer versteht es, sich selbst in Szene zu setzen
Stefan Vilsmeier: Der Wunderknabe aus Poing

Er kann Software entwickeln, verfügt über mehr als ein Jahrzehnt Führungserfahrung und ist noch keine 35. Doch die Headhunter haben Pech gehabt: Stefan Vilsmeier ist bereits vergeben, an das Medizintechnik-Unternehmen Brainlab, das er kurz nach dem Abitur gründete.

HEIMSTETTEN. Was mancher sich als Lebenswerk vornimmt, aber doch nie umsetzt, schaffte Stefan Vilsmeier schon als Schüler. Damals, mit 19, veröffentlichte er parallel zur Büffelei fürs Abi sein erstes Buch. Mit mehr als 50 000 verkauften Exemplaren legte er damit den finanziellen Grundstein für den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Sohn eines kaufmännischen Angestellten und einer Modezeichnerin ist gerade 21, als er seine Medizintechnikfirma Brainlab gründet - ohne Bankkredit und ohne Hilfe von Risikokapitalgebern.

Der Auf- und Ausbau seines Unternehmens, das heute 300 Mitarbeiter beschäftigt, nehmen ihn komplett in Anspruch; sein Informatikstudium bricht er nach dem Vordiplom ab. Gleichwohl sind ihm inzwischen akademische Ehren zuteil geworden: Die Universität München nahm ihn im Herbst 2000 in ihr Kuratorium auf.

Auch privat will der 32-jährige Oberbayer bald nachholen, was andere oft schon während des Studiums in die Wege leiten: "Ich konnte mich in den letzten Jahren nicht genügend committen, um eine dauerhafte Beziehung aufzubauen", sagt er im typischen Jargon der so genannten Neuen Wirtschaft.

Zeit für das Privatleben

Als Unternehmenslenker hat er gelernt zu delegieren. Die Aufgaben im Vorstand teilt er sich schon seit einigen Jahren mit zwei Kollegen. "Bei meinen hervorragenden Mitarbeitern musste ich mir schon öfter eingestehen, dass ich vieles selbst nicht so gut hätte lösen können wie sie", sagt Vilsmeier, wobei diese Erkenntnis nicht an seinem Ego zu nagen scheint.

Denn jetzt hat er mehr Zeit für sein Privatleben, und so hofft der gut aussehende Unternehmer, bald auch eine Familie zu gründen. Es wird ihm nicht schwer fallen, die Auserwählte zu finden. Dass Vielsmeier gut ankommt bei den Frauen, zeigt sich etwa, wenn er Besucher durch seinen Betrieb in Heimstetten, wenige Kilometer entfernt von seinem Geburtsort Poing, führt.

Vilsmeier fühlt sich in erster Linie als Bayer, dann aber "gleich als Europäer, wenn nicht gar als Weltbürger". Die tiefe Verwurzelung im Freistaat ist bei ihm aber alles andere als provinzlerisch. "München ist für mich wegen seines Ausländeranteils von rund 25 Prozent ein idealer Standort", sagt er.

Dort sei es ein Leichtes, gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden, die auf Grund der Herkunft ihrer Eltern mit anderen Kulturen vertraut seien.Vilsmeier schätzt dies als großen Vorteil, den er für den Aufbau seines internationalen Vertriebsnetzes zu nutzen versteht.

Stolz auf Bayern

Im Gegensatz zu vielen Firmen, die den Neuen Markt bevölker, erzielt Brainlab schon jetzt mehr als die Hälfte des Umsatzes im Ausland. "Vor allem in den USA", sagt er, "ist uns der Anfang relativ leicht gefallen." Wenn Brainlab den bereits vorbereiteten Gang an die Börse wagt, will Vilsmeier im Rahmen einer Privatplatzierung deshalb auch dort neue Aktionäre gewinnen.

Vilsmeier will Bayer und nicht Deutscher sein. Mit dem Stolz auf seine Heimat und deren wirtschaftliche Dynamik steht er in Europa nicht allein. Ein katalanischer Jungunternehmer etwa dürfte sich kaum als Spanier bezeichnen, ebenso wie ein Geschäftsmann aus der Lombardei oder dem Friaul erst in zweiter Linie Italiener ist.

Für Vilsmeier, der sich selbst als "parteipolitisch nicht interessiert" charakterisiert, scheint die Mitgliedschaft in der CSU eine Selbstverständlichkeit zu sein. Obwohl er sich auf Fotos häufig mit Parteichef Edmund Stoiber ablichten lässt, ist ihm die Frage nach dem Parteibuch sichtlich unangenehm.

Vilsmeier hat ein feines Gespür dafür, seine Erfolgsstory mediengerecht zu vermarkten. Die Nähe zum "alten" Stoiber hätte ihm womöglich geschadet. Doch seit sich der bayerische Ministerpräsident betont europäisch gibt, mit seinem Laptop-und-Lederhosen- Kurs erfolgreich die Werbetrommel für Investorengelder rührt, hat Vilsmeier keine Probleme mehr: "Ich glaube, Stoiber hat eine beachtliche intellektuelle Entwicklung durchlebt."

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