Der Branchenbericht aus New York
Brennstoffzellen: Fun statt Öko

Es ist verhältnismäßig ruhig geworden in der letzten Zeit um das Thema Brennstoffzellen. Doch der Schein trügt. Die Frage scheint nur noch zu lauten, wann sich die Technologie durchsetzt.

wsc NEW YORK. Der Designer von General Motors, Chris Borroni-Bird, hat einen Laptop mitgebracht. Mit vielen Fotos und Filmen über die jüngsten Fortschritte des "Autonomy". Das ist nur ein Projektname, erklärt er. Im Film fahren zwei Männer in weißen Kitteln mit einem etwas überdimensionierten Golfwagen um die Kurve. Leiser, bessere Beschleunigung, wendiger und natürlich energiesparender; schwärmt Chris.

General Motors arbeitet in der Nähe von Detroit fieberhaft am Wagen der Zukunft. Denn laut Chris wird sich das mit Brennstoffzellen betriebene Auto durchsetzen. Die Frage sei nicht ob, sondern lediglich wann. Das sieht auch sein Kollege Byron McGormick so. Auf die Frage, was nach dem Auto die bedeutendere Erfindung sei, das Internet oder die Brennstoffzelle, antwortet der Fuel Cell Experte von GM, nicht ganz überraschend, zu Gunsten seiner Berufung. Das Internet habe unser Leben zwar verändert, aber letztendlich werde die Welt mit Energie angetrieben. Byron träumt bereits von Brennstoffzellen als der Energieform der Zukunft.

Wie jedes Jahr trifft sich die Creme de la Creme der Automobilbranche zum Rendezvous in Paris. Vom 28. September bis zum 13. Oktober. GM, Ford und Peugeot werden auch wieder Fuel Cell Wagen mitbringen - Peugeot hat sogar ein Feuerwehrauto entwickelt. Es erinnert etwas an einen Opel Corsa. Aber eine kleine Leiter passt aufs Dach. Und es ist rot.

Noch keine Markt-Modelle

Eines machen die Beispiele deutlich: es geht auch auf der Pariser Autoshow noch nicht darum, ein marktfähiges Vehikel vorzustellen. Es soll der Entwicklungsstand gezeigt werden. Die Möglichkeiten. Und das Thema Brennstoffzellen soll die Gesellschaft weiterhin bewegen. Denn in der öffentlichen Meinung, und das gilt vor allem für die USA, fristet das Öko-Konzept eher ein Mauerblümchendasein. Aufgerufen sind sowohl Regierungen, Behörden und Unternehmen, die Brennstoffzelle wirtschaftlicher und populärer zu machen, sagt Atakan Ozbek, Energieexperte beim Research-Unternehmen Allied Business. Er fordert Steueranreize und höhere Zuschüsse für die Forschung.

Toyota will nächstes Jahr die erste Kleinserie an Brennstoffzellen-PKWs auf den japanischen Markt bringen - bei einem Stückpreis von 75 000 $. Anfang diesen Jahres haben die drei großen amerikanischen Autokonzerne Ford, General Motors und Daimler Chrysler zusammen mit der US-Regierung das Forschungsprogramm "Freedom Car" angekündigt. Darin sollen Entwicklung und Bau von Brennstoffzellenautos und der entsprechenden Infrastruktur gefördert werden. Neben der Verbesserung der Luftqualität und geringerer Lärmbelastung erhofft man sich dadurch, die USA unabhängiger von Ölimporten zu machen. Der Gedanke an die Umwelt spielt allerdings nur eine Nebenrolle. Laut Chris Borroni-Bird bietet die neue Antriebsform ungeahnte Designmöglichkeiten. Die Wagen seien zudem manövrierfähiger. Die "zero emission" sei ein positiver Begleitaspekt, aber nicht das wesentliche Verkaufsargument.

Fun und Entertainment - damit werden Autos und Ideen, nicht nur in den USA, verkauft. "Die Leute wollen einen Wagen haben, der gut aussieht, sich gut anfühlt und eine gute Performance hat", verdeutlicht Byron McGormick:

Beim "Autonomy" etwa wird der Antrieb ins Chassis, sozusagen in den Boden, eingebaut. Der Body, die Karosserie, wie man sie kennt, kann voll und ganz für Design, Beinfreiheit und Sicherheit genutzt werden. Räder können einzeln betrieben und Autos somit quasi auf einer Münze gewendet werden.

Bis dahin gilt es aber noch einige Hürden zu überwinden. Reiner Wasserstoff kommt in der Natur kaum vor und muss erst hergestellt werden. Kostspieliges Material wie Platinleiter verhindern eine wirtschaftlich vernünftige Herstellung. Die technische Umrüstung der Infrastruktur, Tankstellen und Industrieanlagen wird Jahre dauern.

Bis die Wagen im großen Stil durch die Lande rollen, und damit meinen die Amerikaner millionenfach, dürften noch etwa zehn Jahre vergehen. Doch es gibt bereits andere Anwendungen, die sogar schon Geld abwerfen. In so genannten Stationaries wird die Brennstoffzelle in Häusern, Siedlungen und Fabrikanlagen standortgebunden zur Strom- und Wärmeversorgung genutzt. Bald schon werden Mini-Brennstoffzellen auch in tragbare Geräte wie Handys, Laptops und Handcomputer eingebaut, um sich das ewige Aufladen zu sparen.

Die Brennstoffzelle lebt. Aber erwachsen ist sie noch nicht.

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