Der Brite ist Managing Partner der britischen Anwaltssozietät Osborne Clarke: Leslie Perrin: Der schauspielernde Advokat

Der Brite ist Managing Partner der britischen Anwaltssozietät Osborne Clarke
Leslie Perrin: Der schauspielernde Advokat

Zehn Jahre lang war er auf britischen Bühnen und in Filmen präsent. Doch seine Erfüllung fand der 51-Jährige in seiner zweiten Karriere als Anwalt.

Bei einer Fahrt in einem italienischen Reisebus beschloss Leslie Perrin, Rechtsanwalt zu werden. Das kleine Wörtchen "law" - Recht - habe er plötzlich gedacht und leise ausgesprochen, als er über seine berufliche Zukunft sinnierte - vor ihm die toskanischen Landstraßen, hinter ihm eine Horde begeisterter amerikanischer Touristen, die er als Reiseleiter durch Europa begleitete. Das war vor etwa 20 Jahren. Leslie Perrin war damals 31 Jahre alt.

Ob diese "Wie-ich-zum-Anwaltsberuf-kam-Anekdote" die einzige ist, die der Advokat mit dem stattlichen Körperbau und den lachenden Augen zu erzählen hat, darf bezweifelt werden. Denn schließlich ist der Mann ausgebildeter Schauspieler. Seine Film- und Bühnenkarriere hatte er gerade an den Nagel gehängt, als er seine Berufung zum Juristen erkannte. Er hatte zwar in Großbritannien durchaus Erfolg als Schauspieler. Doch vor seinem eigenen kritischen Auge konnte er nicht bestehen. Vor allem jedoch: Es war ihm nicht wirklich wichtig, Schauspieler zu sein. Perrin, der von sich und anderen Enthusiasmus im Beruf erwartet, war klar, dass er sich neu orientieren musste. Aber er bereue "nicht eine Sekunde" seines Vorlebens, betont er beim Essen in einem Kölner Restaurant.

Perrin gilt als einer der besten Managing Partner der Branche

Seit 1994 ist Perrin Managing Partner der britischen Anwaltssozietät Osborne Clarke, der er seit 1989 angehört. Sie zählt mit insgesamt knapp 700 Anwälten zwar nicht zu den so genannten "Big Five", dem "Magic Circle" der großen britischen Anwaltskanzleien. Doch bei der Expansion haben Leslie Perrin und Osborne Clarke einen eigenen Weg eingeschlagen, der sich auf dem internationalen Anwaltsmarkt immer mehr durchsetzt: Sie fusionieren nicht mit anderen Kanzleien, sondern gründen eigene Büros im Ausland - im vergangenen Jahr im kalifornischen Silicon Valley sowie in Frankfurt und Köln.

Perrin gilt als einer der besten Managing Partner der Branche. Bereits drei Mal - 1996, 1999 und 2000 - erhielt er die Auszeichnung "UK Managing Partner of the Year" - einer der Preise, die die Klatsch- und Tratschblätter der britischen Anwaltsbranche vergeben. 2001 ging der "Mannschaftstitel" dieser Auszeichnung an Osborne Clarke. In nur einem Jahr, so die Begründung der Jury, hätte das Team um Leslie Perrin und die Partner Chris Curling und Chris Bull den Umsatz um 40 Prozent gesteigert - von 35 auf 50 Millionen Pfund. Als Perrin 1994 den Managerposten übernahm, lag der Umsatz bei 12,5 Millionen Pfund.

Die Aufgabe des Managing Partner - in Deutschland noch eine Seltenheit - ist für den Briten ein Fulltime-Job. "Ich erkläre Osborne Clarke", lautet Perrins verblüffend einfache Definition seiner Tätigkeit: Perrin nimmt sich viel Zeit für Gespräche mit Mandanten und mit allen Mitarbeitern der Sozietät, um immer wieder die einheitliche Linie und die gemeinsamen Ziele abzustecken.

Schauspielausbildung kommt Perrin oft zugute

Die Ausbildung an der Schauspielschule kommt dem Rechtsanwalt und Manager oft zugute. Er braucht sie nicht für medienwirksame Auftritte vor Gericht - Prozessanwalt ist er nie gewesen -, sondern für Verhandlungen. Trainierte Schauspieler seien sich ihrer Wirkung auf das Publikum bewusst. Sie wüssten, wann sie langweilig werden, und lernten, im richtigen Moment den entscheidenden dramaturgischen Kick zu inszenieren, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, erklärt Fußballfan Perrin und demonstriert dies lachend mit einem leichtfüßigen Hackentrick.

Ein reiner PR-Clown ist er aber nicht. Als Manager von Osborne Clarke ist er ein sympathischer, aber harter Verhandlungspartner. Davon können die Anwälte der Sozietät Graf von Westphalen Fritze & Modest ein Lied singen. Mit ihnen verhandelte er über eine Fusion der beiden Firmen. Als die Verhandlungen immer zäher wurden, trat der Vater von vier Kindern auf die Bremse: Er beendete die Gespräche, gründete die deutschen Büros in Frankfurt und Köln und bot den Anwälten der Sozietät von Westphalen dort gleich neue Jobs an.

Einige nahmen sein Angebot an, wie etwa Stefan Rizor. Der kam zusammen mit neun Kölner Partnern zu Osborne Clarke und verhalf der Kanzlei zu einem besonderen PR-Gag: Weil er Heidi Klum bei Günter Jauchs Wer-wird-Millionär-Prominentenquiz telefonisch beriet, versprach das Supermodel, zur Eröffnung des Kölner Büros zu kommen. Sie musste zwar kurzfristig absagen - was Leslie Perrin zutiefst bedauerte -, doch bis dahin hatten die Werbetrommeln den prominenten Besuch bereits medienwirksam verkauft. Und das wiederum freute den Managing Partner doch sehr.

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V I T A

Leslie Perrin wurde im Februar 1950 in London geboren. Nach der Schauspielausbildung an der Bristol Old Vic Theatre School war er von 1974 bis 1980 Theater- und Filmschauspieler. Er studierte Jura und wurde 1988 Rechtsanwalt. 1989 wechselte er zur Sozietät Osborne Clarke. Ein Jahr später stieg er zum Partner und 1994 zum Managing Partner der britischen Kanzlei auf, die im vergangenen Jahr Büros in Frankfurt und Köln eröffnete.

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