Der britische Premierminister betont die wichtige Brückenfunktion seines Landes
Blair rechnet mit Euroskeptikern ab

Tony Blair hat eine Mission: Er will jener Regierungschef Großbritanniens sein, der die Jahrzehnte langen Irritationen des Landes mit Kontinentaleuropa endgültig beseitigt. Für ihn liegt die Zukunft seines Landes in Europa. Dabei macht er keinen Hehl, dass er prinzipiell einen Beitritt zur Währungsunion befürwortet.

HB LONDON. Die weit verbreitete Europaskepsis im Land sei dafür verantwortlich, so Blair in einer Rede in Birmingham, dass Großbritannien eine Reihe von Gelegenheiten verpasst habe, den Kontinent politisch zu gestalten. So wäre es im Interesse des Landes gewesen, dem Binnenmarkt bereits 1957 beizutreten. Auch habe es London versäumt, in den 90-er Jahren Einfluss auf die gemeinsame Währung Euro zu nehmen. Dies gelte auch für die Maastricht-Kriterien oder die Gründung der Europäischen Zentralbank.

Großbritannien sei immer erst dann auf den Zug gesprungen, wenn die Richtung nicht mehr zu ändern gewesen sei. "Politiker beider Parteien in Großbritannien haben es bis in die jüngste Vergangenheit hinein versäumt, die richtigen Konsequenzen aus der immer engeren Integration Europas zu ziehen", lautet sein vernichtendes Urteil. Immer glaubte man, europäische Initiativen würden scheitern. Doch dazu kam es nicht, und Großbritannien wurde übergangen. Damit soll Schluss sein. "Unsere Regierung hat die Aufgabe, für Großbritannien in Europa und für Europa selbst neue Visionen zu entwickeln", so Blair.

Lord Marshall, der Führer der "Britain in Europe"-Bewegung, stimmte der Analyse Blairs zu. Großbritannien habe Gelegenheiten verpasst und müsse jetzt dafür sorgen, dass sich dies beim Euro nicht wiederhole. Der Chef des Gewerkschaftsdachverbands TUC, John Monks, wertete die Rede als gute Nachricht für Anhänger der Währungsunion, die allerdings in Großbritannien weitaus in der Minderheit sind.

Downing Street war am Wochenende bemüht, einen Bericht der Zeitung "Sun" als falsch darzustellen. Das Massenblatt hatte berichtet, dass ein Referendum über den Währungsbeitritt parallel zum Wahltermin im Jahr 2005 stattfinden werde. Das hieße jedoch, den dritten Schritt vor dem ersten zu machen. Schließlich will die Regierung erst bis Juni 2002 entscheiden, ob die Wirtschaft fit für den Euro ist. Bei einem positiven Ausgang soll ein Währungsbeitritt empfohlen werden, um dann ein Referendum abzuhalten. Würde bereits jetzt ein Datum für ein Referendum feststehen, hätte dies den Ruch eines abgekarteten Spiels.

So unterstrich auch Blair in Birmingham, dass bei einem Währungsbeitritt die ökonomischen Bedingungen eine wichtige Rolle spielen würden. Sollten diese stimmen, gäbe es jedoch keine politischen oder verfassungsmäßigen Vorbehalte gegen einen Beitritt. Vor der Verfassungsdebatte in der EU müssten die Briten keine Angst haben, so Blair. Das Prinzip der Subsidiarität müsse garantiert werden, um unnötige Zentralisierungstendenz zu verhindern. Nach wie vor werde Großbritannien in Fragen der Steuerpolitik, Grenzkontrollen sowie der Verteidigungs- und Außenpolitik keine Mehrheitsbeschlüsse akzeptieren.

Blair gelang in Birmingham mühelos der Spagat zwischen seiner Zuneigung zu den USA und seiner Sympathie für Europa. Der engste Bündnispartner der USA, der in den vergangenen Wochen beträchtliche Energien in den Aufbau einer internationalen Allianz gegen den Terror investiert hat, ließ zu keiner Zeit Zweifel aufkommen: "Unsere Zukunft ist untrennbar mit Europa verbunden. Wir möchten uns in einem starken, vereinten Europa engagieren und mit den USA kooperieren", so der Premier. Als Brücke zwischen den USA und Europa sei London in der Lage, wertvolle Dienste zu leisten.

Allerdings gib es Euro-Gegner auch in der Staatsspitze: So erfreut Elizabeth II., die britische Königin, die Euro-Gegner ihres Inselreiches. Nach einem Bericht des "Sunday Mirror" lässt sie die europäischen Münzen und Scheine weder in ihren Palästen noch in ihren Souvenirshops als Zahlungsmittel zu.

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