Der Bund verteilt 3 Mrd. Euro im Rahmen seines IT-Forschungsprogrammes
IT-Förderprogramme: Forsche Firmen

In den nächsten Tagen beginnen die ersten Ausschreibungen für das IT-Forschungsprogramm 2006. Der Bund will vor allem kleine und mittlere Unternehmen fördern.

DÜSSELDORF. Und dann ging alles ganz schnell: "Ich habe in wenigen Tagen eine rund 10-seitige Skizze geschrieben, beim Ministerium eingereicht - nach zwei Monaten hatte ich einen positiven Vorbescheid", freut sich Günter Merbeth, Technikchef für Unternehmenslösungen bei der Softlab AG in München. Beantragt hatte er Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für eine Idee, die er mit dem Fraunhofer Institut First in Berlin hatte. Thema: Wissensmanagement in der Software. Die BMW-Tochter Softlab ist nicht die einzige IT-Firma, die künftig mit weniger Aufwand zügig einen Bescheid über Fördergeld erhalten soll. Denn in diesem Monat beginnt das große Rennen: In Berlin wird ein neuer, Milliarden schwerer Subventionskuchen angeschnitten. Wer ein Stück abhaben will, muss auf die ersten Projektausschreibungen des IT-Förderprogramms achten, das Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn aufgelegt hat. Immerhin 3 Mrd. Euro will der Bund dafür bis 2006 locker machen. Etwa ein Drittel davon ist frisches Geld, kommt also nicht aus bestehenden Töpfen und verlängerten Programmen.

Neu ist auch, dass von der Förderung nicht mehr vor allem staatliche Forschungseinrichtungen profitieren sollen, sondern auch Firmen. Zu verdanken haben sie dies letztlich einem Beschluss der 15 EU-Staats- und Regierungschefs auf einem Gipfeltreffen in Lissabon. Vor gut zwei Jahren hatten sie an einem warmen Frühlingstag beschlossen, die EU auf eine groß angelegte Aufholjagd zu schicken, um binnen 10 Jahren zum stärksten Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Und dafür müssen die USA auch auf dem Gebiet eingeholt werden, das von besonderer Bedeutung für die gesamte Wirtschaft ist - der Informations- und Kommunikationstechnologie (IT).

Seither basteln die Regierungen an nationalen IT-Förderprogrammen. Sogar die eher politik- und regelungsscheue IT-Branche klingt mittlerweile begeistert. Der Branchenverband Bitkom wie auch die Gesellschaft für Informatik begrüßen Bulmahns Pläne. Es überwiegt die Zufriedenheit, dass die Wirtschaft diesmal sehr früh in strategische Überlegungen eingebunden wurde. "Es sind zwar nicht alle Forderungen erfüllt worden, aber die Richtung stimmt eindeutig", meint Birgit Heinz, Forschungsexpertin bei Bitkom.

Jetzt wird mit Spannung erwartet, welche Bereiche zuerst ausgeschrieben werden und wer den Zuschlag erhält. Denn erst dann kann man beurteilen, wie effektiv das Programm wirklich ist. Geplant ist eine Stärkung des Bereichs "Software Engineering", bei dem besonderes Interesse der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) erwartet wird. "Es kann doch nicht sein, das die Branche zu 98 Prozent aus KMU besteht, die aber bisher nur 16 Prozent der Förderung erhielten", meint Bulmahn.

Sinn des Engineering ist es, Software berechenbarer zu machen, schon im Vorfeld zu wissen, ob sie zuverlässig ist oder nicht, und auch Teile davon als Module wieder zu verwenden. "Hauptsächlich sind das mathematische und ingenieurswissenschaftliche Fragestellungen", sagt Wolf-Dieter Lukas, zuständiger Unterabteilungsleiter im Ministerium.

Ein anderer Schwerpunkt der geförderten Forschung ist nach seinen Angaben neben Programmen mit bekanntem Quellcode (Open Source) das mobile Internet, wenngleich die Sondergelder des Finanzministers für UMTS-Projekte 2003 auslaufen.

Zuschlag oder Ablehnung sollen binnen zweier Monate erteilt werden, verspricht Bulmahn.

Das klingt alles gut, aber noch muss sich zeigen, ob die KMU sich über unbürokratischere Antrags- und Entscheidungsverfahren freuen können. Der Antrag von Softlab war eine Art Probelauf. Die Firma hat allerdings 1 200 Beschäftigte und ist damit etwas größer als die eigentliche Zielgruppe.

Softlabs Partner bei dem Forschungsprojekt, der Berliner Software-Entwickler Itso, zählt mit 21 Mitarbeitern schon eher zur Zielgruppe KMU und könnte sich bei normalen Laufzeiten und ohne Hilfe "kaum leisten, Mitarbeiter monatelang für Antragsverfahren abzustellen", stellt der Itso-Gründer und Geschäftsführer Stephan Drooff klar.

Zuschlag oder Ablehnung solle deshalb nun binnen zweier Monate erteilt werden, verspricht die Ministerin Bulmahn. Kleiner Haken dabei: Die Vergabekommission tagt nur zweimal jährlich. Wer Pech hat, muss also doch ein halbes Jahr warten.

Korrekturen erhofft sich die Software-Industrie auch noch bei der Verteilung der Fördermittel. "Bulmahn hat zugesagt, dass die ursprünglich viel zu starke Förderung im Hardware-Bereich noch korrigiert werden kann", meint Birgit Heinz. Das heißt nichts anderes, als dass das Gezerre zwischen den großen Förder-Bereichen Software, Nanoelektronik und Mikrosystemtechnik noch andauern wird.

Das gesamte Geld teilt sich in zwei Hälften. Eine für die konkrete IT-Projektförderung von Firmen, die andere für institutionelle Förderung der Forschung, womit außeruniversitäre Gesellschaften wie Fraunhofer und Helmholtz gemeint sind.

Bitkom-forschungsexpertin Birgit Heinz:"Die Förderung ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein."

Bei der Präsentation des Vorhabens jedoch bemängelte Bitkom-Vizepräsident Menno Harms die Aufteilung der Mittel zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung. So geht mit 810 Mill. Euro mehr als die Hälfte der institutionellen IT-Förderung an anwendungsorientierte Vertragsforscher von Fraunhofer. "Der Anteil der Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), aus denen viele Hochschulinstitute ihre Grundlagenprojekte finanzieren, erscheint verglichen mit dem Anteil der Fraunhofer-Gesellschaft recht gering", erklärte Harms.

Im neuen Programm sind für die DFG bis 2006 aber nur 140 Mill. Euro und für die MPG 40 Mill. Euro als institutionelle Förderung vorgesehen - allerdings ist IT auch kein Schwerpunkt etwa der Max-Planck-Mitarbeiter.

Dass die IT-Branche mit dem neuen Förderprogramm auch bei den Subventionsansprüchen langsam mit Branchen der Old Economy gleichzieht, weist Bitkom-Referentin Heinz nachdrücklich zurück: "Die Förderung ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein." Im Vergleich würden die USA und Japan ihrer Industrie wesentlich stärker mit öffentlichen Geldern unter die Arme greifen. "Letztlich bedeutet das Programm ein bisschen Anerkennung der IT-Branche", meint Heinz - mit 3 Mrd. Euro vielleicht aber auch eine ganze Menge Anerkennung.

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