Der Bundeskanzler in ZDF-Spezial
Kommentar: Schröder denkt um

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat erkannt, dass die Kampagne gegen seinen Herausforderer Edmund Stoiber ins Leere läuft. Er steuert um und hat Glück, dass dafür die Zeit noch reicht.

DÜSSELDORF. Herausforderer Edmund Stoiber ist nicht zu beneiden. Zwar bietet er der SPD keine Angriffsfläche, indem er sich als rechter Polarisierer hinstellen lässt. Aber besitzt die mediale Auseinandersetzung der Spitzenkandidaten tatsächlich die Bedeutung, die Meinungsforscher ihr zusprechen, dann muss der CSU-Chef noch mehr trainieren. Schröder ruht in seinen Argumenten, kommt glaubwürdig, bestimmt, themenfest und nicht überheblich rüber, wie er am Montag abend im "ZDF Spezial" demonstrierte. Vor allen Dingen ist Schröder schwer zu packen.

Nun will es der Bundeskanzler doch nicht mehr alleine richten, auch wenn er in Umfragen nach wie vor wesentlich besser abschneidet als die SPD. Schröder besinnt sich auf sein Parteiprogramm und auf ein Team von Mitstreitern, zu denen definitiv sein Finanzminister Hans Eichel, sein Innenminister Otto Schily, seine Bildungsministerin Edelgard Bulmahn, seine Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und natürlich sein Außenminister Joschka Fischer vom Koalitionspartner gehören.

Mit der Gagpartei FDP ist aus Schröders Sicht kein Staat zu machen, womit der Parteitag der Liberalen in Mannheim vor allen Dingen ein Gutes gebracht hat: Er sorgte für klare Verhältnisse. Auch wenn die Liberalen sich alle Optionen offen halten möchten, Schröder sucht das Bündnis mit den Grünen. Die selbsternannte Spasspartei ist in seinen Augen unseriös und steht für soziale Kälte. Auch eine Koalition mit der PDS schließt Schröder auf Bundesebene kategorisch aus. Damit dürfte es für die SPD nach heutigen Umfragewerten allerdings schwer werden, auch nach dem September den Bundeskanzler zu stellen.

Aber zum Glück, so die Lesart von Schröder, befinden wir uns nicht in der heißen Phase des Wahlkampfes. Die kommt erst noch. Und bis dahin ist ausreichend Zeit, die Steuervorschläge von Union und FDP als unseriös zu geißeln, die Rote-Laterne-Diskussion unter den Tisch zu kehren und im Gegenzug die Errungenschaften der Koalition herauszustellen. Das Bündnis für Arbeit habe zu mehr Qualifizierung von Arbeitnehmern geführt und zu einer weitgehenden Überwindung der Jugendarbeitslosigkeit im Westen. Im Osten, so Schröder, bestehe zweifelsohne Nachholbedarf. Den Streik in der Metallindustrie wertet er nicht als gegen sich gerichtet.

Konkrete Vorschläge, was Schröder in der nächsten Legislaturperiode anpacken will, liefert er nur mit der finanziellen Unterstützung der Kinderbetreuung. Das dürfte aber kaum reichen, die SPD aus dem Umfragetief zu führen. Scheinbar ist der Kanzler auf der Suche nach einem neuen Konzept gegen den Herausforderer, auch wenn kein Wort der Kritik gegen den SPD-Wahlkampfmanager Matthias Machnig über seine Lippen kommt. Eines kann Schröder durch seine Fernsehauftritte aber auf jeden Fall erreichen: Er mobilisiert seine Anhänger, die ihn bei der Wahl in Sachsen-Anhalt so schmerzlich im Stich gelassen haben.

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