"Der Businessplan-Wettbewerb hat uns sehr geholfen"
Notizbuch mit Ohren

Der Businessplan des Münchner Startups Picar AG hat auf Wettbewerben Furore gemacht. Die Prognosen sind euphorisch - obwohl noch kein Picar-Produkt auf dem Markt ist. Die Geschäftsidee: Mobile Spracherkennung.

DÜSSELDORF. Die besten Ideen kommen oft in den seltsamsten Momenten. Alexander Grots, 31, überkam sie im Flugzeug, auf dem Weg von Vancouver nach London. Der Hotelfachmann beobachtete Geschäftsleute, die mühsam ihre Zeichen auf ihre Handteller großen elektronischen Kalender kritzelten. "Es wäre doch viel einfacher, die Notizen reinsprechen zu können", dachte er sich. "Wenn das funktioniert, müsste es ein Bomben-Geschäft sein".

Daraus entwickelte sich eine Geschäftsidee. Ein knappes Jahr später, im November 2000, gründete Grots die Picar AG in München - gemeinsam mit zwei Mitstreitern. Zunächst hatte er seinen Freund Dirk Goldbeck angesprochen. Der Physiker fand die Idee gut - "Mustererkennung" war sein Promotionsthema, und die ist Teil der nötigen Technologie. Der dritte im Bunde wurde Thomas Sykora, ein Physiker mit Doktortitel. Jeder von ihnen hatte schon mal den Gedanken gehegt, sich selbstständig zu machen. Sie einigten sich auf eine Geschäftsidee, die "Personal Integrated Communication", genannt P.I.C..

Picar entwickelt Spracherkennungstechnologien, die für mobile Geräte wie den Handheld-Computern oder Mobiltelefone anwendbar sind. Ihr "Personal Voice Assistent" (PVA) erkennt gesprochene Wörter und Sätze und übersetzt diese in Text und Kommandos. Wie das Geschäftsmodell im Detail aussieht, verraten sie noch nicht - die Konkurrenz schläft nicht.

Um nicht völlig unvorbereitet auf den Markt und Kapitalgeber loszugehen, beteiligten sich die drei angehenden Unternehmer im vergangenen Jahr beim Münchner Businessplan Wettbewerb (MBPW). Gleich in der ersten Runde, in der sie das Produkt ausführlich erklären und die Marktchancen dazu ausarbeiten mussten, kamen sie unter die zehn Besten - das Preisgeld: 1 000 Mark.

In der zweiten Runde des Businessplan-Wettbewerbs ging es schon konkreter zur Sache: Die drei Gründer besuchten Veranstaltungen und zogen Branchenexperten zu Rate, um so den Businessplan zu verbessern, das Marktpotenzial genauer zu analysieren und die Produktidee zu verfeinern. Wieder waren die drei Businessmen in spe bei der Auswahlveranstaltung der zweiten Runde unter den ersten zehn - und bekamen 2 500 Mark dafür. "Das beflügelte, wir wussten, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagt Sykora.

In der dritten Runde kamen die ersten Interessenten auf sie zu: Beteiligungsgesellschaften, Business Angels, Wagniskapitalgeber. Die Verhandlungen liefen an. In der Zwischenzeit kam auch die Einladung zum Global Entrepreneurs Challenge der Stanford University nach Palo Alto, Kalifornien. Die Experten dort platzierten die Geschäftsidee von Grots, Goldbeck und Sykora unter die ersten drei. Die Begründung: beste Technologie und beste Marktchancen. Kein Wunder also, dass sie auch bei der entscheidenden Runde des MBPW im Herbst vergangenen Jahres den zweiten Platz belegten.

"Der Businessplan-Wettbewerb hat uns sehr geholfen, unser Produkt wirklich auf den Punkt hin zu entwickeln", analysiert Alexander Grots die Erfahrung aus dem Wettbewerb. Als Grots, Goldbeck und Sykora allerdings dann startklar waren, die Picar AG gegründet hatten und auf die Unterschrift des Kapitalgebers warteten, zog dieser sich zurück. "Das kam überraschend", gesteht Grots, "denn wenn die Gespräche intensiver werden und es ans Eingemachte geht, konzentriert man sich auf einen Partner". Gleichzeitig war der Höhepunkt der Gründereuphorie in der Internet-Branche überschritten, die Venture Capitalists (VCs) hatten das Geld nicht mehr locker sitzen. Doch sie hatten Glück. Nach einigen Wochen, im März 2001, einigten sie sich mit dem neu gegründeten Incubator Gorillapark aus Holland. Gegen eine Beteilung, über deren Höhe sich die Vorstände ausschweigen, bekamen sie eine erste Finanzierung von 500 000 Euro. Büroräume, Telefon und ein Labor, in dem fleißig geforscht und gelötet wird, stellt ihnen der Incubator derzeit noch kostenlos zur Verfügung. Auch die Organisation und Beratung in Sachen Finanzamt und Recht erhalten sie beim Gorillapark. Inzwischen haben die drei Picar-Gründer einen Mitarbeiter, ein Software-Architekt. Ihr Produkt soll Mitte nächsten Jahres auf den Markt kommen. Ein optimaler Zeitpunkt, findet Stephan Methner, Geschäftsführer und Gründer der Belenus GmbH, eines Unternehmens für mobile Informationslösungen. Methner sieht für Picar sehr gute Marktchancen - "wenn sich das Geschäftsmodell an die Industrie und nicht an den Endkunden richtet", schränkt er ein.

Was die Gründer aus dem Rückzug des ersten Geldgebers gelernt haben, ist: "Gründer müssen viel Zeit einkalkulieren, bis die Finanzierung steht", sagt Sykora. Manchmal dauere es vier Wochen, manchmal ein Jahr, bis man den passenden VC gefunden habe. "Bei uns hat es etwa neun Monate gedauert, aber dafür stehen wir rechtzeitig für die zweite Finanzierungsrunde auf der Matte." Dass sie den falschen Zeitpunkt erwischt hätten, um sich selbstständig zu machen, finden alle drei nicht. "Es gibt Moden bei den VCs, wen sie gerade unterstützen wollen", meint Sykora. "Damals war es das Internet, als wir von der technologischen Seite kamen, jetzt ist es Biotech. Aber wir sind jetzt gut im Rennen." Gleicher Meinung ist Paul Maisberger, Inhaber der Münchner Agentur Maisberger & Partner und IT-Berater: "Es hat immer Gründungen gegeben, zu jeder Zeit. Es wurde nur nie so ein Hype um Gründungen in einer einzelnen Branche gemacht. Auf das Konzept kommt es an, dann gibt es keinen falschen Zeitpunkt."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%