Der BVB und die Leidensfähigkeit ihrer Aktionäre: Gute Zahlen sind nicht alles

Der BVB und die Leidensfähigkeit ihrer Aktionäre
Gute Zahlen sind nicht alles

Es gibt Fußballklubs, die verlangen von ihren Fans ein Grundmaß an Leidensfähigkeit. Im Rhein-Main-Gebiet beispielsweise gibt es von solchen Vereinen gleich mehrere. Als krasses Gegenbeispiel gilt Borussia Dortmund: Sportlich erfolgreich, solide finanziert, mit einem riesigen Fan-Potenzial im Rücken. Das eingangs erwähnte Grundmaß an Leidensfähigkeit ist den BVB-Fans fremd. Vorausgesetzt, sie sind nur Fans und nicht auch noch Aktionäre der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA: Denn der Kursverlauf der Aktie ist seit mittlerweile zweieinhalb Jahren Ausdruck einer nicht enden wollenden Leidensgeschichte.

FRANKFURT/M. Zu 11 Euro im Oktober 2000 emittiert stürzte die Borussia-Aktie gestern erneut über 3 % ab und kostet nur noch 2,89 Euro. Und das, obwohl am vergangenen Freitag ordentliche Halbjahreszahlen vorgelegt wurden und am Samstag gegen Rostock 2:0 gewonnen wurde. Immerhin zum23. Mal in Folge ist der BVB damit zu Hause ungeschlagen und nur noch einen Sieg von der Einstellung des Vereinsrekords aus den Jahr 1965/66 entfernt. Die Aktie jedoch ist nur noch ein paar Cent von ihrem Allzeittief bei 2,65 Euro entfernt.

Die Ursachenforschung für diese Diskrepanz gestaltet sich schwierig. Schließlich raten alle drei Analysten, die laut dem Informationsdienst Bloomberg die Aktie derzeit covern, zum Kauf. Denn mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gerade noch über 3 für das laufende Geschäftsjahr gilt diese als billig. Die Aktie von Manchester United - dem europäischen Primus unter den börsennotierten Fußballklubs - ist trotz erheblicher Einbußen zuletzt immerhin noch elfmal so hoch bewertet.

Auch sonst lässt sich nichts Negatives über die Geschäftspolitik sagen. Mit den Halbjahreszahlen wurden sogar die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 % auf 83,8 Mill. Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sogar um 128 % auf 7,6 Mill. Euro. Ein Großteil davon resultiert aus dem Verkauf der Westfalenstadion Dortmund GmbH & Co. KG für 75,4 Mill. Euro an die Molsiris Vermietungsgesellschaft. Damit wurden auch stille Reserven realisiert und Schulden abgebaut. Auch die Börsenumsätze bewegen sich für eine Aktie in respektablem Rahmen. Immerhin lag sie zuletzt um Platz 100 aller deutschen Aktien.

Bleibt also die sportliche Situation als Erklärung. Die bietet momentan in der Tat reichlich wenig Phantasie. Die Chancen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung sind für den aktuellen Deutschen Meister eher gering, die Chancen auf einen Einzug ins Achtelfinale der Champions League nicht hoch. Aus dem DFB-Pokal ist man sowieso längst ausgeschieden (gegen Freiburg). Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Borussia Dortmund das Geschäftsjahr 2002/2003 ohne sportlichen Titel abschließen muss. Auch das berücksichtigen Investoren bei ihrer Anlageentscheidung. Hinzu kamen zuletzt Schlagzeilen über diverse persönliche Animositäten innerhalb des kickenden Personals. Auch solche Meldungen prägen das Image einer Aktie, meinen Händler, denn solche Dinge würden häufiger in der Öffentlichkeit diskutiert als die geschäftliche Situation.

Was die Investoren derzeit auch abschreckt, ist der Blick in die finanzielle Zukunft des Fußballs überhaupt. Da ist vor allem die Diskussion um die Fernsehrechte, denn diese werden den Klubs nicht mehr so viel Geld einbringen werden wie noch zu den Hochzeiten von Kirch und Premiere. Auch die Teilnahme an der Champions League gilt nicht länger als Lizenz zum Geld drucken, zumal die Teilnahme dort in der kommenden Saison noch längst nicht gesichert ist. Auf der Kostenseite drückt die Belastung eines sündteuren Kaders, der sich im Falle eines Scheiterns schwerer refinanzieren ließe.

Bei der in drei Wochen anstehenden Neusegmentierung an der Deutschen Börse hat sich die Borussia zudem nicht für die erste Liga qualifiziert: Wegen fehlender Quartalsberichterstattung gehört die Aktie nicht dem Prime Standard an. Daher wendet sich mancher Investor ab. Mit dem Domestic Standard, der Regionalliga der Börse, wollen nur wenige zu tun haben.

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