Der Chef der Agentur Hering Schuppener im Porträt
Ralf D. Hering: Der beharrliche Kommunikator

Er hat sich viel vorgenommen. Ralf D. Hering will Kommunikation in Unternehmen zu dem machen, was Bereiche wie Produktion oder Vertrieb schon längst sind: zu einem echten Treiber für den Unternehmenswert.

FRANKFURT. Und schon ist der eher unauffällige 46-Jährige mit dem biederen Schnauzbart in seinem Element. Er spricht im Düsseldorfer Büro vom "Optimierungspotenzial einer Produktion oder eines Vertriebs", das meistens bereits zu 80 bis 90 Prozent ausgereizt sei. "Das der Kommunikation erreicht großzügig kalkuliert in den meisten Unternehmen nur etwa 30 bis 40 Prozent", verkündet er. Während der gebürtige Düsseldorfer in leicht rheinisch gefärbtem Tonfall redet, sind seine Hände und sein ganzer Körper stets in Bewegung, um seine Worte zu unterstreichen.

Beharrlich wirbt Hering für seine "Planning Kinetics", wie er seine Idee neudeutsch nennt, und damit letztlich für sein eigenes Unternehmen. Er ist Managing Partner und Gesellschafter von Hering Schuppener, einer Kommunikationsagentur mit Sitz in Düsseldorf und Frankfurt. Die auf PR, Finanz- und Markenkommunikation sowie die Beratung bei Fusionen und Übernahmen spezialisierte Firma gehört zur GCI-Gruppe, einem der größten Agentur-Netzwerke der Welt.

Doch selbst, wenn er mit seinem Ansatz "pro domo" spricht und die Idee auch nicht ganz neu ist, weniger provokant ist sie deshalb nicht. Letztlich sollen die Unternehmen ihre gesamte Kommunikation langfristig auf die strategischen Ziele ausrichten. So soll das Bild in der Öffentlichkeit klare Konturen erhalten und die Kommunikation sogar messbar werden.

Noch folgen aber nur wenige Unternehmen der Idee des eifrigen Kommunikators. Er führt dies darauf zurück, dass oft die zuständigen Abteilungen in den Firmen nicht richtig zusammenarbeiten. "Die fatale Folge: Außenstehende erhalten ein widersprüchliches Bild des Unternehmens."

Einen Alltag, den er mit seiner gut 22-jährigen Erfahrung in Sachen Kommunikation bestens kennt. "Viel gelernt" hat der Düsseldorfer, den Mitarbeiter als sehr klar zielorientiert, aber fair beschreiben, als Zwanzigjähriger bei der Köln-Messe und als Marketingchef des Sportmodenherstellers Fila. Internationales Know-how sammelte er bei der PR-Agentur ABC, für die er ein grenzüberschreitendes Netzwerk aufbaut. Schließlich muss er sich Anfang der neunziger Jahre an der Spitze der EuroRSCG als Krisen-Manager bewähren, als der Umsatz einbricht.

Da hält es den ungeduldigen Weltenbummler auch nicht lange, der, "wann immer es meine Zeit zulässt", samt seiner Familie verreist. Nach Differenzen mit dem französischen Großaktionär Eurocom steigt er 1994 aus und macht sich mit seinem Partner Bernd Schuppener selbstständig. Viel Freizeit für den Kinogänger Hering - "entweder Comedy oder Hintersinniges" - bleibt da nicht. Das wachsende Geschäft mit der Finanzkommunikation beschert ihm lange Arbeitstage.

So stark der Kommunikator Hering auch das Bild von Unternehmen in der Öffentlichkeit formen will, so wenig drängt es ihn selbst dorthin. Er bleibt lieber im Hintergrund, zieht ohne großes Aufheben die Fäden in seinem weit gespannten Netzwerk. Seiner Agentur scheint seine zurückhaltende Art nicht zu schaden. Im Gegenteil. Sie zählt mit einem konsolidierten Honorarumsatz von 12 Millionen Euro zu den größeren deutschen Anbietern im Finanzmarkt. Doch derzeit ist das Geschäft wegen fehlender Börsengänge und Fusionen schwierig.

Aber das kann Herings Euphorie kaum dämpfen. "Die Vernetzung der Unternehmenskommunikation steht erst am Anfang. Wir haben noch viel unausgeschöpftes Optimierungspotenzial", tönt er. Vielleicht beschert ihm die Wirtschaftsflaute sogar neue Kunden. Immer mehr Unternehmen denken wegen der jüngsten Bilanzskandale über neue, langfristige Kommunikationskonzepte nach.

Sollte die Flaute aber anhalten, kann sich der Bluesfan zumindest privat trösten. Dann greift er in seinem eigenen Musikstudio zu einer seiner 18 Gitarren und gibt sich dem Blues hin.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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