Der Chef der Consors Capital Bank liebt zeitgenössische Kunst
Alfred Möckel - der leise Bankstratege

Erst führte ihn eine klassische Bankerkarriere Stufe für Stufe bis in die Chefetage der BHF-Bank. Dann drohte ihm unerwartet ein Karriereknick. Jetzt soll Alfred Möckel für den Direktbroker Consors die neue Investmentbank aus dem Boden stampfen - keine leichte Aufgabe.

HB NÜRNBERG. Alfred Karl-Heinz Möckel muss sich an seine neue Rolle erst noch gewöhnen. Nicht dass der neue Vorstandschef der Consors Capital Bank AG gestern das Konzept der Investmentbank nicht ausreichend erklärt hätte. Aber es klingt fremd, wenn er sagt, dass "wir bei Consors" mit dem Ansatz - wie so oft in der Vergangenheit - der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus sein werden. Ganz abgesehen davon, dass sich das erst noch zeigen muss: Weit reicht seine Geschichte bei dem Direktbroker nicht zurück. Möckel gehört dem Vorstand der Consors Discount Broker AG erst seit Mai an.

Möckel zählt zu den etablierten "Jungen Wilden"

Von den Direktbrokern heißt es, sie bauten in Zukunft auf die zweite Welle bei ihren Kunden. Das bedeutet, dass sie sich nicht mehr auf die "Heavy Trader", die Zocker, konzentrieren, sondern vor allem auf die Anleger, die seltener handeln. Analog dazu lässt sich Möckel als Vertreter einer zweiten Welle der Direktbroker-Vorstände charakterisieren. Sie gehören in der Szene zu den etablierten "Jungen Wilden", die mittlerweile nicht nur wie selbstverständlich mit großen amerikanischen Investmentbanken kooperieren, sondern auch gestandene Bankmitarbeiter abwerben können.

Möckel ist ein klassischer Vertreter seiner Zunft. Der stets korrekt gekleidete Banker hat in seiner 13-jährigen Karriere in verschiedenen Geldinstituten gelernt, dass markige Sprüche weniger bringen als die korrekte Ansprache seines Gegenübers und das Wissen um Fakten. So hat es der Bankkaufmann und studierte Wirtschaftswissenschaftler von einer Prokura-Tätigkeit bei der Deutschen Bank über den Vorstand der Morgan Stanley Bank bis in die oberste Etage der BHF-Bank gebracht.

Auf einmal hatten die Niederländer das Sagen

Dort allerdings drohte ihm Ende des vergangenen Jahres der Karriereknick. Die Übernahme durch den niederländischen Versicherungskonzern ING kam dem 43-Jährigen in die Quere. Auf einmal sollte das Research - sein Research - von den Niederländern kontrolliert werden. Auch in anderen Bereichen merkte er schnell, dass nicht mehr er an den Schalthebeln der Macht saß, sondern jemand anderes in Amsterdam. Möckel versuchte es erst mit Argumenten, dann stellte er sich schließlich quer.

Der Kampf war aussichtslos. Das war ihm aber von vornherein klar. Reto Francioni, das ehemalige Vorstandsmitglied der Deutschen Börse und jetztiger Consors-Vorstand, bot Möckel schließlich eine neue Perspektive. Er sprach ihn auf die Aufgabe bei Consors an. Beide kannten sich aus Aufsichtsratssitzungen der Deutschen Börse, an denen Möckel als Vertreter der BHF teilnahm. Es dauerte nicht lange, und er war von dem Konzept überzeugt.

Möckel muss an mehreren Fronten kämpfen

Nun steht der Liebhaber zeitgenössischer Kunst vor seiner größten Aufgabe: Zwar sollte niemand von der schmächtigen Statur des Managers mit der ovalen Brille auf seine Durchsetzungskraft schließen. Doch er muss sich gleich an mehreren Fronten bewähren: Er stampft eine Investmentbank aus dem Boden, und das gegen die Etablierten. Als ob das nicht schon schwer genug wäre, wird der bisher gute Name Consors schließlich dadurch verwässert, dass alle professionellen Beobachter des Marktes um die Wurzeln der Consors Capital Bank AG wissen.

An der einstigen Berliner Effektenbank kleben noch immer die früheren Gerüchte von Kursmanipulationen, auch wenn die Staatsanwaltschaft alle Verfahren mittlerweile eingestellt hat. Die gleichen Kollegen, die diese Gerüchte mit verursacht haben, sitzen neben Möckel im Vorstand.

BHF-Investmentbanker folgten ihrem Chef zu Consors

Mit seinem Abwerbe-Coup bei seinem einstigen Arbeitgeber hat sich Möckel zumindest als Headhunter in der Szene einen guten Namen gemacht. Fast die gesamte Crew des neuen Investmenthauses stammt aus der Frankfurter BHF-Bank. Das zeigt, dass der Banker Möckel zumindest unter seinen Mitarbeitern ein hohes Ansehen genießt.

Es gibt aber Stimmen in der Finanzszene, die den Vorständen der BHF-Bank raten, Ruhe zu bewahren. In einem halben Jahr seien die abtrünnigen Mitarbeiter zum halben Preis wieder auf dem Markt.

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