Der Chef der FAG Kugelfischer AG kennt bei seinem Porsche jede Schraube
Uwe Loos: Der Ingenieur, der die klugen Köpfe wach küsst

Zuerst krempelte er bei Porsche die Montage um. Jetzt versucht er, den Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer in einer Allianz mit dem japanischen Konkurrenten NTN fit zu machen für die Zukunft.

SCHWEINFURT. Seinen größten Auftritt hatte Uwe Loos am Faschingsdienstag. Während sich die Narren nur wenige Hundert Meter entfernt in der Münchener Fußgängerzone auf den Höhepunkt des bayerischen Frohsinns einstimmten, kündigte der Chef der FAG Kugelfischer AG in der nüchternen Atmosphäre des Hotels Königshof am Stachus Bedeutsames an: die Allianz mit dem japanischen Wettbewerber NTN.

Der Vorstandschef des fränkischen Wälzlagerherstellers hatte damit seine über Jahre beinahe gebetsmühlenhaft wiederholte Vorhersage selbst erfüllt, wonach die Großen der Branche sich eines Tages zusammenschließen würden. Weil er Schwierigkeiten wie beim Zusammengehen von Daimler-Benz und Chrysler verhindern wollte, beließ es Loos bei der losen Zusammenarbeit mit den Japanern - eine kapitalmäßige Verflechtung ist allerdings in den kommenden Jahren nicht ausgeschlossen.

Loos verlangt seinen Mitarbeitern einiges ab

Durch das behutsame Vorgehen hat der 55-Jährige zwar den bei Fusionen üblichen Kulturschock vermieden. Seinen 18 000 Mitarbeitern verlangt der Chef des Schweinfurter Unternehmens dennoch einiges ab. 18 Verbesserungsvorschläge soll jeder der Beschäftigten im Inland dieses Jahr abliefern, fordert Loos. Im Ausland sollen sich die FAG-Mitarbeiter zum Teil noch sehr viel mehr ausdenken.

Auch in den Werkhallen des Kugellagerherstellers ist überall die Handschrift von Loos zu erkennen. An Dutzenden Wänden - gleich neben dem Monitor für das Betriebsfernsehen - hängen Charts und Tabellen. Die farbigen Zettel zeigen eindrucksvoll, wie gut jede Abteilung ist und wie gut sie sein sollte. "Sie müssen die klugen Köpfe nur wach küssen", ist der studierte Ingenieur überzeugt, "dann werden die Leute selbstständig ihren Arbeitsplatz verbessern."

Stolz zeigt Loos die Statistik: Im vergangenen Jahr haben seine Abteilungsleiter insgesamt 250 000 Verbesserungsvorschläge erhalten. 32 Millionen Euro, so belegt es seine Statistik, hat FAG durch die Ideen gespart.

Aktie im Dauertief

Das Verbesserungs-Regiment des gebürtigen Wormsers scheint dem noch Anfang der 90er-Jahre arg ins Trudeln geratenen Unternehmen gut zu tun. Zwar kommt die Aktie an der Frankfurter Börse aus ihrem Dauertief zwischen 8 und 9 Euro nicht heraus, doch die Zahlen konnten zuletzt überzeugen.

Schon einmal, von 1978 bis 1985, stand Loos auf der Gehaltsliste in Schweinfurt, damals in verschiedenen Managementjobs im Stab, in Vertrieb und Produktion. Später zog es ihn zu Krupp nach Essen, zum Wälzlagerhersteller Ina nach Herzogenaurach und zur Löhr & Bromkamp GmbH nach Offenbach. Bevor er sich im Frühjahr 1998 wieder für die nordbayerische Provinz entschied, krempelte der Honorarprofessor der Technischen Universität München in viereinhalb Jahren als Produktionsvorstand die Montage beim Autobauer Porsche um.

So ganz hat sich Loos auch drei Jahre nach dem Weggang aus Zuffenhausen noch nicht aus dem Schwäbischen verabschiedet. Frau und Tochter seien noch in Stuttgart, gibt Loos zu, und damit eigentlich auch sein Lebensmittelpunkt. "Zwei Tage, mehr nicht", ist er pro Woche in Schweinfurt. Das liegt allerdings nicht an der fränkischen Kleinstadt. Er müsse mindestens ein Mal im Jahr jede der 25 auf der ganzen Welt verstreuten Fabriken besuchen und zahlreiche Kunden treffen, rechtfertigt sich der Manager.

Von seinem Porsche kommt der FAG-Chef nicht mehr los

Den Weg nach Stuttgart kennt Loos freilich wie das Innenleben seiner Wälzlager. "In einer Stunde dreißig", schießt es aus dem Porsche-Fahrer heraus, "vielleicht sogar in einsfünfundzwanzig" könne er die knapp 200 Kilometer vom Büro bis an die eigene Haustüre schaffen - auf der zum Glück zwischen Würzburg und Heilbronn wenig befahrenen Autobahn 81.

"Für so überflüssig wie einen Kropf" hält Loos seinen Sportwagen, "aber es macht wahnsinnig Spaß, ihn zu fahren". Vor der Zeit in Zuffenhausen habe er keinen Porsche in der Garage gehabt, gesteht Loos ein, doch jetzt sei es schwer, davon loszukommen, "zumal, wenn Sie jede Schraube kennen".

Um als Vorstandschef "FAG weiterzuentwickeln", will er auch in den kommenden Jahren seinen Porsche über den Asphalt zwischen Württemberg und Franken jagen. Loos verspricht, "nach und nach die Raketen zu zünden" - und das nicht nur auf der Überholspur. Dass sein Luftfahrt-Bereich schon heute Wälzlager für die US-Raumfahrtagentur Nasa baut, soll lediglich eine erste Startstufe sein. Die Allianz mit der japanischen NTN sowie die Übernahme kleinerer Firmen sollen FAG von Platz vier auf dem Weltmarkt für Wälzlager weiter nach oben bringen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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