Der Chef des Espresso-Herstellers Illy im Porträt: Andrea Illy: Der Kaffeekönig aus Triest

Der Chef des Espresso-Herstellers Illy im Porträt
Andrea Illy: Der Kaffeekönig aus Triest

Wenn es so etwas wie eine Kaffee- tante gibt, dann ist Andrea Illy ein Espresso-Onkel: Ob vor, während oder nach dem Essen, früh morgens oder am späten Nachmittag - der elegant gekleidete Italiener trinkt praktisch ständig Espresso. Illy macht das nicht nur, weil es zu seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender von Illycaffè gehört. Der 38-Jährige ist nach eigenem Bekunden ein großer Fan des dunklen Getränks - aber meist nur, solange es aus der eigenen Firma kommt.

DÜSSELDORF. Unter Koffeinschüben scheint der Unternehmenschef dennoch nicht zu leiden, denn er wirkt stets gelassen. Wenn Illy spricht, liegen seine Hände ruhig aufeinander und seine Augen funkeln nur gelegentlich, vor allem dann, wenn er einen Witz macht oder er sich von seinem Gesprächspartner in die Ecke gedrängt fühlt.

Andrea Illy hat allen Grund dafür, entspannt zu sein: Der Kaffeekönig aus Triest hat das geschafft, was nur wenigen Firmen gelingt. Mit nur einer Marke und einem Produkt in nur einer Geschmacksrichtung ist die Familiengesellschaft aus der norditalienischen Stadt weltweit bekannt geworden. In dritter Generation verkauft Illy bereits Espresso aus Arabica-Bohnen in mehr als 70 Ländern. Annähernd 40 000 Hotels, Restaurants und Kaffeehäuser gehören neben ausgewählten Geschäften zu seinen Kunden.

Seit acht Jahren steht der Mann mit dem raspelkurzen Haar an der Spitze des Espresso-Imperiums mit dem knallroten Quadrat als Firmenlogo. Vor 70 Jahren hatte sein Großvater Francesco Illy das Unternehmen gegründet und es später an Ernesto Illy weitergegeben. Seit 1994 treibt Andrea die Geschäfte voran: Der Umsatz stieg seit seinem Amtsantritt bis zum Jahr 2001 von 80 auf 190 Millionen Euro - die Nettorendite hat sich bei sechs Prozent eingependelt. Auch im vorigen Jahr, als einige Konkurrenten kräftige Einbußen verzeichneten, legte der Umsatz von Illy nochmal um fünf Prozent zu.

Doch das reicht dem Firmenchef nicht: Er will den Markt mit eigenen Kaffee-Bars aufrollen und drängt damit in ein hart umkämpftes Geschäft, das Wettbewerber zuletzt angesichts der Konsumschwäche in Schwierigkeiten brachte. Das stört Illy offenbar nicht: "Es genügt nicht, dass unser Kaffee gut schmeckt und riecht. Wir wollen unseren Kunden auch einen Genuss für das Auge bieten", sagt der Enkel des Firmengründers. Wie bei allen Aktivitäten setzt Illy bei den geplanten "Illy-Bars" auf höchste Qualität: Er will nur Geschäftsleuten eine Lizenz geben, die in die Marke investieren und vor allem mit vollem Einsatz und Herzblut bei der Sache sind.

Erste Test-Cafés in Paris und Triest seien sehr erfolgreich, verkündet der Firmenchef. In diesem Jahr sollen Filialen in Deutschland - dem wichtigsten Exportmarkt für Illy - folgen. Sie müssen sich gegen den US-Gastronomiefilialisten Starbucks und die vielen Kaffee-Bar-Ketten durchsetzen, die in den vorigen Jahren in Deutschland zuhauf gegründet wurden. Der smarte 38-Jährige sieht darin kein Problem: "Unsere Vision ist es nicht, Massen zu verkaufen. Viel eher investieren wir in alles, was die Qualität unseres Produktes stärkt", sagt Illy. Dieses "Extra" kostet natürlich etwas mehr: Der Preis für 250 Gramm Espressopulver liegt bei etwa sieben Euro.

Wesentlicher Grund dafür ist, dass der Vater dreier Töchter auf eine faire Zusammenarbeit mit Kaffeebauern großen Wert legt. "Wir zahlen unseren Kaffeepflanzern einen Preis, der über dem Marktniveau liegt", erläutert der studierte Chemiker. Stolz und mit Nachdruck berichtet er Geschäftsfreunden immer wieder, dass er den Rohkaffee nicht - wie viele seiner Konkurrenten - auf den internationalen Märkten einkaufe, sondern direkt bei den Bauern, um die Qualität zu wahren.

Deswegen gehört es auch zur Unternehmenskultur, dass Illy die Kaffeepflanzer und Kaffeehändler so gut wie möglich schult. Der Mittelständler rief dazu vor kurzem gleich eine ganze Kaffee-Universität ins Leben und kooperiert dabei mit Unis im brasilianischen São Paulo und in Triest.

Trotz all der Erfolge mag Illy keine Selbstbeweihräucherung. Er besitzt zwar neben dem Chemie-Diplom auch den Master-Abschluss einer Mailänder Business-School. Doch Gesprächspartnern präsentiert er sich meist nicht als knallharter Geschäftsmann oder begnadeter Verkäufer, sondern eher als nüchterner Naturwissenschaftler.

Als er einem Journalisten kürzlich erklären sollte, weshalb eine US-Marketing- Zeitschrift ihn vor einigen Jahren zum "Marketing Superstar" wählte, musste der bescheidene Illy eine Weile überlegen bis er sich erinnerte. Ihm fiel erst nach und nach ein, dass der Preis dem neuen Corporate Design der Firma galt - und einem Produktionsstandard für Ein-Tassen-Portionen, dem "Easy Serving Espresso".

Statt Auftritten auf der öffentlichen Bühne schätzt Illy die ruhigen Stunden, in denen er sich mit einem guten Buch zurückzieht. Wann immer es sein Terminkalender zulässt, geht er mit seiner Familie segeln. "Das ist Luxus für mich: Erholung ohne Zeitbegrenzung."

Vita: Andrea Illy

Er wird im September 1964 in Triest geboren. Mit 19 geht der Enkel des Firmengründers in die Schweiz und arbeitet dort in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Nestlé in Vevey. Er kehrt in seine Heimatstadt zurück, um Chemie zu studieren. Im Jahr 1990 steigt er ins Familienunternehmen ein und übernimmt vier Jahre später - inzwischen mit einem Abschluss der Mailänder Business-School in der Tasche - die Geschäftsführung von seinem Vater Ernesto. Andrea Illy arbeitet heute mit seiner Schwester Anna im Unternehmen; sein Bruder Riccardo, Mitglied des römischen Parlaments, ist Vizepräsident von Illy. Andrea Illy ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Er spricht fließend Englisch und Deutsch.

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