Der Chef des größten deutschen Papierkonzerns lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen
Clemens Haindl: Das Pokerface der Papierbranche

Haindl wollte Europas größten Papierhersteller in Familienbesitz lange Zeit nicht verkaufen. Jetzt hat er es doch getan. Und seine Mitarbeiter an dem hohen Verkaufserlös beteiligt.

Clemens Haindl gibt sich gern bescheiden. Als persönlich haftender Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsführung des Augsburger Papierherstellers Haindl sei er zwar Chef des größten deutschen Papierkonzerns. Dass aber auch nur, weil die Branchenriesen aus Skandinavien größere Unternehmen wie Feldmühle oder PWA bereits vor Jahren aufgekauft hätten.

Der Urenkel von Firmengründer Georg Haindl gilt als ein bedächtiger Mann, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und erst nach reiflicher Überlegung wichtige Entscheidungen fällt. Nach langem Zögern hat er sich nun entschlossen, den größten europäischen Papierhersteller in Familienbesitz an den finnischen Konzern UPM-Kymmene zu verkaufen.

Haindl kommt aus einer Branche, in der man die Nerven behalten und gut Pokern können muss. Dem "Spiegel" vertraute er noch im Dezember an: "Die Branche ist völlig hysterisch, sinkt die Nachfrage um 5 Prozent, dann rutscht der Preis gleich um 15 Prozent nach unten".

Haindl konne dem Konzentrationsdruck lange widerstehen

Clemens Haindl kennt die Papierbranche, seit er denken kann. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in München arbeitete er zunächst während seiner Promotion zweieinhalb Jahre beim Sinus-Institut. 1970 stieg er in das Familienunternehmen ein. Kaum eine Branche hat seit 1990 stärkere Zyklen in immer kürzeren Abständen erlebt wie die Papierindustrie. Eine Konzentrationswelle rollte nach der anderen. Denn nur noch vollintegrierte Großkonzerne, die die komplette Wertschöpfung von der Holzerzeugung über die Zellstoffherstellung bis zur Veredelung verfügen, können die extremen Marktschwankungen ausgleichen.

Clemens Haindl konnte diesem Druck lange widerstehen. Doch fast schwieriger als das Papiergeschäft war es, die 32 Haindl-Gesellschafter in Schach zu halten. Der 64-Jährige hätte gerne seine Nachfolge selbst geregelt. Entweder sollte ein familienfremder Manager geholt werden oder Christian Haindl, der 38-jährige Sohn des früheren Konzernsprechers Ernst Haindl, in die Geschäftsführung aufrücken.

Ein bitterer Schlussstrich

Aber ein Konsens für eine der beiden Varianten kam mit den beiden Familienstämmen nicht zu Stande. Da er aber verhindern wollte, dass die in seinen Augen unfähigen Mitgesellschafter das Sagen bekommen, zog er mit dem Verkauf des Unternehmen an UPM-Kymmene jetzt einen bitteren Schlussstrich. "Ich muss persönlich hinzufügen, dass es nicht mein Lebensziel war, diese Firma zu verkaufen", beteuerte Haindl vor der Belegschaft.

Schwerer wäre es ihm dieser Schritt wohl gefallen, wenn er nicht ein in Deutschland bislang einzigartiges Trostpflaster für seine Mitarbeiter parat gehabt hätte: Ein Prozent des Verkaufserlöses von rund sieben Milliarden Mark wird an die Beschäftigten ausgeschüttet - durchschnittlich 19 000 Mark pro Kopf. Clemens Haindl hat im Übernahmepoker das Maximum herausgeholt. Rund zwei Mark je Umsatzmark zahlen die Finnen für Haindl.

Jetzt wird er mehr Zeit für seine Hobbys Tontaubenschießen und Fahrten auf seiner Harley Davidson haben. Sein halblanges, oft etwas in die Stirn hängendesHaar verrät, dass hinter dem kühlen Taktiker auch ein urwüchsiges Temperament steckt.

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