Der Chef des niederländischen Postkonzerns TPG im Profil
Peter Bakker: Jung und provokant

Bereits mit sechzehn wusste er, was er wollte. "Ich will Chef eines großen Unternehmens werden", sagte Peter Bakker seinem Vater. Unbeirrt hielt er daran fest, 24 Jahre lang. Zielstrebigkeit, harte Arbeit und das Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, brachten ihn zum Ziel. Seit einem Jahr leitet Bakker die TPG, ist jüngster Vorstandsvorsitzender eines niederländischen Börsenkonzerns und Kopf des größten privaten Arbeitgebers des Landes.

AMSTERDAM. "It?s a beautiful day ..." - mit dem Song von Bonos Pop-Gruppe U2 präsentierte er in diesem Februar strahlend das Gewinnwachstum des vergangenen Jahres von 21 Prozent. Doch der 41-Jährige, in dessen Büro ein großes Foto des Rockstars hängt, jubelte nicht lange. Zwar begeisterungsfähig, aber Realist, dämpfte er die Erwartungen der verwöhnten Anleger: Dieses Jahr sei nur ein Plus von fünf bis zehn Prozent zu erwarten. Er lag richtig, wie sich jetzt zeigt. TPG musste als Einziger der Post - und Logistikbranche keine Gewinnwarnung abgeben.

Auch für nächstes Jahr äußert sich der agile, rundliche Mann mit der Nickelbrille vorsichtig. Analysten kreiden ihm das nicht an. Zwar peilt TPG seit dem Börsengang einen jährlichen Gewinnanstieg von zwölf bis achtzehn Prozent an - allerdings unter der Bedingung eines "normalen" Wachstums der Gesamtwirtschaft von zwei bis drei Prozent. Doch davon ist die Welt momentan weit entfernt. Logisch, dass das TPG-Ergebnis auch langsamer wächst. Dennoch: Im Vergleich zu seinen europäischen Rivalen schlägt sich der Konzern jedenfalls hervorragend. Bakker kann also zufrieden sein.

So tritt er langsam aus dem Schatten seines patriarchalischen Vorgängers Ad Scheepbouwer. Der hatte aus der defizitären Staatspost einen der erfolgreichsten Logistikkonzerne der Welt und die weltweit erste börsennotierte Postgesellschaft geformt. Als sein Finanzvorstand trug Bakker viel zu dieser Erfolgsgeschichte bei. Sie fortzusetzen, trauen ihm Branchenexperten zu.

Der äußerlich eher unauffällige Mann weiß, was er will. Und daran halte er beharrlich fest, sagen Mitarbeiter. Seine unverblümte, provozierende Art erschrecke zwar manchen, der ihn nicht kenne. Aber sein Humor und die Fähigkeit, auch einmal über sich selbst zu lachen, machten das wieder wett.

Bakker gilt als offen, beantwortet die E-Mails seiner Mitarbeiter schnell und interessiert sich ehrlich dafür, wen wo der Schuh drückt, heißt es. Er lancierte Programme zur Motivation und Talentförderung. Und sein Kostendämpfungsplan ist fast sanft: Fünf bis acht Jahre gibt der Motorsport-Fan dem Unternehmen dafür Zeit.

"Er hat das Herz am rechten Fleck", sagen Mitarbeiter. Eine Aussage, die man selten über Chefs hört. Es traf ihn nach eigenen Angaben hart, als er vor einem Jahr im Flugzeug nach Singapur einen Artikel der "Business Week" über den Anschlag vom 11. September las. Vor allem schockte ihn die These, dass Armut den Terrorismus fördere. Denn der Artikel schloss mit der Frage: Was tun Sie dagegen? "Nichts", musste sich Bakker damals eingestehen.

Der Vorstandschef handelte: Statt weiter das namhafte Golfturnier Dutch Open zu sponsern, beschloss er, künftig TPGs logistisches Know-how für die Hungerhilfe einzusetzen: "Wir wollen helfen, das Problem der Nahrungsmittelverteilung zu lösen." Er führte 16 seiner Top-Manager nach Tansania, um ihnen vor Ort zu zeigen, worum es ihm geht.

Mitte Dezember wird er eine Partnerschaft mit einer Uno-Organisation bekannt geben. Uno-Chef Kofi Annan stimmte dem bereits im September während des Nachhaltigkeitsgipfels in Johannesburg zu. Die Kritik, Bakker versuche bloß, das Image von TPG aufzupolieren, prallt an ihm ab. "Wichtig ist uns die langfristige Wirksamkeit der Hungerhilfe. Erst wenn sich in einigen Jahren Fortschritte zeigen, berichten wir darüber." Die Belegschaft scheint jedenfalls auf seiner Seite zu sein: Tausend Beschäftigte boten bereits per E-Mail spontan ihre Unterstützung für die Hungerhilfe an.

Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" gab ihm dagegen zu verstehen, sie wolle sich nicht "vor einen kommerziellen Karren spannen lassen". Dennoch ist Bakker überzeugt, dass die Wirtschaft gefordert ist. "Wenn jedes Unternehmen etwas täte, nur ein Prozent des Gewinns in Form von Know-how und Gütern bereitstellen würde, sähe die Welt besser aus", verkündet der Weltverbesserer.

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