Der Chef des US-Konzerns Applied Materials investiert trotz Konjunkturflaute
James Morgan: Der heimliche Hightech-Star

An ihm kommt niemand vorbei. Alle Chiphersteller kaufen seine Produktionsanlagen. Doch momentan läuft das Geschäft nicht so gut für James Morgan.

Sein liebstes Kleidungsstück ist sein Goretex-Skianzug. Sein liebster Besitz sind seine Salomon--Scream-Ski. Wenn der heute 62-Jährige seinen Chefposten bei Applied Materials Inc. eines Tages räumt, will er noch mehr Ski fahren als bislang und für die Naturschutzorganisation California Nature Conservancy arbeiten. Ins Büro geht James Morgan allerdings in der Uniform der Manager: dunkler Anzug, manschettengeknöpftes Hemd, klassisch gemusterte Krawatte.

Morgan ist im Amt ergraut: Seit einem Vierteljahrhundert leitet er nun die Geschicke der Applied Materials Inc., des weltgrößten Herstellers von Maschinen für die Produktion von Halbleitern - stoisch, ruhig, immer konzentriert. Das Geheimnis seines Erfolges? "Stets ein klares Ziel zu haben", antwortet der Mann, der in der Öffentlichkeit ebenso wenig bekannt ist wie seine Firma. Aber keiner der Großen in der Branche - Intel, IBM, Fujitsu, Motorola - kommt an dem Unternehmen aus Santa Clara in Kalifornien vorbei.

Kein leichtes Jahr für Morgan

Doch dieses Jahr ist kein leichtes für Morgan. Die Computerhersteller leiden unter der schwachen Konjunktur, die Telekomindustrie liegt darnieder. Aufträge werden storniert. Die ersten beiden Quartale des Geschäftsjahres spiegeln die Misere deutlich wider; im zweiten verfehlte Applied Materials sogar die Erwartungen der Analysten.

Aber die zu erfüllen ist ohnehin nicht Morgans Priorität. Sein Lieblingsautor ist der aus der Mode gekommene Management-Guru Peter Drucker, der predigt, dass Kunden immer an erster Stelle stehen. Und in dessen Vokabular kommt der Terminus "Gewinn je Aktie" nicht vor.

Der nächste Aufschwung kommt gewiss

Morgan will vor allem eines: für den nächsten Aufschwung gerüstet sein. Denn der kommt gewiss. Davon ist er überzeugt. "Die Hersteller müssen neue Technologien anwenden, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen", erklärt er. Und in seiner ruhigen Art zu sprechen fügt er hinzu, was kommen muss: 300-Millimeter-Wafer etwa, aus denen viel mehr Siliziumchips hergestellt werden können als aus den heutigen 200 Millimeter großen Scheiben.

Zwischendurch streut Morgan - seit 40 Jahren verheiratet - eine Geschichte über seine französische Schwiegertochter und seinen vier Jahre alten Enkel ein. Aber immer findet er zurück zum Punkt: Ohne neue Maschinen keine neuen Technologien. Und für den Tag, an dem die Chiphersteller ihren Maschinenpark erneuern müssen, wird Applied gerüstet sein. Morgan investiert trotz der Konjunkturflaute.

"Cash is king"

Am nötigen Kapital fehlt es dem Konzernchef nicht. Das passt zu seinem Motto "Cash is king" (Bargeld ist der König), das er neben neun anderen in der Broschüre "Wege zum Erfolg" preist. Applied hat vier Milliarden Dollar Bares. Mit einem leichten Lächeln, das bis in seine braunen Augen reicht, sagt er: "Es könnten sich im kommenden Jahr einige Gelegenheiten bieten."

Morgans Karriere bei Applied kann sich sehen lassen. Vor 25 Jahren übernahm der Ingenieur eine kleine, zehn Jahre alte Firma, die er zu einem Konzern mit einem Umsatz von fast zehn Milliarden Dollar aufmöbelte. Und noch ist er nicht am Ziel. Seine Erfolgsregel Nummer 10 lautet: Dranbleiben. Bis 2005 will er 20 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaften.

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