Der Chef des US-Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb gehört zu den jüngsten seiner Zunft
Peter Dolan: Der Marathon-Mann mit der persönlichen Mission

Er gehört zu den jüngsten Chefs der großen US-Firmen, und er hat ein ehrgeiziges Ziel: Peter Dolan will Bristol-Myers Squibb zu einem reinen Pharmakonzern umwandeln. So hat er gleich zugegriffen, als ihm die Medikamentensparte von DuPont angeboten wurde.

Vor einigen Jahren öffnete Peter Dolan, lässig in Shorts und T-Shirt, einem Bauunternehmer die Tür zu seinem Haus in Evansville im Bundesstaat Indiana. Der fragte Dolan, ob denn der Vater im Hause sei. Der Unternehmer konnte nicht glauben, dass der Chef von Mead Johnson, der Nahrungsmittel-Sparte von Bristol-Myers Squibb (BMS), höchstpersönlich vor ihm stand.

Seit dem 1. Mai dieses Jahres ist Dolan mit 45 Jahren der jüngste Vorstandschef eines großen US-Pharmakonzerns und einer der jüngsten Chefs der vom Wirtschaftsmagazin Fortune herausgegebenen Liste der 100 größten amerikanischen Unternehmen.

Der noch immer jugendlich aussehende Topmanager findet, dass sein Alter kein Thema sei. Selbst Jack Welsh, der legendäre Lenker des Mischkonzerns General Electric, habe im November mit Jeffrey Immelt einen 44-Jährigen zu seinem Nachfolger erkoren. "Ich habe den Vorteil, dass ich bei meinem Job in einem Zeitraum von zehn oder zwanzig Jahre denken kann", ließ Dolan die Öffentlichkeit wissen.

Langfristig macht seiner Ansicht nach vor allem eines Sinn: den ehemaligen Gesundheits-Gemischtwarenladen mit Nahrungsmitteln, Haarfarben und Prothesen in einen möglichst reinen Pharmakonzern umzuwandeln.

Ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte

Jetzt hat der neue Vorstandschef bewiesen, dass er umsetzt, was er sagt. In der vergangenen Woche kaufte er für 7,8 Milliarden Dollar die Pharmasparte des Chemiekonzerns DuPont. Aus Sicht Dolans war es ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Und im Mai, kurz nach Amtsantritt, hatte er das Haarpflegegeschäft Clairol für fast fünf Milliarden Dollar an den Konsumgüterkonzern Procter&Gamble verkauft.

Die jüngste Transaktion ist zwar unter Analysten umstritten, aber sie passt in die Strategie des drittgrößten US-Pharmakonzerns: die Konzentration auf das Kerngeschäft. Ein Schritt ist der noch für dieses Jahr geplante Verkauf oder der Börsengang der Orthopädiesparte Zimmer. Sie wird dem Konzern weitere Milliarden in die Kasse spülen. An der Entscheidung, Zimmer und Clairol abzustoßen, war Dolan bereits als Präsident von BMS beteiligt.

Ein anderes Ziel ist schwerer zu erreichen: Wie sein 67-jähriger Vorgänger Charles Heimbold, der sich nach sieben Jahren von der Konzernspitze verabschiedet hat, will Dolan Umsatz und Gewinn in nur fünf Jahren verdoppeln. Er setzt auch auf Forschung und Entwicklung. "Unser Top-Management muss stärker in das eingebunden werden, was in der Wissenschaft passiert", forderte Dolan bereits vor seinem Start an der BMS-Spitze in einem Interview mit dem Wall Street Journal.

Dolan selbst ist kein Wissenschaftler, sondern Inhaber eines MBA. Er startete seine Karriere beim Nahrungsmittelkonzern General Foods und kam vor 13 Jahren zu Bristol-Myers Squibb. Er bekleidete Führungspositionen in allen wichtigen Konzernsparten.

Sein Job ist für Dolan auch eine "persönliche Mission"

Mit dem Bestseller Taxol machte der Vater zweier Söhne seine ganz persönlichen Erfahrungen. Das Medikament, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar bescherte, lernte er kennen, als seine Mutter an Brustkrebs erkrankte. Später musste auch seine Schwester Taxol nehmen. Die Mutter starb vor fünf Jahren. Der Schwester geht es seit zwei Jahren wieder besser. Wegen der Erfahrungen in der eigenen Familie sieht Dolan seinen Job bei dem Unternehmen, das vor allem bei Krebs- und bei Diabetes-Medikamenten stark ist, als eine "sehr persönliche" Mission.

Der Vorstandschef machte sich auch für Lance Armstrong als Sprecher von BMS stark. Der Fahrradprofi bekämpfte mit Taxol seinen Hodenkrebs. Danach gewann er gleich zweimal die Tour de France. Armstrong gibt Krebskranken in einer Imagekampagne im US-Fernsehen wieder Hoffnung.

An Ehrgeiz hat es Dolan nie gefehlt. Schon als Jugendlicher arbeitete der Sohn eines Finanzvorstands in den Sommerferien 60 Stunden pro Woche. Und als er mit 40 Jahren noch einmal einen Marathon laufen wollte - wie viele Manager um die 40 -, nahm er sich vor, seine Bestzeit zu übertreffen, die er mit 25 Jahren schaffte. Als das misslang, schrieb er sich drei Wochen später für einen weiteren Marathon ein - und war erfolgreich: Er unterbot schließlich seinen eigenen Rekord um zehn Minuten.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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