Der Chef von Liberty Media hat eine gute Nase für Gelegenheiten
John Malone: Der begnadete "Dealmaker"

Er hat die Kabelbranche in den USA in das digitale Zeitalter geführt. Er ist steinreich, der Verkauf seines Unternehmens TCI bescherte ihm einen Miliardengewinn. Doch an Ruhestand denkt der 60-Jährige noch lange nicht: Jetzt zieht er aus, Europas Kabelindustrie zu erobern.

Als Kabelkönig der USA ist John Malone in die Wirtschaftsgeschichte eingegangen. Jetzt handelt er nach dem Motto: Was einmal funktioniert, kann beim nächsten Mal nicht falsch sein. Der Amerikaner baut ein neues Kabelimperium, diesmal in Europa und Südamerika.

Malone gilt als begnadeter "Dealmaker" - ein Geschäftsmann, der eine Nase für gute Gelegenheiten hat. So hatte sich der Manager aus dem beschaulichen, wohlhabenden Kleinstädtchen Milford im US-Bundesstaat Connecticut, der unter anderem bei der Unternehmensberatung McKinsey Erfahrungen gesammelt hat, einst sein Kabelfernsehreich zusammengekauft. Nicht nur seinen Aktionären bescherte er enorme Gewinne - auch er selbst wurde steinreich: Für 54 Millarden Dollar verkaufte er vor zwei Jahren sein Unternehmen Tele Inc. -Communications (TCI), die größte US-Kabelgesellschaft, an seinen einstigen Arbeitgeber, den Telefonriesen AT&T.

Doch über ein Filetstück behielt er die Kontrolle: die Liberty Media Group. Der Content-Anbieter - er liefert Inhalte für neue Medien - gehört zwar auch dem Telefonkonzern, aber Chairman Malone führt ihn nach seinem Gutdünken. Sonderlich glücklich ist der rastlose Geschäftsmann über diesen Zustand nicht. Der 60-Jährige will am liebsten wieder unabhängig sein. Die Gerüchte, dass AT&T aus Liberty Media aussteigt, halten sich hartnäckig. Wahr geworden sind sie bislang noch nicht.

Fehlinvestitionen haben Malones Reputation geschwächt

Malone bewundert Amerikas Anlage-Guru Warren Buffett, und eine Weile sah es so aus, als könnten der Absolvent der renommierten Universitäten Yale University und Johns Hopkins in die Fußstapfen seines Idols treten. Liberty Media besitzt große Anteile an einigen der mächtigsten Medienkonzerne der Welt, etwa Rupert Murdochs News Corp. und der AOL Time Warner Inc. Malones Credo: "Unsere Tür ist immer offen für Geschäfte; alle unsere Vermögenswerte sind handelbar." Aber inzwischen sind die Aktien von Liberty Media, die in der jüngsten Hausse immer höher kletterten, eingebrochen. Fehlinvestitionen haben Malones Reputation geschwächt: etwa die 500 Millionen Dollar, die er für ICG Communications bezahlte, sieben Monate, bevor ICG Konkurs anmeldete.

Malone ist Vater zweier Kinder und pendelt dem Vernehmen nach zwischen seinen Häusern in Colorado und Maine mit einem nach seinen Wünschen angefertigten Wohnmobil. Den Neugierigen an den Raststätten erzählt er, das 750 000-Dollar-Mobil gehöre dem Country-Star Garth Brooks.

Doch nicht nur für die typisch amerikanischen Gefährte hat der studierte Elektroingenieur ein Faible: Er setzt auch im Geschäft auf Technologie. Malone ist der wohl größte Investor in Breitband-Kommunikationssysteme in den USA. Gleichzeitig hält er Anteile an Firmen, die schnurlose Kommunikation, Glasfasernetze und Satellitensysteme betreiben - schließlich kann niemand vorhersagen, welche Technologie am Ende das Rennen macht.

Malone will auf keinen Fall ein Verlierer sein

Malone liebt komplizierte Deals. Der Doktor der Philosophie ist Fan der japanischen Keiretsu - der stark verflochtenen Konzerne. So ist Liberty Media unter anderem an den Kabelkanälen Discovery Channel, USA Networks und QVC sowie am Telefonanbieter Sprint PCS beteiligt. Für das deutsche Fernsehkabelnetz, das die Deutsche Telekom verkauft, bietet Liberty Media zusammen mit der Investorengruppe Klesch & Company.

Malone will, dass die einzelnen Unternehmensteile voneinander profitieren, scheut sich jedoch auch nicht, in konkurrierende Firmen zu investieren. So hält er 18 Prozent an Rupert Murdochs News Corp. und 35 Prozent am Kabelunternehmen United Global Com (UGC) seines Freundes Gene Schneider - wohl wissend, dass die Kabelsysteme von News Corp. und UGC teilweise gleiche Märkte bedienen.

Aber hier hält er es wie mit der Investition in verschiedene Technologien: Niemand kann schließlich wissen, wer am Ende der Sieger ist. Auf keinen Fall aber will Malone ein Verlierer sein.

Er ist der Überzeugung, dass Mehrwert in der Medienbranche künftig in den Bereichen Inhalte, Beziehungen zu den Kunden und letzte Meile entsteht. Und all das soll sein neues Imperium den Kunden bieten. "Die Risiken sind groß und überall, aber dafür werden wir schließlich bezahlt", sagt er lachend.

Ein Analyst hat über ihn gesagt: "Am Ende, glaubt Malone, kann er all die Unternehmen vereinen und sie mit einem großen Gewinn verkaufen" - wie einst TCI.

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