Der Chef von PSA Peugeot Citroën im Porträt
Jean-Martin Folz: Der sanfte Machtmensch

Er hat den französischen Autokonzern vom Kopf auf die Füße gestellt. Dank Jean-Martin Folz steht er zu Beginn des Genfer Autosalons besser da als viele in der Branche.

Wenn Finanzleute heute die profitabelsten Autohersteller aufzählen, nennen sie gleich hinter BMW und Porsche den französischen Peugeot-Konzern. Dessen Modelle verkaufen sich derzeit wie von selbst. Die Fabriken laufen meist über der branchenüblichen Kapazitätsgrenze. Und in jedem Jahr klingelt die Kasse bei der Konzernholding PSA wieder ein bisschen lauter.

Den Erfolg kann sich Jean-Martin Folz, Vorstandschef der PSA Peugeot Citroën S.A., ans Revers heften. Der 55-Jährige gehört denn auch zu den Stars auf dem Genfer Autosalon, der ersten europäischen Automobilmesse des Jahres, die am Donnerstag beginnt.

Folz kam erst vor fünf Jahren an die Konzernspitze des französischen Autokonzerns. Nach nur zwei Tagen im neuen Amt rief er die 250 wichtigsten PSA-Manager zusammen und konfrontierte sie mit seinen Restrukturierungsplänen. Am Ende des Meetings hatte der stets glänzend vorbereitete, jovial auftretende Folz die Führungsebene des Konzerns für seine Pläne gewonnen - obwohl er im Unternehmen über keinerlei Hausmacht verfügte.

Damit erfüllte er sich einen lang gehegten Traum: endlich ein Unternehmen alleine zu führen. Denn in seiner Karriere beim Chemiekonzern Rhône-Poulenc, beim Lebensmittelhersteller Eridania Beghin Say, beim Aluminiumkonzern Pechiney und bei der Elektrogruppe Schneider schaffte es Folz nie weiter als auf Rang zwei in der Hierarchie - und ging wieder frustriert.

Weggefährten sagen Folz einen Mangel an Härte nach. "Mit seinem Talent und seinen Erfahrungen könnte er sehr dominant auftreten", meint ein Ex-Kollege bei Eridania. "Aber er tut es nicht." Wer ihn in der Öffentlichkeit nur gelassen erlebt, kann sich kaum vorstellen, dass der Fan von Bachscher Musik bei heiklen Verhandlungen energisch auftreten könnte. Auch gegenüber seinen Mitarbeitern verhält er sich loyal. "Er arbeitet eigentlich nur mit Leuten, die schon unter seinem Vorgänger Jacques Calvert da waren", bemerkt ein PSA-Manager.

Folz ist niemand, der wie andere französische Konzernchefs seine Macht nach außen demonstriert. Auf Langstreckenflügen mit Linienjets weigert er sich, in der ersten Klasse Platz zu nehmen. Im PSA-Hauptquartier unweit des Triumphbogens in Paris ist seine Bürotür offen, vor allem morgens um sieben, wenn noch keine Meetings anstehen. Und mit Frankreichs Gewerkschaftern hat er einen Burgfrieden geschlossen, obwohl sie ihn auf einem früheren Posten mal tagelang in seinem Büro festgesetzt hatten.

Folz gibt sich als Kommunikator. Zwar hat er den PSA-Konzern zentralisiert und stark auf sich zugeschnitten, "weil im Autogeschäft immer einer die Verantwortung tragen muss", wie er sagt. Aber statt zu herrschen, liebt er es zu überzeugen. Und er ist davon überzeugt, die Zusammenhänge stets zu überblicken. Er lernt dabei schneller, als es seine Umgebung zunächst glauben mag. "Wir haben schließlich eingesehen, dass er Dinge tatsächlich fünfmal schneller verarbeiten kann als andere", sagen alte Kollegen.

Geschwindigkeit ist neben seiner rasanten Lernfähigkeit eine Konstante in seiner Karriere. Folz denkt schnell und spricht noch schneller, so dass ihn die PR-Mitarbeiter des Konzerns bei Interviews zuweilen wieder einfangen müssen. "Er hat uns mit sanfter Gewalt gezwungen, in seinem Rhythmus zu arbeiten", sagt ein enger Mitarbeiter. "Seither zählt hier vor allem eins: Speed."

Trotzdem hat der Vater zweier erwachsener Töchter, der viele Jahre in Dijon/Burgund lebte, Zeit für den Genuss. Bei den zuweilen als unberechenbar geltenden Burgunder Weinen gilt der Sohn eines Professors für mittelalterliche Geschichte als Fachmann.

Schon kurz nach dem Studium, in seiner Zeit als Ministerialbeamter, entwickelt Folz ein Gefühl für noch wenig populäre Themen wie Ressourcenschonung und Emissionsschutz, die ihm später bei PSA zugute kommen. So überrascht der Mann, der selbst kein erklärter Autofan ist, die Motorpresse 1998 mit einem Kurswechsel in der Dieselpolitik von Peugeot. Er kündigt einen hocheffizienten Partikelfilter an.

Noch heute freut sich Folz diebisch darüber, dass er damals die Konkurrenz bei einem ADAC-Test abgehängt hat. Der Peugeot mit Filter schnitt deutlich besser ab als ein Diesel mit Stern. Seither präsentiert sich Peugeot als Umweltgewissen der Industrie.

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