Der "China-Faktor" wirkt
Experten erwarten anhaltenden Boom auf den Agrarmärkten

Nicht nur bei Metallen, Erzen und Kohle treiben die Chinesen mit ihrem rapide steigenden Bedarf die Preise in die Höhe. Bei Agrarprodukten tragen sie ebenfalls zur Verteuerung bei - zum Teil wegen eigener Missernten.

HB LONDON. Als Beispiel des enormen Einflusses Chinas auf die Welt-Rohstoffmärkte greift das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) die Entwicklungen bei Baumwolle heraus. Mit weit über einer Milliarde Bürgern verarbeite das Riesenreich inzwischen 30 % des Welt-Baumwollaufkommens in seinen Textilfabriken. Eine schlechte heimische Ernte habe den Importbedarf erhöht. Zum Vergleich: Die USA verarbeiten nur noch 8 % des Baumwollangebots. Zudem sind die Weltvorräte auf den niedrigsten Stand seit 1994 gefallen. Die Gefahr eines Preisrückschlags gilt daher als gering. Baumwolle hat sich 2003 um etwa 50 % verteuert.

Der China-Faktor wird auch für die Getreide- und Sojamärkte immer wichtiger. Die beträchtlichen dürrebedingten Ernteausfälle in Europa haben den Preisauftrieb bei Weizen verschärft. Die Exporte der EU haben sich 2002/03 etwa halbiert. In Deutschland blieb die Weizenernte um 7 % und die für Roggen um gar 38 % hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Der Weizenpreis stieg nach Angaben des Verbands Deutscher Mühlen von etwa 110 Euro je Tonne im Sommer auf inzwischen etwa 170 Euro je t. Nach Schätzungen des Londoner Getreiderates (IGC) werden die Welt-Weizenvorräte 2003/04 auf 131 Mill. t schrumpfen nach 161 Mill. t im Vorjahr und knapp 200 Mill. t 2000/01.

Das Londoner Marktanalyse-Institut Economist Intelligence Unit (EIU) erwartet, dass die Preiserholung bei Agrar-Rohstoffen 2004 und 2005 fortsetzt. Bei den Getreidepreisen sei 2004 mit einem weiteren Anstieg von knapp 10 % zu rechnen und 2005 mit plus 5 %. Die Maispreise dürften sogar um 30 % zulegen. Auch dabei spielt China die wichtigste Rolle. Das Land könnte nach Einschätzung des USDA schon bald seine Rolle als Exporteur von Mais am Weltmarkt verlieren und zum Nettoimporteur werden.

Nur bei Kaffee, Tee und Kakao werden die Preise nach Ansicht von Experten weiter sinken. Die Kakaopreise werden 2004 laut EIU um 16,5 % einbrechen. Dagegen soll der Verfall der Kaffeepreise der letzten Jahre 2004 weitgehend zum Stillstand kommen. Bei Zucker zeichne sich in den nächsten zwei Jahren ein Überangebot ab, das die Preise 2004 um knapp 8 % sinken lassen werde.

"Trotz der grundlegend festen Tendenz werden die Agrarmärkte auch weiterhin von mitunter kräftigen Preisschwankungen heimgesucht werden", warnt Matthew Parry, Chefanalyst bei der EIU jedoch vor einer all zu großen Gelassenheit. Michael Hughes von der Baring Asset Management in London strahlt dagegen Zuversicht aus: "Der Trend an den Rohstoffmärkten in den nächsten fünf bis zehn Jahren wird den Abwärtstrend der letzten 20 Jahre mehr als wettmachen."

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