Der Computerspezialist liebt schräge Partys und schnelle Autos: Kim Schmitz: Die erfolgreiche Flucht des Mr. Kimble

Der Computerspezialist liebt schräge Partys und schnelle Autos
Kim Schmitz: Die erfolgreiche Flucht des Mr. Kimble

Als "Mr. Kimble" war er ein gefürchteter Hacker. Dann stieg er aus und machte sich selbstständig. Inzwischen hat der 26-jährige Kim Schmitz drei High-Tech-Firmen aufgebaut und ist zum Millionär aufgestiegen. Aber eigentlich ist er der Internet-Freak geblieben.

DÜSSELDORF. Kim Schmitz liebt es, sich in Szene zu setzen. Schon im Foyer seiner Münchener Büroetage ist er zu besichtigen. Da steht er als mannshohe Comicfigur aus Pappmaché, eine Art Verschnitt aus James Bond und den legendären Blues Brothers. Dann kommt Kim Schmitz im Original um die Ecke gebogen: ein schwarz gekleideter, fülliger Zwei-Meter-Hüne. "Die Pappfigur ist doch echt cool", findet der Mann in den Knickerbockers und grinst breit.

Und schon erzählt der blonde Riese begeistert, dass der Pappkamerad im Sommer in einem Münchener Kino stand, das er eigens für 300 geladene Gäste gemietet hatte. Dem verblüfften Premierenpublikum zeigte er eine Eigenproduktion. Der Streifen handelt nur von seiner Spritztour, die er mit Freunden zum Formel-Eins-Rennen nach Monaco unternommen hatte. Zu sehen sind gewagte Überholmanöver, ein Hubschrauber, der über den Ferraris und Porsches der Teilnehmer kreist, und schräge Partyszenen - Schmitz stets im Mittelpunkt.

Der ausgeflippte, albernde Halbstarke mit dem ausgeprägten Selbstbewusstsein ist nur die eine Seite von Kim Schmitz. Die andere ist der ausgewiesene Computerspezialist und ideenreiche Unternehmer, der mit seinen 26 Jahren schon mehrere Firmen aufgebaut hat. Sie überprüfen die Datensicherheitssysteme von Konzernen, bieten das Einkaufen per Handy an und bauen S-Klasse-Wagen von Mercedes-Benz zu mobilen Luxusbüros um.

Schmitz gehört zur Generation der Computerkids. Seine ersten PC-Kenntnisse eignet sich der gebürtige Hamburger schon im Alter von neun Jahren an. Zuerst geht es nur um Spiele. Dann lernt er, selbst zu programmieren und schließlich wird er zum Hacker.

Er gehört zu den Jugendlichen, die nächtelang bei Cola und Chips vor ihrem PC hocken und es sich zum Sport machen, in fremde Computernetze einzudringen. Noch heute erzählt er gerne, wie er sich einmal in die Rechner der US-Raumfahrtbehörde Nasa eingeschlichen hat. Unter dem Decknamen "Mr. Kimble" stieg er zum berühmt-berüchtigten Star der Hacker-Szene auf.

Aber damit ist seit sechs Jahren Schluss. "Ich hielt es für sinnvoller, mit meinen Computerkenntnissen ganz legal Geld zu verdienen", erklärt Jungunternehmer Schmitz seinen damaligen Sinneswandel. Vor drei Jahren gründete der Self-Made-Man, der seine Ausbildung schon mit dem Abitur beendete, seine erste eigene Firma, Data Protect. Sie startet Angriffe auf die Telefon- und Datennetze von Unternehmen, allerdings nur, um ihnen Lücken im Sicherheitsnetz aufzuzeigen.

Dann macht Schmitz seinen ersten großen Deal. Im Februar dieses Jahres gelingt es ihm, dem TÜV Rheinland 80 Prozent seiner Beratungsfirma zu verkaufen. Die Überwachungsprofis erhalten Know-how in Sachen DV-Sicherheit, und Schmitz steigt zum Millionär auf. Sein Büro in einem Münchener Loft tauscht er gegen eine ganze Etage in einem schicken Büropalast.

Mit diesem Erfolg gibt sich der Computerspezialist jedoch nicht zufrieden. Jetzt verhandelt er mit einer deutschen Bank über den Einstieg bei seiner Monkey AG. Die Firma verspricht, das Bezahlen per Handy einfacher und sicherer zu machen. Mit der Schweizer Großbank UBS ist er nach eigenem Bekunden bereits im Geschäft.

Gleichzeitig treibt Schmitz sein Lieblingsprojekt "Megacar" voran, mit Daimler-Chrysler als Partner. S-Klasse-Limousinen stattet er mit allem aus, was die moderne Kommunikation zu bieten hat. "In dem Wagen können Sie schneller surfen als im Büro", schwärmt der Mann, der selbstverständlich selbst einen Megacar mit 450 PS steuert.

Allerdings: Große Geduld legt er bei seinen Projekten nicht an den Tag. Sobald eines über die Startphase hinaus ist, verliert es für ihn an Reiz. "Ich habe vor allem an neuen Konzepten Spaß", gesteht der Yuppie mit den für Internet-Freaks obligatorischen Ringen unter den Augen. Deshalb hat er die Kimvestor AG gegründet. Sie soll zu einer "Startup-factory" werden, also: Geschäftsideen kreieren, Firmen gründen, mit Wagniskapital ausstatten und beraten. Er ist gerade dabei, zehn Prozent der Aktien über das Internet zu platzieren.

Aber auch für den erfolgreichen Startup-Unternehmer gehen nicht alle Wünsche in Erfüllung. Er konnte zwar Gerrit Huy von Kirch-Pay-TV und den Daimler-Chrysler-Manager Dieter Haban für den Aufsichtsrat der Kimvestor gewinnen.

Andere Führungskräfte aus der Wirtschaft winkten jedoch ab. Vielleicht sind Schmitz? Eskapaden wie der Trip nach Monaco den Managern der Old Economy nicht seriös genug.

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