Der Cowboy nimmt seinen Hut
Bernie Ebbers: Ein Selfmade-Mann kentert

Worldcom-Chef Bernhard Ebbers ist ein Zocker, seine bevorzugte Spielwiese das eigene Unternehmen. Vor zwei Jahren verspekulierte er sich im großen Stil mit Optionswetten auf den Worldcom-Kurs. Die Telekom-Firma griff ihrem Vorsitzenden daraufhin mit einem Kredit von 150 Millionen Dollar unter die Arme.

DÜSSELDORF. Inzwischen steht der 60-jährige gebürtige Kanadier bei seinem Unternehmen mit 375 Millionen Dollar in der Kreide. Das ist jedoch noch nicht alles. Neben privater Verfehlungen sind dem exzentrischen Chef auch strategische Fehler unterlaufen. Analysten fürchten, dass Worldcom mit immensen Abschreibungen zu rechnen hat, da viele Beteiligungen stark an Wert verloren haben. Die Aktie brach von ihrem Allzeithoch 64,5 auf nur 2,35 Dollar ein. Der früherer Starunternehmer seht unter Verdacht, mit Buchführungstricks seine Bilanz geschönt zu haben. Sein einstiges Imperium wird als Übernahmekandidat gehandelt. Der fatale Kursverfall der Worldcom-Aktie und der Druck durch die Wertpapier- und Börsenkommission SEC führten jetzt zu seinem Rücktritt.

Der Mann mit dem riesigen privaten Schuldenberg flog in seinem Heimatstaat Mississippi zweimal vom College. Das Examen schaffte er trotzdem. Danach jobbte er tagsüber als Milchmann und abends als Türsteher. Nebenbei war er Basketballtrainer. Wenig später betrieb er mehrere Motels und gründetet verschiedene Handelsfirmen sowie einen kleinen Telefon-Discounter. Viel später faszinierten ihn Immobilien anderen Kalibers: Für 60 Millionen Dollar kaufte er die größte kanadische Privatranch und eine Yacht mit dem bezeichnenden Namen "Aquasition". Eine Anspielung auf seine Wachstumsstrategie durch Firmen-Aquisitionen. Den Kredit nahm er bei der eigenen Firma auf - zu einem Zinssatz von nur 2,15 Prozent.

In Zeiten des Nasdaq-Booms galt er als der Mega-Tycoon, der das größte Telekommunikations-Unternehmen der USA aufgebaut hatte. In der US-Presse wurde der Lebemann verglichen mit Rockefeller und Carnegie, den Helden der amerikanischen Industriealisierung des 19. Jahrhunderts. Innerhalb von 17 Jahren aquirierte er über 70 Firmen. Sein Imperium umfasste bis zu 77.000 Mitarbeiter. Ein Selfmade-Manager, der ausnahmsweise nicht mit einer Garagenfirma anfing, sondern seinen Businessplan in einem Restaurant auf eine Serviette pinselte - das war 1985. Jetzt hat er Zeit für neue Pläne...

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