Der Demokrat hat wichtige Finanzkonzerne im Rücken
Barack Obama, Darling der Wall Street

340 Millionen Dollar in 18 Monaten: Barack Obama hat eine Spendenmaschinerie in Gang gesetzt, die Amerika so noch nicht gesehen hat. Und der Kandidat der Demokraten wird nicht müde zu betonen, allein ein Heer aus Kleinspendern fülle seine Kriegskasse. Doch tatsächlich ist das ist reine Wahlkampfrhetorik. Auch Obama buhlt bewusst um die großen Konzerne – mit Erfolg.

DÜSSELDORF. Barack Obama liebt das Pathos, die große Geste – auch wenn’s ums Finanzielle geht. „Ich nehme kein Geld von den Lobbyisten in Washington. Ich arbeite nicht für sie“, verkündet Obama in einem Video auf seiner Homepage. „Millionen Dollar kommen von euch, von ganz normalen Leuten. Und nur euch bin ich als Präsident Rechenschaft schuldig.“

Das wirkt. Wie in keinem Wahlkampf zuvor zücken Hausfrauen, Arbeiter, Rentner und Studenten die Checks und füllen mit Kleinspenden die Kriegskasse des Demokraten. Ganz nebenbei verfestigt sich der Eindruck in den Köpfen, der elitäre Jurist mit Harvard-Abschluss lege sein finanzielles Schicksal in die Hände des kleinen Mannes.

Doch Obamas Behauptung, er stütze sich allein auf ein urdemokratisches Heer aus Kleinspendern, ist nicht mehr als Wahlkampfrhetorik. Zwar kommt die Mehrheit der Spenden von Anhängern, die minimale Beträge geben. Obamas spendabelster Finanzier aber ist, siehe da, die Investmentbank Goldman Sachs, mit bisher 627 730 Dollar.

Dahinter rangieren JPMorgan Chase (398 021 Dollar), Citigroup (393 899 Dollar), UBS (378 400 Dollar), Google (373 212 Dollar) und auch Microsoft (276 925 Dollar). Die Liste hat das unabhängige Center for Responsive Politics im Internet unter www.opensecrets.org veröffentlicht. Sie enthüllt: Obama pflegt seine Kontakte in die Wirtschaft genauso, wie er Kleinspender bei seinen Großveranstaltungen animiert.

Eine Analyse von Obamas Spendenzufluss zeigt, dass zwei Drittel seiner Großspenden von Anwälten, Musikproduzenten, IT-Unternehmern, Immobilienmagnaten und Investmentbankern überwiesen werden. Auch ein Barack Obama, der das alte Wahlkampffinanzierungssystem der USA für Bankrott erklärt und sich gerne als König der Kleinspender feiern lässt, verzichtet nicht auf die Millionen-Beträge der Konzerne. Schon letztes Jahr war er Ehrengast bei einem Dinner im luxuriösen Mark Hopkins Hotel in San Francisco, wo ihn Hunderte Konzernchefs, Investoren und Anwälte feierten. Am Ende des Abends kam mehr als eine Million Dollar für ihn zusammen.

Zu Obamas Anhängern gehören Unternehmer wie der Musikproduzent David Geffen oder Jeffrey Katzenberg, Chef des Animationsfilmstudios Dreamworks. Sie alle lassen ordentliche Beträge springen für die Demokraten-Hoffnung. Bis Anfang Juli hat Obama, inklusive Vorwahlkampf, fast 340 Millionen Dollar in 18 Monaten eingesammelt. John McCain erkämpfte sich insgesamt seit seinen Vorwahlkämpfen rund 132 Millionen Dollar an Spenden.

Auch Amerikas Hedge Fonds, die sich professioneller als irgendjemand sonst in der Wirtschaft gegen Risiken absichern, setzten voll auf Obama. Bis Juli erhielt er aus der Branche 822 375 Dollar. Auf das Konto seines republikanischen Konkurrenten John McCain gingen lediglich 348 300 Dollar ein. „Mein Ziel ist nicht, weniger Steuern zu zahlen, sagt William Ackman von Pershing Square Capital Management dazu in einem Reuters-Interview. „Mein Ziel ist die Wahl eines ungeheuer intelligenten und fähigen Mannes.“

Und noch etwas spricht aus Sicht der Branche für Obama: seine Starqualitäten. Viele Hedge-Fonds-Manager, die Veränderungen in einigen der größten US-Fimen durchgesetzt haben, identifizieren sich eher mit dem jungen, dynamischen Emporkömmling als mit dem alten Veteranen McCain. Mit dabei im Obama-Fan-Club ist der Hedgefonds-Milliardär George Soros, der den Demokraten schon bei der letzten Wahl 18 Millionen Dollar gespendet hat. Außerdem hat Obama Paul Tudor Jones II für sich gewinnen können.

Obamas Kasse klingelt und gleichzeitig entwickelt er sich zum echten Wall-Street-Darling". Viele Obama-Unterstützer aus der Finanzbranche haben die Spendenhöchstgrenze von 2300 Dollar pro Person bereits ausgeschöpft. Darunter findet sich eine Eliteclique von mehr als 300 "Bundlers" - Großspender, die je mindestens 50 000 Dollar "gebündelt" an Obama weitergereicht haben.

Republikaner haben das Nachsehen

Die Republikaner haben das Nachsehen. Viele US-Unternehmen begrüßen zwar die Steuersenkungen der Bush-Regierung, verlangen aber dennoch eine stärkere Ausgabendisziplin. Sie sorgen sich über den Irakkrieg, leiden unter der Finanzkrise wollen mehr Hilfe für die betriebliche Sozialversorgung und einen ehrgeizigeren Kampf gegen den Klimawandel.

Und das alles glauben inzwischen auch viele Manager, eher bei den Demokraten als bei den Republikanern zu finden. Selbst Alan Greenspan, legendärer Ex-Notenbankchef und bisher treuer republikanischer Parteigänger, wurde im „Wall Street Journal“ mit den Worten zitiert: "Die republikanische Partei, die so lange Repräsentantenhaus, Senat und die Präsidentschaft bestimmte, erkenne ich nicht wieder.“

Auch beim Spendenaufkommen insgesamt zeigen sich die neuen Präferenzen. Hier liegen die Demokraten inzwischen deutlich vor den Republikanern - und das nicht nur aufgrund vieler Kleinspenden. Die ganze Methode Obama ist ein Erfolgsmodell. "Die ideale Kombination von small und big money", zitiert die New York Times einen Spitzen-Spendeneintreiber des Senators aus Illionois. "Obama hat eine Spendenmaschinerie geschaffen, die Amerika so noch nicht gesehen hat."

Obama will sein Geld nun nutzen, um die Republikaner in allen Bundesstaaten anzugreifen. Auch wenn er in vielen keine Chance auf den Sieg hat, so kann er doch, so das Kalkül, McCain herausfordern und zu Ausgaben zwingen, die er sich auf sicherem republikanischen Terrain gerne geschenkt hätte.

Von Goldman, Google und Hedge-Fonds wird dabei keine Rede sein. Kein Dankeswort an die Millionenspenden der Konzerne wird Obama beim Werben um die Massen über die Lippen kommen. Schließlich verpricht er "aufzuräumen in Washington", "eine neue Art der Politik aufzubauen". Obama, so sollen ihn zumindest die Hausfrauen, Arbeiter, Renter und Studenten sehen, setzt auf "ganz normale Leute", die mal fünf, mal zehn Dollar geben, "was ihr euch auch leisten könnt".

Mitarbeit: Brian Melican

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