Der deutsche Exportmotor stottert

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Der deutsche Exportmotor stottert

Deutschland hat im November erstmals seit gut zweieinhalb Jahren im Vorjahresvergleich weniger exportiert, und Analysten erwarten auch in den nächsten Monaten keine Trendwende im Außenhandel.

rtr FRANKFURT. Sowohl Exporte als auch Importe gingen nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zurück. Wie das Amt am Donnerstag mitteilte, lagen die Exporte im November mit 54,3 Mrd. ? um 4,5 % unter dem Vorjahresmonat und die Importe sanken im Vergleich zum November 2000 um 7,0 % auf 48,5 Mrd. ?. Die Ausfuhren seien im Vorjahresvergleich erstmals seit April 1999 rückläufig gewesen - damals lag das Minus bei 2,6 %. Zwar hätten sich die Stimmungsindikatoren bereits wieder aufgehellt, aber mit einer Trendwende im realwirtschaftlichen Bereich sei kaum vor dem Frühjahr zu rechnen, sagten Analysten.

Weiteren Aufschluss über die Konjunkturentwicklung in Deutschland werden die Daten zur Industrieproduktion im November geben. Analysten rechnen hier mit einem Rückgang um 3,5 % zum Vorjahr nach einem Minus von 3,2 % im Oktober. Im Monatsvergleich sehen sie ein Minus von 0,2 %.

"Die Weltwirtschaft ist noch schwach, vor diesem Hintergrund ist auch der Exportrückgang keine Überraschung", sagte Christoph Hausen, Volkswirt bei der Commerzbank. Er betonte, dass die USA mit einem Exportanteil von nur etwa zehn Prozent weit weniger bedeutend für Deutschland seien als die übrigen Länder der Euro-Zone, die auf einen Anteil von mehr als 40 % kämen. "Gerade in der Euro-Zone ist nicht vor dem Frühjahr mit einer Trendwende zu rechnen, auch wenn Stimmungsindikatoren wie etwa der Reuters-Einkaufsmanagerindex schon wieder eine Besserung signalisieren." Für Deutschland rechnet Hausen wie viele seiner Kollegen erst im zweiten Quartal 2002 wieder mit einem wachsenden Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal. "Das vierte Quartal dürfte negativ werden und im ersten Quartal ist allenfalls eine Stagnation drin." Für 2002 rechnet er mit einem BIP-Wachstum in Deutschland von 0,8 % die nur knapp über seiner Prognose für 2001 von 0,6 % liegt.

Stefan Schneider von der Deutschen Bank Research nahm die Exportdaten gelassen auf. "Der Welthandel war im vergangenen Jahr rückläufig. Davon kann sich Deutschland als Exportnation nicht abkoppeln." Da die Bestellungen aus dem Ausland seit einiger Zeit abgenommen hätten, sei es nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis sich dies in den aktuellen Exportzahlen zeige.

Wie das Bundesfinanzministerium am Dienstag mitgeteilt hatte, sind die Auftragseingänge für November wegen der hohen Auslandsnachfrage überraschend deutlich gestiegen. Analysten sahen in dem Auftragsplus allerdings noch keine konjunkturelle Trendwende, da der Anstieg offenbar auf einzelne Großaufträge im Investitionsgütersektor zurück zu führen sei.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hat sich für November immer noch ein Überschuss in der Handelsbilanz von 5,9 (Oktober 9,0) Mrd. ? ergeben. Die Leistungsbilanz, die unter anderem noch die Salden der Dienstleistungsbilanz (minus 3,3 Mrd. ?) und laufenden Übertragungen (minus 2,7 Mrd. ?) beinhaltet, schloss nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank im November mit einem Überschuss von 0,2 Mrd. ?. Im Oktober hatte der Überschuss noch 4,6 Mrd. ? betragen.

In den ersten elf Monaten seien die deutschen Ausfuhren um 7,5 % auf 588,4 Mrd. ? gestiegen, hieß es weiter. Die Einfuhren hätten zugleich um 4,2 % auf 510,5 Mrd. ? zugelegt. Damit ergebe sich für den Zeitraum Januar bis Ende November ein Plus in der Außenhandelsbilanz von 77,9 Mrd. ? und in der Leistungsbilanz ein Plus von 1,5 Mrd. ?.

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