Der deutsche Markt gilt als gesättigt – Wachstum im Ausland
Der Höhepunkt der Rallye auf die Versicherungskonzerne ist vorbei

Das Kursfeuerwerk bei Versicherungen geht zu Ende. Doch die Strategien einiger Konzerne versprechen noch Kurspotenzial.

sfu DÜSSELDORF. Dem Absturz der Technologiewerte sei Dank: Wie viele Unternehmen der so genannten "Old Economy" haben die Investoren auch die Versicherungskonzerne wieder entdeckt. Mit bis zu 50 % Plus in den vergangenen sechs Monaten schossen die Kurse in die Höhe. Damit, so sind sich die meisten Experten einig, ist aber der vorläufige Höhepunkt der Rallye erreicht.

"Wir bewerten die deutsche Versicherungsbranche mit Underperform", urteilt Frank Stoffel, Analyst bei der WestLB Panmure und rät Anlegern, dem Run auf die Versicherungswerte nicht mehr zu folgen. Das Geschäft der Schadens-Rückversicherer sei ohnehin sehr volatil; ein einziges Erdbeben genüge, um den Kurs ins Wanken zu bringen. Doch in Bezug auf die Prämien, da sind sich die Experten einig, sei der Turnaround mittlerweile erreicht.

Nach verlustreichen Jahren liegen die Margen der Schadens-Unfallversicherer wie der Ergo, der Hannover Rück und der Münchner Rück wieder im Plus. Zukunftsträchtiger erscheine dennoch der Bereich Gesundheit und Leben.

Allerdings sei der deutsche Markt bereits gesättigt. 1999 habe das Wachstum gerade einmal 11,8 % betragen, so Stoffel. Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erklärt, warum: Mehr als zwei Drittel aller Deutschen verfügen bereits über eine Lebensversicherung.

"Als klassische Geldanlage hat die Lebensversicherung zwar noch nicht ausgedient", sagt GfK-Mitarbeiterin Almut Leitner. Doch die Tendenz bei der Altersvorsorge gehe immer stärker in Richtung Fonds.

Nur in die private Rentenversicherung würden die Kunden eventuell noch mehr investieren. Die Entwicklung hänge aber auch davon ab, so Leitner, welche Arten der privaten Altersvorsorge im Zuge der Rentenreform anerkannt würden.

Ohnehin, meint Analyst Stoffel, seien die Zuwächse im Zuge der Rentenreform im Kurs der Versicherungsaktien schon eingepreist. Ähnlich verhalte es sich mit den Gewinnen durch die Steuerreform. Nachdem zu Jahresbeginn bekannt geworden war, dass für Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen in Zukunft keine Steuer mehr anfällt, waren die Kurse von Banken und Versicherungen stark gestiegen.

Chancen für deutsche Versicherungstitel ergäben sich aber durch Entwicklungen im Ausland, sagt Clara Seeger von der UBS Warburg. Vor allem amerikanische Investoren seien auf deutsche Versicherungen aus, da sie nach Alternativen zu ihrer Übergewichtung in der Allianz suchten, meint die Analystin.

Vorteile erhielten Unternehmen auch, wenn sie sich im Bereich Lebensversicherung in Richtung Italien orientierten. Denn dort seien Beiträge zu Lebensversicherungen ab 2001 in wesentlich größerem Umfang steuerlich absetzbar.

"Viel versprechend sind auch Versicherer", meint Seeger, "die eine breite Produktpalette von der Unfallversicherung bis zum Asset-Management anbieten und den Kunden somit dauerhaft an das Unternehmen binden können."

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