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Der Dow Jones fährt Achterbahn, die Nasdaq bläst Trübsal

Was für eine Woche für den Dow: Am Dienstag ging?s dreistellig runter, am Mittwoch dreistellig rauf, am Donnerstag wieder dreistellig runter ... mal setzen sich Schnäppchenjäger durch, dann überwiegt das große Misstrauen in den Markt. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 106 Punkten oder 1,1 Prozent auf 9834 Punkten, die Nasdaq brach erneut um 60 Punkte oder 3,3 Prozent auf 1716 Punkte ein.

Während der Dow Jones am Donnerstag fast den ganzen Tag über in positivem Terrain handelte und einmal mehr sogar an der 10.000-Punkte-Marke knabberte, machen sich Analysten Sorgen um die beiden anderen großen Indizes, die ihre Unterstützungslinien erreicht haben. Der S&P 500 notiert punktgenau auf der kritischen Marke von 1830 Zählern, die Nasdaq hat ihre Grenze von 1730 Punkten unterschritten. Analysten erwarten, dass es nun in großem Stil weiter bergab gehen könnte, einzelne Händler reden bereits von einem bevorstehenden Crash.

Noch am Morgen hatte es nicht nach größeren Verlusten ausgesehen. Der Donnerstag hatte mit guten Nachrichten auf dem konjunkturellen Umfeld begonnen. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung liegt stabil unter der kritischen Grenze von 400.000. Das Handelsdefizit ist zurückgegangen und beträgt nur noch 25 Milliarden Dollar, die Wall Street hatte mit 28 Milliarden Dollar gerechnet. Der Index der "führenden Indikatoren" ist im Januar um 0,6 Prozent gestiegen und verheißt einen Aufschwung, und die Philadelphia Fed, eine der maßgeblichen Filialen der Notenbank, sieht die gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten in den USA und die Zahl der Fabrikbestellungen steigend.

Doch am späten Nachmittag waren es erstmals nach langer Zeit wieder Nachrichten aus dem politischen und militärischen Umfeld, die für Aufregung sorgten. Eine japanische Zeitung hatte berichtet, amerikanische Spezialeinheiten seien im Irak gelandet. Das wird vom US-Verteidigungsministerium zwar dementiert, doch gibt das Pentagon bekannt, dass man 5 Millionen Barrel Flugbenzin für die Standorte im Mittleren Osten kaufe. Außerdem wollen Broker erfahren haben, dass die Lieferung von 100.000 Tonnen Treibstoff zu Standorten in den Indischen Ozean vorbereitet werde.

Der Markt reagiert konsequent auf die Nachrichten, im Dow verbesserten sich nur noch einige zyklische Werte. DuPont, Alcoa, Boeing, Caterpillar, Exxon und General Electric schlossen im Plus. General Electric profitierte von einem Kommentar der Analysten von Goldman Sachs. Die nennen GE "die beste Aktie für 2002". Man könne davon ausgehen, dass der Dow Jones Wert ein Ertragswachstum von 18 bis 19 Prozent in diesem und 13 Prozent im kommenden Jahr erzielen werde. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, seien die Prognosen des Managements realistisch, ferner habe die Aktie das niedrigste Bewertungsniveau seit fünf Jahren erreicht.

Fast ins Plus schaffte es auch das Papier von Philip Morris , das letztlich schwach behauptet schloss. Der Genussmittelriese hat die Gewinnerwartungen für 2002 bestätigt; das Unternehmen geht davon aus, ein Gewinnwachstum zwischen 9 und 11 Prozent und damit ein Anteilsplus von 4,81 Dollar erreichen zu können.

Auf der Verliererseite schlossen - wenig überraschend - die Aktien der Tech-Unternehmen. Microsoft und IBM verloren jeweils 3 Prozent, die Aktie von Intel gab 6 Prozent ab. Die Analysten der Bank of America haben die Gewinnerwartungen für den Chip-Giganten von 69 auf 65 Cent pro Aktie gesenkt. Laut einer Umfrage sehen die Hersteller von Motherboards, dem Herzstück jeden Computers, eine rasche Erholung des Marktes nicht mehr so klar wie noch vor Wochen.

Mit Intel fand sich der ganze Chipsektor auf dem absteigenden Ast. Der Branchenindex SOX verlor 6,7 Prozent, zu den schwächsten Performern gehören die Aktien von Applied Materials, Altera, Xilinx und Applied Micro Devices sowie der Bereich der Speicherchips um Emulex und Brocade.

Auch nicht besser sieht es bei den Unternehmen der Netzwerk- und Telekommunikationsbranchen aus. Der Netzwerk-Gigant Ciena hatte am Morgen den größten Quartalsverlust der Firmengeschichte gemeldet. Eine Trendwende sieht man nicht: Für das laufende Quartal spricht das Management erneut eine Warnung aus, für 2002 will man keine Prognosen geben. Ciena verlor 12 Prozent, Branchenkollege Juniper Networks gab 5 Prozent ab.

Ein Minus von 10 Prozent muss Cisco einstecken, doch ist die allgemeine Netzwerk-Schwäche nur noch ein Grund dafür. Vielmehr sind Investoren nach Enthüllungen der New York Post verunsichert. Die Zeitung schreibt, 12 Manager seien in undurchsichtige Geschäfte verwickelt. Sie besaßen möglicherweise Anteile an Partnergesellschaften, die durch ihre engen Bande zu Cisco in den 90er Jahren kräftig profitieren konnten. Die Finanzgeschäfte tauchen in den Büchern von Cisco nicht auf. Diese Methoden erinnern mehr und mehr an die fragwürdigen Praktiken des Enron-Managements.

Nach dem Downgrade vom Vortag ging es auch für AOL Time Warner weiter bergab. Janus Capital, einer der größten Anteilseigner, hat größere Aktienpakete abgestoßen, wie das Wall Street Journal aufdeckt. Nach außen hätten sich die Fondmanager von Janus stets positiv über die Medien- und Entertainment-Aktie geäußert, daher überrasche es umso mehr, dass das Unternehmen in den letzten Monaten 25 Prozent seiner 25 Millionen Dollar schweren Anteile verkaufte habe. AOL verlor 5 Prozent.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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