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Der Duft des Geldes - warum niemand Cisco mag

Geld, behauptete einst Kaiser Vespasian, stinke nicht. Für 50 Mark verkaufen Geschäfte den Gegenbeweis.

Druckerschwärze, Metall, Papier und einen Hauch Reinigungsmittel identifizierten Experten im Duftlabor. Sie komponierten aus diesen Ingredienzien den Duft "Cash". Der Hersteller spielt nicht nur mit Klischees, offeriert einen Luxus im eigentlichen Sinne, also ein Gut, das tatsächlich fast schon ohne Funktion auskommt. Nur ein Gag? Nein, ein Grundbedürfnis schwingt da mit, das viele High-Tech-Firmen in den vergangenen Monaten vernachlässigt haben.

Auch Investoren sind dankbar für jeden Versuch, nicht nur die Ratio zu fordern. Zugeben würden sie das möglicherweise nicht ohne weiteres. Aber Unternehmen, die sich darauf beschränkt haben, unsere Vernunft ansprechen, sind im Nachteil, wenn sie uns auf dieser Ebene nicht mehr erreichen. Nach verfehlten Gewinnprognosen bleibt der emotionale Restgehalt zurück, und der ist bisweilen kümmerlich.

Wer also baut die Brücken zu unseren Sinnen mit Erfolg? Leicht haben es naturgemäß diejenigen, deren Güter fassbar sind, die Unternehmen, die Spuren hinterlassen. Die Geschichte der Eisenbahnen, die einem Kontinent den Weg in die Moderne bahnten, der Glanz der Transportgesellschaften, er spiegelt sich auch in prächtig gestalteten Wertpapieren. Grandios war ihr Aufstieg, spektakulär ihr Niedergang.

Auch die Gründeraktie der Allianz , die heute wieder im Blickpunkt steht, stammt noch aus einer Zeit, in der die Aktionäre mit dem Unternehmen mehr verband als ein Warten auf die nächsten Quartalszahlen.

Jeder Waschmittelproduzent verkauft neben Sauberkeit und Frische auch Lebensgefühle. Gerade die IT-Unternehmen haben offenbar geglaubt, die Kunden und Anleger mit einer Mischung aus Technikbegeisterung und Produktinformation dauerhaft begeistern zu können. Wer mag Cisco und warum? Auch auf diese Frage muss ein Unternehmen Antworten finden.

Diese Woche können nostalgische Anleger ausgerechnet an der Nasdaq noch in Gedanken schwelgen: Wie seit zwei Jahrhunderten werden die Wertpapiere in Bruchzahlen notiert. Ganz wie früher, als der Wertzuwachs noch anteilig aus Goldstücken gekratzt wurde. Eine Woche noch. Vom 9. April an wird auch die Technologiebörse auf das Dezimalsystem umschwenken. Wieder eine Brücke weniger.

Geht es Ihnen ählich?
Schreiben Sie an: j.ohlendorf@vhb.de

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