Der DWS-Fondsmanager ist einer der mächtigsten Männer der Branche
Der Aktienguru im Schatten der Baisse

Im Frühjahr 2000 war er gefeierter Star bei DWS. Jetzt macht die Baisse Klaus Kaldemorgen zu schaffen. Doch um eigene Fehler und die seines Teams redet er nicht lange herum.

FRANKFURT. Damals war die Welt noch in Ordnung: Der berühmte Vermögensbildungsfonds I von Klaus Kaldemorgen startete im Januar 1999 zu einem sensationellen Höhenflug und legte bis August 2000 um über 140 Prozent zu. Kaldemorgen, heute Leiter des Aktienfondsmanagements der Deutschen-Bank-Tochter DWS, ist einer der mächtigsten Männer der Fondsbranche in Deutschland.

Aber jetzt herrscht Baisse, die auch ein gefeierter Star zu spüren bekommt. Mit der Verantwortung für rund 40 Milliarden Euro ist er ein wichtiger Spieler am Finanzmarkt geworden - und sein berühmtester Fonds ist von Jahresanfang bis heute um 22 Prozent abgerutscht.

Beschwerden enttäuschter Anleger bleiben nicht aus. "Die Kritik muss man einstecken", sagt der schlanke Banker mit dunkelblauem Anzug und wagemutig rot-lila-blau-weiß gestreifter Krawatte. Seinem Beruf sei in den neunziger Jahren eine Wertschätzung zuteil geworden, die er so nicht verdient habe: "Wir konnten ja nichts für die steigenden Kurse - und jetzt kommt die Strafe."

Ehrlich währt am längsten

Um überzeugend zu wirken, könne er nur die Lage ehrlich darstellen, sagt der Mann, dem sogar die Konkurrenz wegen "guter Performance und sehr solider Arbeit" hohen Respekt zollt. Kaldemorgen, der wie selbstverständlich im Großraumbüro mit seinen Mitarbeitern sitzt, ist ein Mensch, der nicht lange um seine Fehler herumredet. Zu Jahresbeginn hatten er und sein Team damit gerechnet, dass sich die wirtschaftliche Lage bessern würde. Strukturelle Schwierigkeiten in einigen Branchen wie bei Enron oder Worldcom hatten sie nicht erwartet, gibt der 48-Jährige in seiner ruhigen, sachlichen Art zu.

Dabei redet er gleichermaßen von Teamwork, ob es nun um Fehleinschätzungen oder Erfolge geht. Nicht umsonst hat sich bis zu seinen Wettbewerbern herumgesprochen, dass mit ihm als Chef gut Kirschen essen ist - solange die Leistung stimmt, versteht sich.

Auch Kaldemorgen selbst fühlt sich bei seiner Arbeit offensichtlich wohl: Nach dem Abschluss seines Volkswirtschafsstudiums trat er in die DWS ein und blieb ihr bis heute treu. Die hohe Kontinuität in Kollegenkreis und Geschäftsführung habe ihn gehalten, sagt der Fondsmanager, der privat ebenso bodenständig ist und Althergebrachtes schätzt. Er liebt die Musik, mit der er groß geworden ist: Eagles und Eric Clapton - "eben alles, was noch mit der Hand gemacht ist".

Flexibilität ist sein Erfolgsrezept

Auch in Hausse-Zeiten hat es ihn nicht gereizt, sich - wie etwa seine Ex-Kollegin Elisabeth Weisenhorn - selbstständig zu machen. Schon deswegen, weil er keine Lust hatte, den Vertrieb zu organisieren. "Außerdem sind die Fähigkeiten dazu nicht bei allen Fondsmanagern gleich gut", deutet er eigene Grenzen an. Wichtig ist ihm, weiterhin für die Performance seiner Fonds die Verantwortung zu tragen.

Um an der Börse wieder Erfolg zu haben, setzt er auf sein Erfolgsrezept aus früheren Jahren: Flexibilität. "Es kommt darauf an, für neue Strömungen an der Börse offen zu sein", sagt der gebürtige Essener, der auch privat gerne auf Entdeckungstour geht. Mit seiner Harley fährt er durch die USA oder Osteuropa - so manches Mal auch mit seiner Frau auf dem Sozius.

Anders als viele seiner Kollegen aus der Branche hat sich Kaldemorgen nie ausschließlich zu Wachstumsaktien oder zu Substanzwerten bekannt. In den neunziger Jahren setzte er auf Technologietitel, jetzt zählt für ihn nur Substanz - schließlich seien keine Visionen mehr gefragt, sondern Gewinne in der Gegenwart. Seine Favoriten müssen eine gute Dividendenrendite bringen, wie die Deutsche Post, VW oder BASF.

Beruf und Privatleben sind zwei Paar Schuhe

Der Fondsprofi besteht aber darauf, keine Tipps zu einzelnen Aktien zu geben. Da ist er ein gebranntes Kind: Als er zur DWS gekommen sei, hätten ihn ehemalige Kommilitonen gefragt, welche Aktien sie kaufen sollten. "Ich sagte, PanAm sei ganz gut, die gingen dann später Pleite", sagt er und kann über den eigenen Fehlschlag lachen. "Seitdem halte ich mich aus Tipps heraus."

Ebenso gehört es nicht zu seinen Aufgaben, die beruflich verfolgte Anlagestrategie privat umzusetzen. Prompt setzt Kaldemorgen bei den eigenen Finanzen mittlerweile stark auf Festverzinsliche. Geldanlage sei eine Altersfrage, schmunzelt er. Allerdings hält er auch Aktien, wobei er da in der Auswahl sehr konservativ sei. Er bevorzugt Titel mit hohen Dividenden, die er zurzeit ja auch als Fondsmanager favorisiert.

Für seine drei- und sechsjährigen Töchter Jenny und Nina hat er Sparpläne für seinen Vermögensbildungsfonds I abgeschlossen. Das ist ein Zeichen des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten - und in die Börse.

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