Der Easyjet-Chef ist ein großer Subventionsgegner
Stelios Haji-Ioannou: Der freche Senkrechtstarter

In kurzer Zeit hat der griechische Reedersohn die Billigfluglinie aus dem Boden gestampft. Jetzt will Stelios Haji-Ioannou die Kreditkartenbranche aufmischen.

Dieser Mann lebt seine Geschäftsideen. Locker, zwanglos, unkompliziert. So wie man bei Easyjet einen Flug buchen oder bei Easyrentacar ein Auto mieten kann, so einfach empfängt Stelios Haji-Ioannou seine Gäste. Es gibt kein Büro mit Ledersesseln, keine Sekretärin und auch keinen Warteraum mit Designermöbeln. Der Gründer und Chef der Easygroup bittet zum Interview einfach ins quirlige Internet-Café von Easyeverything an der Londoner Tottenham Court Road.

"Mal sehen, wo was frei ist", sagt er und schlendert durch die engen Gassen der Computertische - so wie im Easyjet-Flieger nach Athen. Denn bei seiner Billigfluglinie gib es auch keine Platzreservierung. Im Internet-Café räumt Milliardär Stelios sogar noch eigenhändig den Ikea-Resopaltisch ab, stopft leere Kaffeebecher und Schoko-Schachteln in den Mülleimer.

Chef ohne Allüren

Der 35-Jährige, der sich wegen seines Zungenbrecher-Nachnamens nur mit Stelios anreden lässt, gibt sich gern als Chef ohne Allüren. Umgeben von Popmusik, Popcorn und Horden jugendlicher Surfer lehrt er dann die Grundzüge des Kapitalismus. "Der Markt hat zu entscheiden", sagt er. Dabei klopft er mit seinen Fingern zur Bekräftigung auf die Tischplatte. "Nur wenn Du den Leuten etwas umsonst gibst, lieben sie Dich!" lautet ein anderer Grundsatz. Oder: "Du kannst den Markt nur stimulieren, wenn Du Preise senkst."

Mit diesen Waffen hat Stelios viele Kunden gewonnen und viele Konkurrenten das Fürchten gelehrt - nicht nur am Himmel, wo das inzwischen börsennotierte Unternehmen Easyjet nach der irischen Ryanair die zweitgrößte Billig-Airline in Europa ist. Easyrentacar vermietet europaweit günstig Autos und ist auf Expansionskurs. Im Internet bieten Easy.com einen kostenlosen E-Mail-Dienst und Easyvalue Preisvergleiche online. Easyeverything nennt sich mit 1,6 Millionen Surfern monatlich "die weltweit größte Kette an Internet-Cafés" mit Filialen in Paris, Berlin, München und New York.

Gebühren, Steurn und Subventionen sind ihm ein Dorn im Auge

Als ehemaligem Studenten der London School of Economics und der City University Business School sind ihm Subventionen ebenso ein Graus wie Steuern. Vor allem die Flughafengebühr, die jedes Ticket verteuert, ärgert ihn schon lange. "Es ist grausam, dass wir diese Steuer haben", wettert Stelios und zerrt an dem dunkelblauen Sakko, dass seinen rundlichen Körper umspannt. Seine Forderung: "Gebt den Kunden das Geld zurück !" Wie sein Vorbild Richard Branson schlüpft Stelios ebenso gern und geschickt in die Rolle des Robin Hood im Kampf für die Verbraucher. Und wie Virgin-Chef Branson setzt auch der Easyjet-Chef auf ungewöhnliche PR-Aktionen.

Etwa beim ersten Flug der Go Airline. Sie ist die Billigtochter von British Airways, die Easyjet 1996 übernehmen wollte, aber scheiterte. Stelios, bekannt für seinen Hang zu kindischen Späßen, buchte mehrere Reihen im Go-Jungfernflug. So saßen seine Mitarbeiter in knallorangenen Easyjet-Jacken in der Maschine, in der Go-Chefin Barbara Cassani die ersten Gäste persönlich begrüßte. "Als sie mich und meine Leute sah, blieb ihr einfach die Sprache weg", ulkt Stelios heute.

Internet-Vertrieb als Schlüssel zum Erfolg

Allerdings konnte der wortgewandte und charmante Subventionsgegner seine Easygroup ebenfalls nur mit externer Hilfe starten. Fünf Millionen englische Pfund (15 Millionen Mark) kamen vom Papa, einem reichen griechischen Reeder. "Ich hätte den ganzen Tag auf meiner Jacht liegen können", beschreibt Stelios seine Herkunft. "Aber ich wollte nicht länger der reiche Reeder-Sohn sein." Das hat er heute nicht mehr nötig: Seine Ideen, nicht die Familie, haben ihn reich gemacht. Stelios gehört mit einem Vermögen von rund 900 Millionen Pfund zu den ganz Reichen in Europa.

Zum Schlüssel für seinen Erfolg wurde letztlich der Verkauf über das Internet. Der Manager, der seinen Mitarbeitern das papierlose Büro verordnet, lenkt seine Easygroup selbst von einem Handy aus. Es zeigt ihm jederzeit, wie viel Sitze in den Easyjet-Fliegern verkauft und ob die Maschinen pünktlich sind. Der ledige Manager mit Wohnsitz Monaco und Firmensitz London ist so total flexibel.

Und seine neueste Geschäftsidee? Bei der Frage tanzen die dicken, buschigen Augenbrauen vor Freude unter dem krausen Haarschopf. Er knallt eine Kreditkarte auf den Tisch. Easymoney biete eine ganz auf persönliche Wünsche abgestimmte Kreditkarte. "Ich habe Fliegen billiger gemacht, die Preise bei den Autovermietungen und beim Internetzugang gesenkt - jetzt mache ich Geld billig", sagt Stelios.

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