Der ehemalige Disney-Manager Paul Pressler steht seit September an der Konzernspitze
Gap hat den Umschwung geschafft

Die Läden der größten amerikanischen Kleidungskette Gap Inc. füllen sich wieder. Die Rückkehr zu den Basics in der Auswahl der Kleidung, bessere Qualität und eine neue Werbekampagne finden Anklang bei den Kunden. Auch das jüngste Quartalsergebnis bestätigte, dass das Unternehmen mit Sitz in San Francisco den Umschwung geschafft hat.

NEW YORK. Nach fast zwei Jahrzehnten steter Expansion war das Geschäft von Gap, zu dem auch die Läden von Banana Republic und Old Navy gehören, vor drei Jahren ins Stocken geraten. Die traditionellen Kunden fanden sich nicht mehr in den wilden Farben und Schnitten wieder, mit denen die Designer experimentierten. Zudem wurden immer mehr Klagen laut, dass die Qualität nachgelassen hat und viele Stücke höchstens einen Waschgang überlebten.

Um die Kleidungs-Kette umzukrempeln und wieder auf Erfolgskurs zu bringen, hat das Unternehmen im September einen neuen Chef ernannt: Der ehemalige Disney-Manager Paul Pressler ersetzte Millard Drexler, der das Unternehmen zwei Jahrzehnte lang geführt hatte. Bisher ist die neue Geschäftsführung eine Erfolgsgeschichte: Seit der 46-jährige Pressler das Ruder übernommen hat, legte die Aktie um knapp 40% zu. Im vergangenen Quartal hat Gap seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr verfünffacht. Er lag bei 202 Mill.$. Der Umsatz stieg 16% auf 3,4 Mrd.$.

Damit konnte sich die Kette gegen den allgemeinen Trend im Einzelhandel durchsetzen. Die meisten Läden stöhnen unter sinkenden Umsätzen, da auch den Amerikanern wegen der schlechten Wirtschaftslage die Lust am Shoppen vergangen ist. Sie versuchen die Kunden noch stärker als ohnehin schon üblich in den USA mit Sonderangeboten zu locken. Das jedoch drückt wiederum die Gewinnmargen. Gap war die glorreiche Ausnahme und konnte im vergangenen Quartal in seinen 4241 Läden mehr Verkäufe zum vollen Preis verzeichnen können als zuvor. "Eine starke Produktauswahl mit mehr markentypischen Stilen und Farben-Paletten, effektiveres Marketing und ein besserer Service in unseren Läden hat uns klar geholfen und zu qualitativ guten Ergebnissen geführt", erklärte Pressler anlässlich der Quartalszahlen.

Die Kleiderauswahl kommt auch bei den Analysten gut an: "Sie haben einen sehr guten Modenerv getroffen", sagt Kurt Barnard, Analyst und Leiter der Fachzeitschrift Barnard?s Retail Trend Report. "Wir glauben, dass Gap?s Rückkehr zu dem einfachen Grund-Stil viele Kunden zurückgewonnen hat", schreibt auch Jennifer Black von der Bank Wells Fargo in ihrer Studie.

Mit rosa Hosen für Männer und Miniröcken, als alle Welt Knielänge trug hatten die Läden viele Kunden vergrault. Heute finden sie hingegen wieder klassischere Schnitte und Farben in den Läden der verschiedenen Marken. Dabei deckt Old Navy die untere Preisklasse ab. Banana Republic sorgt für den gepflegten Büro-Look. Und Gap, das sich wieder auf die klassischen, bei den Amerikanern beliebten Khaki-Hosen und einfache T-Shirts und Pullover für die Freizeit konzentriert, liegt dazwischen.

Die Kleiderkette hat im vergangenen Quartal weitere 13 Läden eröffnet und damit die Verkaufsfläche um 1% vergrößert. Aber für das gesamte Jahr hält Gap-Chef Pressler an dem Plan fest, die Quadratmeterfläche um 2% zu reduzieren. Die Aktie von Gap reagierte am Freitag trotz der guten Nachrichten aus San Francisco negativ. Grund dafür ist zum einen, dass die Börse die guten Nahrichten bereits vorweg genommen und den Kurs schon im Vorfeld nach oben getrieben hat. Zum anderen warnen Marktbeobachter, dass es nun schwieriger wird, das Ergebnis weiter zu verbessern. Denn die Zahlen, mit denen sich Gap in Zukunft messen muss, sind schon jetzt sehr gut.

Quelle: Handelsblatt

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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