Der Einfallsreichtum mancher Anbieter ist enorm
Handy-Tricks: Ausgefeilt und unverschämt

"Ich bin immer wieder über den ernormen Einfallsreichtum der Anbieter erstaunt", sagt Carola Elbrecht, Juristin beim Bundesverband der Verbraucherschützer, "die allerneuesten Handy-Tricks sind wirklich raffiniert."

kel DÜSSELDORF. Tatsächlich werden die Maschen einiger Anbieter von 0190-Nummern immer ausgefeilter und unverschämter. Der "Anruf in Abwesenheit" ist mittlerweile ja schon gar nichts Neues mehr: Auf dem Display steht eine unbekannte Nummer. Wer seine Neugier nicht unterdrücken kann, ruft zurück und landet z.B. bei einer teuren Sex-Hotline. Immerhin weiß der Anrufer dann im Regelfall, dass er es mit einer Service-Nummer zu tun hat. Mittlerweile reizen die ganz abgebrühten Anbieter die Neugier ihrer Opfer aber noch weiter aus. Wer die unbekannte Nummer zurückruft, hört plötzlich das vermeintliche Telefongespräch zweier Unbekannter. In Wirklichkeit aber: eine 0190-Nummer und Geplauder vom Band. Kann der Rückrufer das Lauschen nicht lassen, handelt er sich eine saftige Telefonrechnung ein.

"Das ist ganz klar Täuschung des Anrufers", ärgert sich Verbraucherjuristin Elbrecht. Der Kunde müsste die Rechnung eigentlich nicht zahlen. Trotz der eindeutigen Rechtslage sei es jedoch fast unmöglich, einen Anspruch geltend zu machen. Schließlich ließen sich die Nummern beliebig weiter vermieten, was zu einer unüberschaubaren Vielfalt von Anbietern führe. Und wer letztendlich hinter der Sauerei stecke, sei kaum mehr nachzuvollziehen.

Eine weitere unseriöse Masche der Handy-Abzocker ist der "Freizeichen-Trick". Nach der Anwahl einer unbekannten Nummer hört der Neugierige lediglich ein Tuten. Er wartet und wartet. Und seine Rechnung wird höher und höher. Denn am anderen Ende der Leitung wird nur ein Tonband abgespielt. Nicht viel besser ist die "Tarnungs-Strategie". Der Anbieter verpackt die Nummer einfach mit der internationalen Vorwahl Deutschlands. Und schon ist nicht mehr sofort erkennbar, dass es sich um eine 0190-Kombination handelt. Auch mit SMS wird heftig getrickst. Die Handybesitzer werden mit Gewinnversprechen, vermeintlichen Flirt-Nachrichten oder Sex-Versprechen zu einem Anruf verleitet.

"Wir hoffen, dass bald die nötigen gesetzlichen Regelungen geschaffen werden", sagt Elbrecht. Die Verbraucherschützer setzen auf eine weitreichende Revision des Telekommunikationsgesetzes, die für September geplant ist. "Es muss unbedingt transparent werden, von wem die Nummer eigentlich kommt", fordert Elbrecht. Außerdem seien dringend Sanktionsmöglichkeiten nötig. Zuständig für die Vergabe von 0190-Nummern ist die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP). Gesetzliche Möglichkeiten, den Missbrauch von 0190-Nummern zu ahnden, hat die Behörde aber nicht.

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