Der Einkauf via Internet ist mit hohen Risiken verbunden
Es gibt zu viele Prüfsiegel für E-Shops

Gütesiegel für Internetshops sollten Vertrauen schaffen. Doch die Vielfalt der Anbieter und die unterschiedlichen Bewertungskriterien bewirken genau das Gegenteil: Sie verwirren die Kunden.

DÜSSELDORF. Umfragen unter Internetnutzern lassen vermuten, dass viele Geschäftsabschlüsse in Onlineshops nicht zustande kommen, weil die potenziellen Kunden zu wenig Vertrauen in den Online-Anbieter und die Zahlung via Internet haben. "Für den Verbraucher ist der Kauf im Internet immer noch mit hohen Risiken verbunden", erläutert Alfred Töpper, Spezialist für E-Commerce bei der Stiftung Warentest in Berlin, das Problem. "Oft weiß der Kunde nicht, mit wem er es zu tun hat, weil die Angaben über die Firma, ihren Sitz und ihre Rechtsform gar nicht oder nur an versteckter Stelle zu finden sind."

Darüber hinaus würden sensible Kundendaten oft sorglos behandelt, und letztlich sei nicht sicher, ob der Kunde das gekaufte und bezahlte Produkt tatsächlich erhält. Dem wollen die Anbieter von Gütesiegeln für Onlineshops entgegensteuern. Sie untersuchen die Shops im Internet und erteilen entsprechende Zertifikate. Das Gütesiegel soll dem Kunden die Gewissheit geben, dass er es mit einem zuverlässigen und auf Datensicherheit bedachten Geschäftspartner zu tun hat. So weit so gut. Das Problem ist nur, "dass es inzwischen allein in Deutschland 15 verschiedene E-Commerce-Prüfsiegel gibt", sagt Töpper. "Das schafft mehr Verwirrung als Vertrauen."

Die Stiftung Warentest hat sich die verschiedenen Siegel genauer angesehen und festgestellt, dass die Prüfkriterien sehr unterschiedlich sind. "Die einen untersuchen das Geschäftsgebaren sehr genau, während andere Zertifizierungsanbieter sehr lasche Regeln anwenden", verdeutlicht Töpper die Bandbreite. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse soll bis Mitte Oktober auf der Warentest-Homepage veröffentlicht werden.

Um dem Prüfsiegel die notwendige Glaubwürdigkeit zu verleihen, ist es notwendig, dass sich die Anbieter auf einen einheitlichen Prüfstandard einigen. Nur so wird die Transparenz im E-Shopping erreicht, die von allen Beteiligten angestrebt wird. Instrumente für einen vertrauensvollen und sicheren Internethandel gibt es inzwischen genug. "Sie werden aber noch zu selten genutzt", betont Hartmut Isselhorst vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn. So wurde ein Standard für den sicheren Datenverkehr entwickelt, der so genannte IT-Grundschutz, der als Basis für eine Zertifizierung genutzt werden kann.

Doch die Datensicherheit ist nur ein Aspekt. Ebenso wichtig sind Lösungen für das sichere Bezahlen über Internet. Auch dafür gibt es inzwischen eine Flut von Lösungen. "Die meisten Ansätze sind zwar technisch ausgereift, aber unterschiedlich gut zu handhaben", kommentiert Töpper. Ein anderes Problem ist, dass Lösungen, die günstig für den Kunden sind, oft negative Auswirkungen für den Händler haben - und umgekehrt.

Zwei Bezahlsysteme sind gängig

In der Praxis haben sich zurzeit zwei Bezahlarten durchgesetzt: Nachnahme und Kreditkarte. Das Bezahlen per Nachnahme bietet den größten Schutz für Kunden und Shopbetreiber. Die Bezahlung mit Kreditkarte hat den Nachteil, dass der Kunde bezahlt, bevor er die Ware erhält; das Risiko trägt aber zum größten Teil das Kreditkarteninstitut. Da die Betrugsfälle in den letzten Monaten deutlich zugenommen haben, sind diese an einer schnellen Lösung für das elektronische Bezahlen interessiert. "Diese Bezahlsysteme müssen jedoch praktikabel sein und vor allem von den Kunden angenommen werden", weist der Experte von der Stiftung Warentest auf eine Schwierigkeit hin, die eine Einigung der Kreditkarteninstitute mit den Betreibern der E-Shops bislang verhindert hat.

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