Der Ernüchterungsprozess
Großer Abstand, kleine Hoffnung

Selbst die Chance, an einem Wallfahrtsort mentale Stärkung zu erfahren, ist vertan. "An Wunder zu glauben, fällt schwer, Lourdes liegt schon hinter uns", sagte Jan Ullrichs Betreuer Rudy Pevenage am Samstag nach Lance Armstrongs Etappensieg auf dem 1780 Meter hoch gelegenen Plateau de Beille. Und ein Wunder bräuchte Ullrich, um noch eine Chance auf den Sieg bei der Tour de France zu haben. Erneut war der Deutsche von dem US-Amerikaner deklassiert worden, der zum sechsten Mal in Folge die Tour gewinnen will.

HB NIMES. Ullrich hat ernüchternde Stunden im Sattel hinter sich. 55 Sekunden Rückstand hatte er beim Start zur ersten Pyrenäenetappe am Freitagmorgen gehabt. Am Abend bei der Bergankunft in La Mognie hatte ihm Armstrong weitere zweieinhalb Minuten abgenommen. Und am Samstag war Armstrongs Vorsprung auf 6:39 Minuten gewachsen. Dabei blieb es gestern nach der Flachetappe über 192,5 Kilometer von Carcassonne nach Nimes, die Aitor Gonzalez im Alleingang für sich entschied. Ullrich und Armstrong kamen mit dem Hauptfeld an. Das Gelbe Trikot trägt weiterhin der Franzose Thomas Voeckler. Er liegt 22 Sekunden vor Armstrong.

Ullrichs Abstand wird größer, die Hoffnung kleiner. Die Pyrenäen- Gipfel brachten die bittere Erkenntnis: Armstrong ist für Ullrich unüberwindbar. Der Deutsche kämpft gegen die Resignation und gegen schwere Beine. Am Samstag quälte er sich alleine die 16 Kilometer zum Plateau de Beille hinauf, abgehängt und ohne Helfer. Weiter oben, in für ihn unerreichbaren Höhen, fighteten derweil Armstrong und dessen neuer Herausforderer Ivan Basso vom dänischen CSC-Team um den Etappen- und den Tour-Sieg. Davon spricht Ullrich schon gar nicht mehr. "Ich hoffe, dass ich in den Alpen erfolgreicher bin und dort meine gute Form zeigen kann. Wenn ich gesund nach Paris komme, ist vielleicht noch ein Platz unter den ersten drei drin", sagte er.

Dabei hatte er sich Chancen ausgerechnet gegen Armstrong. Ullrich hatte im Juni die Tour de Suisse gewonnen, Armstrong hingegen war bei der Fernfahrt Dauphiné Libéré vor wenigen Wochen in den Bergen eingebrochen. Nun ist es Ullrich, der in den Bergen ohne Chance ist.

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