Der Euro fällt weiter
Schweigen ist Gold

Die Kritik an der Europäischen Zentralbank (EZB) gründet in ihrer Kommunikationspolitik: Mal werfen die Akteure an den Märkten der EZB zu wenig Information vor - wie im Fall der Korrektur des Geldmengenwachstums M3. Mal wieder wird zu viel Gerede moniert. Letzteren Vorwurf müssen sich aktuell EZB-Präsident Wim Duisenberg und der Präsident der österreichischen Nationalbank, Klaus Liebscher, gefallen lassen. Ihre Äußerungen, der Wechselkurs des Euros stelle derzeit keine Inflationsgefahr dar, hat die Devisenhändler alarmiert: Keine Intervention in Sicht, raus aus dem Euro! Schon rutscht der Außenwert der Währung um einen halben US-Cent unter die Marke von 85 US-Cent ab.

In der hektischen Reaktion der Märkte spiegelt sich zu einem gehörigen Maß Ignoranz gegenüber Fakten wider. In Zeiten, in denen Zinserhöhungen in Euro-Land nicht anstehen, verpuffen Interventionen wirkungslos. Dennoch haben in den vergangenen Tagen allein Gerüchte über ein Eingreifen der EZB den Euro vor weiteren Tiefs bewahrt. Dieser Erwartung haben Duisenberg und Liebscher vorerst den Boden entzogen. Hätten sie also besser geschwiegen? Wahrscheinlich. Zwar haben beide Recht. Solange der Euro-Kurs in den derzeitigen Bandbreiten schwankt, stellt er kein zusätzliches Preisrisiko für Euro-Land dar. Dazu käme es erst, fiele er über Monate deutlich unter 80 US-Cent. Aber auch eine richtige Äußerung zur falschen Zeit kann dazu beitragen, dass Unterstützungslinien am Markt brechen - und der Euro wieder eine Etage tiefer fällt.



Der Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Hermann Remsperger, hat gerade gemahnt, die europäischen Notenbanker sollten "öfter einmal schweigen und der Versuchung widerstehen, Kurzfristbewegungen nachrangiger Indikatoren öffentlich zu interpretieren". Das ist schwierig, wenn die Öffentlichkeit nach Kommentaren verlangt. Am Donnerstag aber wäre es leicht gewesen.

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