Der europäische Standard UMTS hinkt hinterher, ist aber nicht aus dem Rennen
In Asien verschärft sich der Kampf der Mobilfunk-Technologien

Während Europas Mobilfunkanbieter den Start ihrer teuer erkauften UMTS-Dienste verzögern und die Erwartungen herunterschrauben, sonnt sich die asiatische Konkurrenz in Erfolgen mit schnellen Datendiensten.

HONGKONG. Das heizt die Konkurrenz zwischen europäischer und amerikanischer Mobilfunktechnologie an. Anbieter in Japan und Korea verwenden einen rivalisierenden Standard für Mobilfunkdienste der dritten Generation: CDMA2000.

Der Konkurrenzkampf der Systeme könnte Auswirkungen haben auf die Machtverhältnisse im weltweiten Mobilfunkmarkt. Den dominieren bislang die Europäer mit ihrer GSM-Technologie, auf der UMTS aufbaut. Um in den Genuss ähnlicher Skalenvorteile zu kommen, drängt der US-Konzern Qualcomm, der CDMA entwickelt hat und lizenziert, auf größere Marktanteile. Vor allem um den Markt Asien wird heftig gerungen. Die Region vereint wichtige Wachstumsmärkte wie China und Indien mit der Avantgarde des mobilen Internets, Japan und Südkorea. Anders als in Europa müssen sich europäische und amerikanische Mobilfunktechnologien in fast allen Ländern der Region im direkten Leistungsvergleich gegen einander behaupten.

Derzeit punktet der US-Standard: Manager von KDDI in Japan und SK Telecom, KT Freetel und LG Telecom in Südkorea brüsten sich, ihre CDMA-Datennetze liefen technisch einwandfrei; sie könnten sich auf die Entwicklung von Inhalten konzentrieren. CDMA2000 ermöglicht den vier Anbietern landesweit doppelt so hohe Übertragungsraten wie GPRS, die europäische Zwischenstufe auf dem Weg UMTS. Koreas Mobilfunker rüsten ihre Netze derzeit auf Datenraten hoch, die UMTS ebenbürtig sind. "Wir sehen einen deutlichen Umsatz-Anstieg durch neue Datendienste", freut sich der Technik-Vorstand von LG Telecom, Youn Kwan Kim. Allerdings schöpfen viele Koreaner die Möglichkeiten ihrer Handys noch nicht aus. Einfache Anwendungen wie das Herunterladen von Klingeltönen machen das Gros der Datenströme aus.

Am heftigsten tobt der Wettbewerb der Standards in Japan. Mit Hilfe des neuen Datendienstes hofft KDDI, der ewige David auf Japans Mobilfunkmarkt, endlich Boden gegen Docomo gutzumachen. Die Gelegenheit ist günstig, doch wie lange sie dauert, ist offen. "Den Wettbewerbsdruck, der in Asien entsteht, muss man ernst nehmen", warnt Bernd Eylert, Vorsitzender des Industrieverbands UMTS-Forum. Die Datenversion von CDMA2000 sei UMTS ein Jahr voraus. Doch Eylert glaubt nicht, dass das UMTS-Lager dadurch an Boden verliert. "Den Sprint kann CDMA gewinnen, aber das Rennen ist ein Marathon", sagt er.

Wenn die Kinderkrankheiten von UMTS gelöst sind, schafft die Technik höhere Übertragungsraten. Weil sie auf der weltweit dominanten GSM-Technik aufbaut, winken beträchtliche Skalenvorteile. Und die großen europäischen Telekom-Ausrüster Nokia, Siemens, Ericsson und Alcatel, die alle hinter UMTS stehen, haben ein vitales Interesse, die Technik zum Erfolg zu machen. Außerdem berichten Branchenkenner immer wieder von einem latenten Misstrauen gegenüber Qualcomm, weil die Amerikaner ihre Monopolstellung bei CDMA konsequent für hohe Lizenzgebühren nutzen.

Selbst SK Telecom und KT Freetel setzen nicht allein auf CDMA. Beide haben je 1 Mrd. $ für UMTS-Lizenzen ausgegeben. Auch die CDMA-Anbieter Hutchison Telecom in Hongkong und Telstra in Australien haben UMTS-Lizenzen erstritten. "Die Skalenvorteile von Hutchisons weltweiten UMTS-Diensten wird kurzfristige Vorteile von CDMA2000 aufwiegen," erläutert Agnes Nardi, Geschäftsführerin von Hutchison Telecom Hongkong, die Entscheidung, an der ihr Unternehmen nicht rütteln werde.

"Wir werden sowohl UMTS- als auch CDMA-Dienste anbieten", stellt SK-Telecom Vizepräsident Myung Lee klar. Auf ein Datum will er sich aber nicht festlegen. KT Freetel Vorstand Won-Pyo Hong wird deutlicher: "Wir erwägen, im kommenden Jahr ein kleines UMTS-Versuchsnetz zu starten", sagt er, "wir wollen testen, welcher Dienst effektiver ist." Bedingung für den Start sei jedoch die Verfügbarkeit von Handys, die auch CDMA-fähig sind.

Quelle: Handelsblatt

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%