"Der fair-value liegt nahe beim aktuellen Kurs“
Im Gemischtwarenladen Rheinmetall wird aufgeräumt

Das Portfolio des Mischkonzerns soll durch den Verkauf von Randgebieten gestrafft werden. Maßnahmen, die am Kapitalmarkt schon lange gefordert wurden. Restrukturierungserfolge könnten positive Auswirkungen auf den Kurs der Rheinmetall-Aktie haben.

DÜSSELDORF. In den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahrs konnte der Düsseldorfer Rüstungs- und Technologiekonzern Rheinmetall AG Umsatz und Auftrageingang um jeweils sieben Prozent steigern. Auf der Hauptversammlung am Montag teilte der Vorstand mit, dass der Umsatz auf 1,728 Milliarden Euro gewachsen ist. Die Auftragseingänge erhöhten sich auf 1,684 Milliarden Euro. "Diese Zahlen sind schon etwas dynamischer als die Quartalszahlen vom Mai", sagt Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. Vorstandsvorsitzender Klaus Eberhardt stellte den Aktionären auf der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2002 mindestens die Vorjahresdividende in Aussicht. Für das Geschäftsjahr 2001 werden 0,5 Euro je Vorzugsaktie und 0,44 Euro je Stammaktie gezahlt.

Der Mischkonzern war bereits mit Zuwächsen in das Jahr 2002 gestartet. Der Quartalsverlust im Konzern wurde von 19 auf acht Millionen Euro halbiert. Kräftige Umsatzzuwächse erzielten in den ersten drei Monaten des Jahres die Elektroniksparte (Aditron) und die Wehrtechniksparte (Rheinmetall DeTec). Die größte Konzernsparte Automobilzulieferungen (Kolbenschmidt Pierburg) legte dagegen nur leicht zu. "Aber in jedem der drei Bereiche gibt es Licht- und Schattenseiten", erklärt Richard Schramm, Analyst bei HSBC Trinkhaus & Burkhardt. Die besten Zahlen präsentierte Heimann Systems aus Wiesbaden. Die Rheinmetall-Tochter ist spezialisiert auf Sicherheitstechnik. "Die Nachfrage nach Erkennungs- und Prüfsystemen für Flughäfen ist nach den Ereignissen im vergangenen Jahr stark angezogen", erklärt Winfried Becker Analyst bei Sal. Oppenheim.

Bereits Anfang Mai hatte das am MDax notierte Unternehmen mitgeteilt, dass sich auch für das Gesamtjahr 2002 die Ertragslage weiter verbessern werde. Ein Gewinnanstieg sei allerdings an zwei Voraussetzungen geknüpft: Zum einen müsse die Automobilkonjunktur stabiler werden und zum anderen müsse eine Parlamentsentscheidung für ein Großprojekt für die Bundeswehr positiv ausfallen. "Beide Bedingungen sind realistisch", meint Schramm von HSBC. Er stuft die Vorzugsaktie des Mischkonzerns mit "kaufen" ein, als Kursziel gibt Schramm 15 Euro an. Die Aktienexperte von Sal. Oppenheim bewerten die Rheinmetall-Aktie mit "neutral". "Der fair-value liegt nahe beim aktuellen Kurs," sagt Becker. Auch bei M.M. Warburg wird die Bewertung des Konzerns auf aktuellem Niveau für angemessen gehalten. Auf Basis der Ergebnisschätzung für 2003 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Vorzugsaktie bei zehn. Der im Verhältnis zum Umsatz eher geringe Börsenwert des Konzerns relativiere sich durch die hohe Verschuldung und Zinsaufwendungen, heißt es in einer M.M.-Warburg-Studie. Die Eigenkapitalquote erreicht per 31.12.2001 nur 17 Prozent, während die Finanzverbindlichkeiten 21,5 Prozent der Bilanzsumme ausmachten.

Um eine Grundlage für weiteres Wachstum zu schaffen, hat der Düsseldorfer Konzern ein dreijähriges Umbauprogramm aufgelegt, das in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. Von 2003 an will das Unternehmen jährlich eine Million Euro einsparen, dazu soll auch der Abbau weiterer Arbeitsplätze beitragen.

Zudem soll das Portfolio des Mischkonzerns durch den Verkauf von Randgebieten gestrafft werden. "Diese Maßnahmen wurden am Kapitalmarkt schon lange gefordert", sagt Wertpapierexperte Schramm. Restrukturierungserfolge könnten positive Auswirkungen auf den Kurs haben. Auch Becker hält den Umbau für die richtige Strategie: Wenn Unternehmensbereiche auf lange Sicht nicht ihre Ziele erreichten, müsse man diese aufgeben, um die Mittel in Projekte mit höherer Verzinsung zu stecken. "Im Gemischtwarenladen Rheinmetall gibt es mehr als zwei Bereiche, die keine Faszination an den Kapitalmärkten auslösen", meint auch Jens Jung von Independent Research.

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