Der Fall Kamps enthält eine gute Botschaft für Aktionäre im In- und Ausland
Kamps: Hoher Aktienkurs ist die beste Verteidigung

Die Pasta- und Backwarengruppe Barilla hat den Düsseldorfer Großbäcker Kamps weich gekocht. Der erste Testfall für das neue deutsche Übernahmegesetz ist bestanden.

DÜSSELDORF. Zum Preis von 12,50 Euro je Aktie können die Italiener Europas größten Backwarenhersteller mit dem Segen von Vorstandschef Heiner Kamps und seiner Führungsmannschaft übernehmen.

Es zeigt sich: Ausländische Unternehmen kommen in Deutschland auch bei feindlichen Akquisitionen zum Zug - gleichgültig ob es sich um Mammut-Übernahmen wie bei Vodafone/Mannesmann oder um Gesellschaften der zweiten Reihe wie im jetzigen Fall handelt. Das ist eine gute Nachricht für den Finanzplatz Deutschland. Die heimischen Unternehmen haben die Kapitalmarktreife erreicht. Sie arbeiten für die Aktionäre und nicht gegen sie.

Über die Gründe für das Einlenken von Kamps muss nicht lange gerätselt werden. In Gesprächen haben die institutionellen Investoren dem Gründer Heiner Kamps offensichtlich klar gemacht: Zwölf Euro ist ein attraktiver Preis; da verkaufen wir. Dass Kamps durch geschicktes Taktieren zusätzlich einen halben Euro je Aktie für sich und die anderen Anteilsinhaber herausholen konnte, spricht für ihn als gewieften Verhandlungspartner.

Für ihn spricht auch, dass er nicht stur an seinem Lebenswerk festhielt, sondern sich im Sinne des Shareholder-Values für einen Verkauf entschied. Es kam ein für alle vernünftiger Deal heraus; eine wilde Übernahmeschlacht blieb überflüssig. Tatsächlich wären Abwehrmaßnahmen zu Lasten aller Aktionäre gegangen mit dem Ergebnis: Außer Spesen nichts gewesen. Denn zum Ende der Schlacht hätten die Italiener sicher das bessere Ende für sich gehabt.

Zu viele Anleger hatten die unerwartete Gewinnwarnung und der dadurch ausgelöste Kurssturz im vergangenen Jahr verunsichert. Kamps wurde das Label einer Gesellschaft des schnelllebigen Neuen Marktes aufgedrückt und nicht das eines Unternehmens der Old Economy. Deshalb wären neben Fonds und Versicherungen auch viele Kleinanleger auf das Barilla-Angebot eingegangen.

Das Beispiel Kamps macht deutlich, dass ein hoher Aktienkurs die beste Verteidigung ist. Nötig sind eine hohe Transparenz, guter Kontakt zu den Investoren, eine attraktive Unternehmensstory und klare Ertragsziele, die dann auch erreicht werden müssen. Es zeigt sich auch, dass Deutschland das neue Übernahmegesetz in der jetzigen Form nicht braucht. Denn es wäre dem Kamps-Vorstand durchaus möglich gewesen, Barilla Giftpillen zu verabreichen. Der Aufsichtsrat hätte ihn bestimmt dazu ermächtigt. Zudem wäre die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung möglich gewesen, um etwa das reichlich vorhandene genehmigte Kapital in der Bilanz zu nutzen. Doch das nach dem neuen Übernahmegesetz vorhandene Waffenarsenal blieb ungenutzt. Gut so.

Die Entscheidung ist umso höher einzuschätzen, als es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis Heiner Kamps seinen Stuhl im Chefbüro in Düsseldorf räumen muss. Andere Vorstände dürften ihn begleiten. Auch bei den Arbeitsplätzen gibt es natürlich keinerlei Garantie für deren Sicherheit. Reden, die dies vorgeben, dienen nur der Beruhigung der Mitarbeiter. Im Klartext: Freundliche Übernahmen gibt es nicht; es geht immer auf Kosten des gekauften Unternehmens.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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