Der „Fall Karsli“
Chronologie: Vom Grünen zum Fast-FDP-Mitglied

Seit einem Monat sorgt der "Fall Karsli" für heftigen Streit in der FDP. Die wichtigsten Stationen.

dpa DÜSSELDORF.
23. April: Jamal Karsli verlässt im Streit um die Nahost-Politik von Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) die Grünen. Noch am gleichen Tag wird er von der Düsseldorfer FDP-Landtagsfraktion ohne Gegenstimmen bei einer Enthaltung aufgenommen.

24. April: Als "Ausrutscher", der sich nicht wiederholen werde, entschuldigt Karsli eine Pressemitteilung von Mitte März, in der er Israel vorgeworfen hatte, gegen die Palästinenser "Nazi-Methoden" anzuwenden. In der FDP will er die israelkritische Position von Parteivize Jürgen Möllemann stärken.

3. Mai: In der vom NRW-Verfassungsschutz beobachteten rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" macht Karsli die Angst der Deutschen vor dem "Einfluss der zionistischen Lobby" dafür verantwortlich, dass in Deutschland keine Kritik an Israel möglich sei. Den Deutschen attestiert er eine moralische Lähmung angesichts des Holocausts.

11. Mai: Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff lehnt die Aufnahme Karslis in die FDP entschieden ab. Er wirft dem gebürtigen Syrer "antisemitischen Jargon" vor. Die FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher droht mit ihrem Parteiaustritt.

15. Mai: Der Kreisvorstand der FDP in Recklinghausen beschließt trotz anhaltender Kritik mit 10 gegen 5 Stimmen die Aufnahme Karslis.

16. Mai: In der FDP wächst die Empörung über die Aufnahme Karslis. FDP-Chef Guido Westerwelle und Möllemann vereinbaren für den 3. Juni eine Sondersitzung des FDP-Landesvorstands zum "Fall Karsli". Im ZDF wirft Möllemann dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, vor, "mit seiner intoleranten, gehässigen Art" mit verantwortlich für den Zulauf bei den Antisemiten zu sein. Friedman hatte die Aufnahme Karslis in die FDP scharf kritisiert.

18. Mai: Auch der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher geht auf Distanz zu seinem politischen "Ziehsohn" Möllemann. Für Karsli gebe es "keinen Platz" in der FDP, sagt der Ex-Außenminister. Erstmals fordert auch Westerwelle öffentlich, die Aufnahme des Ex-Grünen rückgängig zu machen. Möllemann lehnt ein Vorziehen der Sondersitzung des Landesvorstand ab.

22. Mai: Karsli zieht in einem Brief an Möllemann seinen Aufnahmeantrag in die FDP zurück. Er wird aber als parteiloser Abgeordneter in der FDP-Landtagsfraktion bleiben. Möllemann beklagt eine "öffentliche Hetzjagd" gegen Karsli und erneuert seine Kritik an Friedman.

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