Der Fall Mannheimer
Imageschaden und verunsicherte Kunden

Die drohende Pleite des Lebensversicherers Mannheimer dürfte manchem Politiker nicht ungelegen kommen. Mitten in der Debatte um Gesundheits- und Rentenreform werden sich Gegner einer stärkeren Privatvorsorge bestätigt fühlen.

HB/dpa BERLIN. So ist auch der Versicherungsbranche klar, dass der Fall der Mannheimer-Gruppe einen beträchtlichen Imageschaden darstellt. Das Interesse der Unternehmen ist daher groß, nach dem gescheiterten Rettungsplan das Problem nun "möglichst schnell und geräuschlos" zu lösen.

Während Aktionäre am Donnerstag über einen erneuten Kurseinbruch klagten, ist für Kunden der Mannheimer Holding dagegen vorerst kein unmittelbarer Schaden entstanden. Würden doch die Verträge der Lebensversicherungs-Sparte dank der Auffanggesellschaft "Protektor" erfüllt. Doch unter dem Dach der Mannheimer gibt es auch eine Schaden- und Unfallsparte sowie eine Krankenversicherung. Dafür gibt es - bisher jedenfalls - noch keinen derartigen Rettungsanker.

Die Schieflage der Mannheimer-Gruppe, die wohl der erste Fall für die noch junge Auffanggesellschaft wird, ist alles andere als überraschend. Schon seit langem galt sie als ein Problemfall. Doch auch andere der rund 120 deutschen Lebensversicherer müssen kämpfen. Bei Stresstests der Finanzaufsicht kamen etliche ins Schwitzen oder wurden von Ratingagenturen auf "Schwarze Listen" gesetzt. Zwar beschwören Aufsicht und der Branchenverband GDV seit Monaten, dass die Lebensversicherer in ihrer Substanz nicht gefährdet seien. Doch die Konjunkturflaute mit nunmehr drei Stagnationsjahren und die mehrjährige Börsenschwäche haben längst ihre Spuren hinterlassen.

Um Kunden zu gewinnen, hatten die Lebensversicherer viele Jahre hohen Überschüsse gezahlt. Das klappte lange, als die Börse boomte. Lebensversicherer gehören zu den größten Kapitalsammelstellen in Deutschland. Mehr als 80 % der Kapitalanlagen von 540 Mrd. ? sind aber in festverzinslichen Papieren und Immobilien angelegt. Kursrückschläge an den Börsen und niedrige Zinsen an den Rentenmärkten haben die Kapitalerträge aller Anbieter gedrückt. Doch nicht nur Erträge fehlen. Auch Bewertungsreserven, die sonst als nicht realisierte Kursgewinne genutzt wurden, fielen weg.

Viele Versicherer kündigten an, ihre Überschussbeteiligung senken. Schwächere Gesellschaften gerieten besonders unter Druck. Die Lebens-Sparte der Mannheimer Holding hatte sich mit Aktiengeschäften verspekuliert und benötigt nun rund 370 Mill. ? frisches Eigenkapital. Doch die Probleme der dank "Protektor" gesicherten Lebensversicherungsparte können durchaus auch auf die anderen Sparten übergreifen - auch wenn die Krankenversicherung sowie Schaden/Unfall in eigenständigen Töchter unter dem Holding-Dach geführt werden.

Die Privaten Krankenversicherer geben schon mal Entwarnung. Zwar gebe es hier keine Auffanggesellschaft à la "Protektor". "Es würde aber auf jeden Fall eine Lösung gefunden", sagt eine Sprecherin des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV). Der Bestand einer Problemgesellschaft würde auf ein oder mehrere Unternehmen übertragen: "Derzeit ist dies aber nicht akut." Und im Schaden- und Unfall-Bereich gibt es zumindest bei Kfz-Policen eine Art Fonds.

Ob Lebensversicherer weiter den Nimbus der unantastbaren und sicheren Finanzanlage genießen, wird sich zeigen. Im Rendite- Wettbewerb stehen sie immer noch verhältnismäßig gut da. Auch deshalb haben sie ihre Beitragseinnahmen 2002 um etwa 4,5 % auf 65,2 Mrd. ? erhöht. Für dieses Jahr wurde - vor dem Desaster der Mannheimer-Gruppe - ein Plus zwischen drei und 4 % angestrebt.

Dass sich andere Versicherer jetzt wenig solidarisch mit der Mannheimer zeigten, überrascht kaum. Nicht wenige Marktteilnehmer erwarten nun eine verstärkte Konsolidierung. Die Großen hoffen, von den Problemen der Kleinen zu profitieren. Der GDV will aber weiter nichts von einer Fusionswelle wissen. Die Mannheimer-Gruppe sei ein Einzelfall. Grund seien Management-Probleme. "Die wirtschaftliche Lage der Branche ist o.k.." Wie der Markt in ein paar Jahren aussehe, sei offen: "Das ist eine Glaskugel, in die wir alle schauen.

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