Der fast 50-Jährige soll die britische Mobilfunkfirma mmO2 lenken
Peter Erskine: Der Prediger der Offenheit

Sein Traum wird wahr. Nach dem Okay der Aktionäre geht die Mobilfunksparte von British Telecom an die Börse. Und Peter Erskine wird Chef der neuen Firma. Aber viele Anleger zweifeln am Erfolg der Aktie.

LONDON. Peter Erskine ist Frühaufsteher. Oft schon vor sechs Uhr morgens, wenn seine Frau und die vier Kinder noch schlafen, schleicht sich der Telekom-Manager aus seinem Haus im idyllischen Henley-on-Thames. "Mein Gehirn arbeitet am besten ganz früh morgens", verrät der Chef der britischen Mobilfunkfirma mit dem Kunstnamen "mmO2".

Von seinem Wohnort nahe Schloss Windsor dauert es mit dem Mercedes 320 S weniger als eine Stunde bis zum Arbeitsplatz in der Londoner City. So sitzt Erskine jeden Morgen bereits vor sieben Uhr an seinem Schreibtisch, der noch in der Zentrale von British Telecom (BT) steht.

Nicht mehr lange. Am 19. November wird Erskines Traum war. Dann geht der Mobilfunker - bisher eine Sparte von BT - unter dem Namen "mmO2" als Unternehmen an die Börse. Mit dem ersten Handelstag in London und New York wird Erskine nach mehr als 20 Managerjahren endlich "richtiger" Chef - mit 15 000 Mitarbeitern und fast 17 Millionen Kunden in Großbritannien (BT Cellent), Irland (Digifone), Deutschland (Viag Interkom), den Niederlanden (Telfort) und auf der Isle of Man (Manx Telecom).

Die Freude und eine Portion Stolz sind dem Mann mit dem stets freundlichen Seehundlächeln anzumerken. Der Manager, seit 1993 bei British Telecom, muss künftig keinem Konzernchef mehr berichten.

Doch von den befreiten Fesseln ist im Gespräch wenig zu spüren. Wenn er die O2-Strategie vorstellt, wirkt er eher wie ein Handelsvertreter bei einer Routinepräsentation. Erskine predigt pflichtbewusst Wachstum, lobt den umstrittenen neuen Firmennamen als ein gutes "Symbol für Sauerstoff" (O2). Auch die Botschaft für den deutschen Verlustbringer Viag Interkom hat er gelernt: Gewinn im Jahr 2003, momentan keine Entlassungen geplant.

Trotz seines Erfolgs verkörpert der fast 50-Jährige nicht gerade den frischen Wind, den mmO2 im Gegensatz zur alten "Behörden-BT" entfachen will. In der Handy-Branche, in der sonst Superlative und Visionen zählen, gilt der Mann mit dem knuffigen Schnauzbartgesicht denn auch nicht als großer Redner. "Erskine wird die Welt nicht in Brand setzen", merkt ein Kollege an.

Der Manager, der vor dem Einstieg in die Telekombranche für Firmen wie Colgate Palmolive und den Schoko-Riegel-Riesen Mars gearbeitet hat, stammt nicht aus der feinen, englischen Oxbridge-Welt. So werden die Studenten aus Cambridge und Oxford genannt, deren Karriere oft schon vor dem Abschluss besiegelt ist. Erskine ist am Rande des Londoner Ostens geboren und hat in der Industriestadt Liverpool Psychologie studiert.

Erskine ist zwar stolz auf seinen hart erarbeiteten Erfolg, "aber er zeigt nie Arroganz", lobt ein Kollege. Erskine pflegt engen Kontakt zu seinem Team und beantwortet alle E-Mails persönlich. Der studierte Psychologe ist zwar Fan des rauen Fußball-Clubs Tottenham Hotspurs, aber er ist kein Ellenbogen-Typ geworden. Manager sollten "offen und empfänglich für Kritik sein", lautet seine Erkenntnis. "Und sie müssen die Wahrheit sagen." Bei kritischen Fragen wird Erskine jedoch sich selbst schon mal untreu. Angesprochen auf sein Gehalt (1,5 Millionen Mark, 500 000 Mark Bonus für den Börsengang und Aktienoptionen) reagiert der Prediger der Offenheit sehr verschlossen. "Das können Sie auf Seite 95 im Börsenprospekt nachlesen", raunzt er.

Gerade seine Bezahlung sorgte unter BT-Aktionären, die gestern der Abspaltung der Mobilfunksparte zustimmten, für Unmut. Außerdem sind viele Anleger unsicher über den Erfolg der O2-Aktie. Zwar entlässt BT ihre Tochter fast schuldenfrei aufs Börsenparkett. Sackt der Aktienkurs aber ab, kann O2 zum Übernahmekandidaten werden. Dann wäre Peter Erskines Traum vom eigenen Chefbüro schnell beendet.

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