Der FC Bayern München ist Herbstmeister und freut sich auf Weihnachten
Schöne Bescherung

Uli Hoeneß gab sich alle Mühe. Er dachte nach, verdrehte etwas die Augen und wog den Kopf hin und her. Aber im Kabinengang des Gottlieb- Daimler-Stadions wollte dem Manager des FC Bayern München niemand einfallen, der seinen Klub noch aufhalten könnte. Hoeneß grinste. "Eigentlich können wir uns den Meistertitel nur noch selbst nehmen", sagte er.

STUTGART. Acht Punkte haben sie nach dem 3:0-Sieg beim VfB Stuttgart in der Tabelle nun Vorsprung vor Borussia Dortmund und dem SV Werder Bremen. Und den ersten Titel haben sie in der Tasche: die Herbstmeisterschaft. "Das war ein fast perfektes Spiel, das war eigentlich meisterlich", sagte Uli Hoeneß. Zufriedenheit umspülte ihn wie das Wasser eines warmen Bades. Als gelte es einer großen Mannschaft zu einem grandiosen Sieg und irgendwie nach dem 16. Spieltag schon zur Meisterschaft zu gratulieren, standen der beglückte Manager und der erfreute Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge Spalier im Kabinengang.

All der Ärger und Verdruss über das schmachvolle Aus in der Champions League - als ganz Europa nur noch ein spöttisches Lächeln für sie übrig hatte - schien verraucht. "Ich freue mich, dass die Mannschaft nach dem Aus so reagiert. Das war für uns alle ein heilsamer Schock", sagte Rummenigge nach der emotionslosen Dienstreise nach Stuttgart und lächelte.

Das Duell gegen die "jungen Wilden" aus Schwaben fiel einseitig aus. Es spielten nur die Bayern. "Clever, abgebrüht und eiskalt", beschrieb Michael Ballack mit stoischem Gesichtsausdruck die neue Erfolgsgeschichte der wieder belebten Bayern im Telegrammstil. "Wir dürfen jetzt nur nicht den Fehler machen, überheblich zu werden." Deshalb wollen Rummenigge und Hoeneß wie Tugendwächter mit strengem Blick auf Disziplin achten. Wie er das anstellen will, wusste Hoeneß ganz genau: "Wir werden die Spieler wiegen, vorher und nachher und die dicken Weihnachtsgänse verbieten." Und Rummenigge sagte: "Es gibt keine Alternative, wir müssen das konzentriert durchziehen". Zufrieden schlichen sie davon.

Allen voran Roque Santa Cruz. Der Mann aus Paraguay hatte die Stuttgarter mit seinen beiden Toren (33./69.) nach der Führung von Alexander Zickler (29.) fast im Alleingang besiegt. "Wir können wirklich zufrieden sein", sagte er. Wie eine Maschine hatten sie gespielt. Und wenn es doch brannte, war ihr Torwart Oliver Kahn zur Stelle.

Anders als seine Vorgesetzten wollte Trainer Ottmar Hitzfeld nicht in die Jubelarien einstimmen. "Das", meinte er knochentrocken, "ist noch keine Entscheidung in der Meisterschaft". Es wäre noch ein langer Weg. Ungewohnt begeistert war er von seiner Abwehr. Die habe Großes geleistet, und so konnten die Bayern ihr fünftes Spiel in der Bundesliga zu Null gewinnen. "Das könnten schöne Weihnachten werden", meinte Hoeneß.

Allerdings nur in München. Die von der ganzen Liga ersehnte Fußballrevolution fiel aus. "Wir haben eine große Chance verpasst, auf uns aufmerksam zu machen", klagte Felix Magath. Der VfB-Coach wünscht sich endlich Ruhe im Verein. Das tagelange Theater um den umstrittenen Manager Rolf Rüssmann, dessen Rückhalt im Verein - auch beim Trainer und der Mannschaft - immer mehr schwindet, müsse aufhören. Das sei nicht spurlos an der Mannschaft vorbei gegangen, so Magath. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende und mächtige Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat bereits angekündigt, die Angelegenheit Rüssmann werde man in der Winterpause behandeln. Vieles deutet darauf hin, dass Rüssmanns Ende 2003 auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Deshalb könnte es schon bald zu einer Trennung kommen.

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