Der Finanzchef des Telekommunikationskonzerns verlässt British Telecom zum Jahresende
Peter Bonfield: Sir Peters bitterer Abschied

Einst war er der Star. Längst ist aber sein Glanz verblasst. Gestern prasselten bei seinem letzten großen Auftritt die scharfen Fragen der Journalisten auf Bonfield nieder.

Weg, bloß weg hier! Die Abschiedsworte an die Journalisten waren noch nicht verhallt, da hatte Peter Bonfield schon die Bühne verlassen. Der Chef von British Telecom (BT), der sich in der Vergangenheit bei der Präsentation von Visionen und Geschäftszahlen gerne im Rampenlicht sonnte, verschwand gestern so schnell wie ein scheues Reh hinter den Kulissen der Londoner BT-Zentrale. Bloß keine kritischen Fragen mehr zu Vorstandsquerelen, Fehlentscheidungen und satter Abfindung.

Erst vor zwei Wochen hatte Bonfield angekündigt, er werde im Januar vorzeitig von der BT-Spitze abtreten. Also war gestern der wichtige Tag: Zum letzten Mal musste der Konzernchef nach sechs Jahren an der Spitze des britischen Telefonriesen die Quartalszahlen des Unternehmens präsentieren. Doch die Chance zum großen Auftritt nutzte der 57-Jährige nicht. Das lag aber keineswegs an den schwachen BT-Zahlen. Bonfield verlässt den Konzern als verblasster Superstar.

Noch vor wenigen Jahren hatte der Manager gestrahlt. 1996 war Sir Peter von der Queen zum Ritter geschlagen, im gleichen Jahr von BT auf den Chefsessel gehoben worden. Das Land feierte den smarten Briten als "Großbritanniens besten Technologie-Manager" ("Sunday Times").

Londoner City forderte schon vor Monaten seinen Abgang

Heute sieht alles anders aus: Schon seit Monaten forderte die Londoner City seinen Abgang. So oft wie kein anderer britischer Spitzenmanager (außer Bob Ayling, dem Ex-Chef von British Airways) wurde Bonfield vorab in der Presse totgesagt.

Doch Bonfield ist niemand, der schnell aufgibt. Durchhalten - das hat der Sohn eines Ingenieurs und einer walisischen Methodistin im harten Nachkriegs-England gelernt. So konnte er im BT-Haifischbecken, wie er den Konzernvorstand einmal nannte, überleben. Mutig hatte Bonfield dem Konzern bei Amtsantritt eine Achterbahnfahrt angekündigt. Heute bezeichnet er die Zeit an der Konzernspitze als "Höllenritt", den er genossen habe. Kein Wort des Ärgers, über all die, die ihn in die Pfanne gehauen haben. Bis zum bitteren Ende bleibt Bonfield ganz britischer Gentleman.

Er hat sich die Zeit bei dem Telekom-Konzern sicherlich anders vorgestellt. Schließlich galt er bei Amtsantritt als erste Wahl. Der Ingenieur brachte das nötige Fachwissen mit und konnte bereits auf eine erfolgreiche Managerkarriere verweisen. Bereits mit 23 Jahren war er von Texas Instruments nach Dallas geschickt worden. Für ihn eine der besten Erfahrungen im Leben, sagt Bonfield heute, der den Texas-Akzent im Hertfordshire-Englisch pflegt und manchmal in echte Cowboystiefel aus Wildleder steigt.

Samurai-Schwert für gute Arbeit

16 Jahre blieb Bonfield bei Texas Instruments, wollte nie mehr weg von dem Unternehmen. Doch dann kam das Angebot, den britischen Computerhersteller ICL aus der Krise zu führen. So war der Enddreißiger mit seiner Frau Josephine - einer Britin - plötzlich wieder in Old England. Bonfield löste die schwere Aufgabe und stieg 1990 zum ICL-Chef auf. Der inzwischen neue Eigentümer Fujitsu schenkte ihm zum Dank ein Samurai-Schwert, dass noch heute in Bonfields Büro hängt.

Das stolze Erfolgssymbol wird nun eingepackt. Vielleicht zieht es mit Bonfield nach Amerika um, wo der Liebhaber des Don-McLean-Songs "American Pie" sein Herz verloren hat. In den Staaten hat er Aktionärskultur und Management gelernt. Dort hat er bereits ein Haus und dort kann er sich vorstellen, "weniger hektische" Aufgaben bei kleineren Firmen zu übernehmen. Die BT-Abfindung von umgerechnet rund fünf Millionen Mark hilft dabei.

Doch gestern musste Bonfield noch einmal ins Gefecht. Wie Stachel im wunden Fleisch saßen die Fragen der Journalisten, etwa nach dem vergoldeten Abschied und nach seiner größten Fehlentscheidung. Eine Stunde wand sich Sir Peter sichtbar unwohl auf seinem Stuhl, räumte unwirsch Fehler bei der internationalen Ausrichtung des Konzerns ein. Und immer wieder sprang sein Blick hilfesuchend hin und her. Bloß weg hier!

Der Mann, der einen Weltkonzern formen sollte, hinterlässt eine zerschlagene und zum nationalen Netzanbieter geschrumpfte BT Group. "Bonfields Rücktritt bringt die schlimmste Periode der BT-Firmengeschichte zu einem Ende", applaudierte der "Sunday Telegraph". Der Höllenritt ist zu Ende.

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