Der Fluch des Erfolgs
Heynckes droht das Aus in Bilbao

Ein Fußballtrainer wird normalerweise entlassen, wenn er keine Erfolge vorweisen kann. Für Jupp Heynckes scheint in Spanien genau das Gegenteil zu gelten. Bei Real Madrid wurde der Ex- Gladbacher 1998 gefeuert, wenige Tage nachdem er mit den "Königlichen" die Champions League gewonnen hatte. In Bilbao droht dem 58-Jährigen nun ein ähnliches Schicksal.

HB/dpa MADRID. Der Traditionsclub Athletic Bilbao macht wenig Anstalten, den zum 30. Juni auslaufenden Vertrag zu verlängern, obwohl Heynckes die Basken - entgegen allen Erwartungen - zu einem Anwärter auf das Erreichen des UEFA-Pokals gemacht hat. Nach Ansicht von "Marca" sind die Würfel bereits gefallen. "Heynckes wird nicht in Bilbao bleiben", schrieb das Sportblatt. "Daran wird auch die Qualifikation für den UEFA-Pokal nichts mehr ändern."

Dabei ist der Deutsche bereits in die Geschichte des 105 Jahre alten Clubs eingegangen. Heynckes bestritt mit den baskischen "Löwen" 150 Ligaspiele. Nur drei Trainer, darunter der Ex-Nationalcoach Javier Clemente, kamen auf mehr. Schon vor einem halben Jahr hatte es so ausgesehen, als wären Heynckes' Tage in Bilbao gezählt. Der achtmalige Meister und 23-fache Pokalsieger erwischte den schlechtesten Saisonstart seit Jahrzehnten und lief Gefahr, erstmals in der Vereinsgeschichte in die 2. Liga abzusteigen.

"Heynckes hat nicht die Fähigkeit, das Ruder herumzureißen und den freien Fall aufzuhalten", konstatierte damals das Lokalblatt "Deia". Aber der Trainer bewies das Gegenteil. Er führte den vermeintlichen Abstiegskandidaten aus dem Keller bis auf den 6. Rang der Primera División und ist nun seit neun Spielen ungeschlagen.

Die beiden können sich nicht ausstehen

Dass der Club dennoch von einer Vertragsverlängerung wenig zu halten scheint, dürfte mit dem gespannten Verhältnis zwischen Heynckes und Manager Andoni Zubizarreta zu tun haben. "Die Beiden können sich einfach nicht ausstehen", urteilte das Fachblatt "Sport". Die von "Zubi", der einstigen spanischen Torwart-Legende, verpflichteten Spieler werden von Heynckes kaum aufgestellt. Zudem übte der Deutsche offene Kritik an der "Vereins-Philosophie" von Athletic, nur baskische Fußballer unter Vertrag zu nehmen.

"Andere Vereine fahren mit Formel-1-Rennwagen, wir müssen mit einem Volkswagen vorlieb nehmen", beklagte der Trainer. Auch eine andere Bemerkung von Heynckes kam bei den Basken nicht gut an: "Es ist für den Verein ein Luxus, einen Trainer wie mich unter Vertrag zu haben."

Die Fans haben auch wenig Verständnis dafür, dass der Trainer ihr Idol Julen Guerrero Woche für Woche auf der Ersatzbank schmoren lässt. Dabei hatte Heynckes den blonden Mittelfeldspieler vor Jahren selbst entdeckt. Der Trainer selbst hält sich bei den Spekulationen über einen mögliche Abschied von Bilbao bedeckt. Auf die Frage, ob er es bei Athletic auf weitere 150 Spiele bringen werde, antwortete er scherzhaft: "Wenn meine Gesundheit mir das erlaubt."

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