Archiv
Der Fluch des Öls

Öl ist ein Flucht, der die wirtschaftliche Entwicklung lähmt, Korruption und Instabilität fördert. Das belegen langfristig angelegte Studien. Abhilfe schafft nur Transparenz.

Nach der Festnahme von Saddam Hussein können der Irak und die westlichen Nationen nun nach vorn schauen und den Wiederaufbau des Landes unabgelenkt in Angriff nehmen. Alles sollte mit der Zeit gut werden. Immerhin hat das Land genügend Öl, um Wohlstand und Stabilität herzustellen - so die vorherrschende Meinung. Doch stimmt diese Einschätzung? Nicht wirklich.

Erdöl - im Mittleren Osten und anderswo - ist nicht nur ein devisenbringendes Geschenk des Himmels, es ist auch ein Fluch - wie mehrere langfristig angelegte Studien belegen. So sind Staaten ohne Rohstoffe in den vergangenen vierzig Jahren zwei- bis dreimal so schnell gewachsen, wie Länder mit Rohstoffen. Das gilt insbesondere für jene Staaten, die über große Erdölvorkommen verfügen. Besonders deutlich wird das am Wachstumsverhalten der OPEC-Staaten aus dem Mittleren Osten nach den Ölpreissteigerungen in den siebziger Jahren. Zwar stiegen die Deviseneinnahmen steil an - und auch die Konsumausgaben, aber das allgemeine Wachstum blieb schwach. Im Gegenteil: die Ansammlung der Einnahmen in den Händen weniger hat die Korruption gefördert und die Stabilität in der Region untergraben. Der Ölboom hat - so stellte ein Report der Universität Los Angeles fest - partiell sogar zu steigender Armut geführt.

Diese Probleme können nur dann gelöst werden, wenn sich Ölproduzenten und Ölabnehmer gemeinsam zur Transparenz verpflichten - am besten unter der Anleitung multinationaler Institutionen wie der Weltbank. Dann würde die Korruption abnehmen und das Öleinkommen über Fonds produktiver verteilt - wie heute schon in Norwegen, Chile oder Alaska.

Wollen Sie mit diskutieren, uns Ihre Meinung schreiben? hb.bottom-line@vhb.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%