Der französische Strommonopolist EdF hat 20 Prozent am zweitgrößten Versorgungsunternehmen Italiens erworben
Rom gegen Übernahme von Montedison

Der Einstieg des französischen Stromerzeugers EdF beim italienischen Mischkonzern Montedison stößt auf Hindernisse. Die Regierung in Rom will die Expansion des staatlichen Monopolisten aus Frankreich bremsen. EdF sieht in dem Engagement lediglich eine Finanzbeteiligung.

PARIS/ MAILAND. Mit allen Mitteln will die italienische Regierung eine Übernahme des Mischkonzerns Montedison SpA durch den staatlichen französischen Stromerzeuger Electricité de France (EdF) verhindern. EdF hatte am Dienstag mitgeteilt, ein Fünftel des Kapitals der Mailänder Holding, die unter anderem den zweitgrößten Energieversorger Italiens (Edison SpA) kontrolliert, erworben zu haben. Damit ist der französische Monopolist wichtigster Aktionär von Montedison und verfügt gemeinsam mit befreundeten Investoren über eine Kontrollmehrheit.

Sowohl Minister der aktuellen italienischen Regierung unter Giuliano Amato als auch mutmaßliche Mitglieder des künftigen Kabinetts von Silvio Berlusconi machten deutlich, EdF bei ihrem Expansionskurs Steine in den Weg legen zu wollen. Der Grund: Es könne nicht angehen, dass der im eigenen Land vor unerwünschter Konkurrenz geschützte Monopolist seine Stellung ausnutze, um in bereits (teil-)liberalisierten Märkten Fuß zu fassen. Mit derselben Argumentation hatte vor einigen Tagen auch die spanische Regierung per Gesetz den indirekten Einstieg von EdF beim Versorger Hidrocantabrico verhindert. Ähnliche Schritte werden auch in Rom erwogen. Ein Sprecher des EU-Wettbewerbskommissars Mario Monti teilte mit, dass der Fall unter die Lupe genommen werde.

EdF bemühte sich, die Aufregung um den Coup zu begrenzen. In einer Pressemitteilung unterstrich die französische Gruppe, dass sie sich einstweilen auf 20 % bei Montedison beschränken wolle. "Dieser Deal ist für EdF eine Finanzbeteiligung", äußerte ein EdF-Sprecher. Wir erwerben eine Position bei einer Holding, die mit den Gesellschaften Sondel und Edison über eine gewichtige Energieerzeugung verfügt. Analysten schenken dieser Version allerdings keinen Glauben. Carlo Cimino von Metzler Capital Markets in Mailand sagt: "EdF will mit diesem Deal auch operativ die Nummer zwei in Italien werden - was würde eine reine Finanzbeteiligung nutzen?"

Edison-Sondel, die in diesen Wochen fusionieren werden, haben im ersten Quartal 2001 bei einem Umsatz von 863 Mill. Euro (+52 %) einen Nettogewinn von 80 Mill. Euro (+12 %) erwirtschaftet. Gemeinsam verfügen sie über einen Marktanteil von 12 % gegenüber 70 % des mehrheitlich staatlichen Versorgers Enel SpA, dem sie in letzter Zeit viele kleine und mittelständische Unternehmenskunden abluchsen konnten.

Der italienische Strommarkt gilt als einer der lukrativsten in Europa. Nirgendwo sind die Preise höher. Außerdem muss Enel bis zum Ende nächsten Jahres ein Viertel seiner Stromerzeugungskapazitäten an Konkurrenten abgeben. Edison-Sondel gilt als einer der wichtigsten Interessenten für die Kraftwerke und wird im Falle eines Zuschlags erheblich wachsen.

Mit Beteiligungen in Europas wichtigsten Elektrizitätsmärkten Großbritannien (London Electricity) und Deutschland (EnBW) sowie strategischen Engagements in aller Welt gilt EdF in der Branche als am besten aufgestellter Stromkonzern. Die Erzeugungsleistung der EdF in Frankreich ist wesentlich höher als die seiner deutschen Wettbewerber, die ihr in Europa am nächsten kommen. Von seinen Gesamterlösen in Höhe von 34,3 Mrd. Euro kam im vergangenen Jahr schon ein Fünftel aus dem Ausland. Der Anteil an den 1,1 Mrd. Euro Reingewinn liegt vorerst noch etwas niedriger. Auch nach Italien liefern die Franzosen bereits Strom: 15 bis 20 % des nationalen Bedarfs wird über lang laufende Lieferbeziehungen zwischen EdF und Enel gedeckt. Vorstandschef François Roussely will den Umsatzbeitrag des Auslands binnen fünf Jahren auf die Hälfte steigern. Damit will er der Gruppe, die dem Staat jährlich eine Dividende von angeblich knapp einer Milliarde Euro überweist, gegen die Umsatzeinbußen absichern, die Frankreichs Strommarktliberalisierung mit sich bringen wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%