Der Fraport-Chef kämpft für den Ausbau des Frankfurter Flughafens
Wilhelm Bender: Zahlenmensch mit sprödem Charme

Er steht nicht gern im Rampenlicht. Doch fortan wird jeder Schritt Wilhelm Benders aufmerksam verfolgt: Als ersten deutschen Airport bringt er den Frankfurter Flughafen an die Börse. Heute beginnt die Zeichnungsfrist für die Fraport-Aktie.

Wilhelm Bender hat von seinem Büro aus das Geschäft stets im Blick. Der Vorstandschef der Fraport AG, der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, blickt aus einem Panoramafenster direkt auf das Rollfeld des Airports. Welche Maschinen starten, welche landen, wie der Betrieb läuft auf Europas zweitgrößtem Flughafen - nichts entgeht Benders wachsamem Blick.

Vor ein paar Monaten saß der promovierte Jurist noch etwas entspannter in seinem Arbeitszimmer. Der Börsengang des Flughafens wirbelt jedoch den Alltag des 57-Jährigen völlig durcheinander. Fast jede Minute ist für die Vorbereitung der Platzierung verplant, die dieses Jahr zu den größten in Deutschland zählt. Eine Atempause ist vorerst nicht in Sicht.

"Die Fraport-Aktie wird ein Erfolg"

Im Gegenteil. Jetzt, da der Börsengang in die heiße Phase geht, wird es für Bender noch anstrengender. Nun muss der Top-Manager, der nicht gerne im Rampenlicht steht, auf Roadshow, die Tour durch die Finanzzentren gehen, um Analysten und Investoren von den Perspektiven seines Unternehmens zu begeistern. Bender, ein freundlicher Zahlenmensch mit sprödem Charme, macht sich schon mal Mut: "Die Fraport-Aktie wird ein Erfolg", sagt er beinahe trotzig.

Etliche Vorleistungen hat der Manager dafür bereits erbracht. Unter seiner Führung schaffte der ehemals finanziell schwer angeschlagene Flughafen in den vergangenen Jahren einen Rekord nach dem anderen. Rechtzeitig trimmte Bender den Airport auf Expansion: Der promovierte Jurist baute ein weltweites Geflecht von mehr als 40 Flughafen-Beteiligungen auf, das weiter wachsen soll.

Diesen Sanierungserfolg hatten ihm bei seinem Start 1993 nur wenige zugetraut. Zu nüchtern, ohne jedes Charisma trat er an - zunächst einmal nur mit dem Anspruch, den von seinem Vorgänger hinterlassenen Schuldenberg rasch abzutragen. Bei der Aufgabe half dem in Frankfurt groß gewordenen Sozialdemokraten sicher nicht nur sein Parteibuch, sondern auch die Fähigkeit, in kleinem Kreis überzeugend zu argumentieren. Zudem kannte er von der Bahn die Strukturen eines Unternehmens, in das die Politik als Eigentümer hineinredet.

Der Ruf nach Frankfurt kam zur rechten Zeit

Bei der Bundesbahn hatte sich der aus Kirberg bei Limburg stammende Manager bis zum Leiter des Vorstandssekretariats des Ex-Bahnchefs Reiner Gohlke hochgearbeitet. Die Beamten-Karriere gab Bender aber auf, um beim "Verkehrsforum Bahn" in Bonn die Lobbyarbeit für die Bahnreform zu organisieren. 1990 wurde er Chef der damals zum Staatsunternehmen gehörenden Spedition Schenker - und saß plötzlich zwischen allen Stühlen, als sie im Veba-Konzern aufging. Der Ruf nach Frankfurt kam zur rechten Zeit.

Nicht immer lief es so reibungslos für den Vater zweier Kinder: Vor einem Jahr legte sich kurzzeitig ein Schatten über die Karriere. In dem Skandal um die Vergabe des künftigen Berliner Großflughafens ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Bender wegen Betrugsvorwürfen. Der Verdacht wurde schließlich ausgeräumt, doch der als korrekt geltende Bender spricht von einer entbehrlichen Erfahrung.

Erfolg der Fraport-Aktie hängt wesentlich an der neuen Landebahn

Heute kann er sich längst wieder ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Er will mit seinem Flughafen zu den großen Drei in der Welt aufsteigen - mit einer neuen Landebahn. Doch der Ausbau des Airports ist umstritten, vor allem in den Nachbargemeinden Frankfurts. Bender hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den Ausbau für eine Überlebensfrage hält. Ohne neue Landebahn, das weiß er, sind die Fraport-Aktien nur schwer verkäuflich.

Bender hat allerdings schon bewiesen, dass er sich in schwierigem Gelände zu bewegen weiß. Privat ist der Jurist nämlich ein leidenschaftlicher Mountainbike-Fahrer. Am liebsten strampelt er die Höhenwege im nahen Taunus hinauf - Gipfel reizen den Fraport-Chef offensichtlich nicht nur beruflich.

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